Haben und Sein:Frühlingsgaben

Haben und Sein: Läuft! Das Taschenmodell "Fluke" von Tsatsas wird im Offenbacher Ledermuseum auf einem Förderband präsentiert.

Läuft! Das Taschenmodell "Fluke" von Tsatsas wird im Offenbacher Ledermuseum auf einem Förderband präsentiert.

(Foto: Dimitrios Tsatsas)

Vegane Osterhasen, Bergsportmode von Frauen für Frauen und ein fast fünf Kilo schweres Kräuterbuch: die Stil-News der Woche.

Von Titus Arnu, Tanja Rest, Marten Rolff, Julia Rothhaas und Barbara Vorsamer

Klare Linien, verspielte Details: Diese Attribute sind das Markenzeichen des Labels Tsatsas aus Frankfurt/Main - die weit darüber hinaus wahrgenommen werden. Seine Handtaschen sind kleine Kunstwerke, die man sich um die Schulter hängt oder in der Hand mit sich trägt. Umso erstaunlicher ist, dass Esther und Dimitrios Tsatsas eigentlich Quereinsteiger sind. Doch nachdem die Architektin und der Industriedesigner ein paar Jahre lang für sich und ihre Freunde Handtaschen hergestellt hatten, beschlossen sie 2012, die Lederwerkstatt von Dimitrios Vater zu übernehmen, der als Feintäschner eine eigene Werkstatt hatte, und ihr Hobby zum Beruf zu machen. Zum zehnjährigen Firmenjubiläum würdigt das Deutsche Ledermuseum in Offenbach nun die Gestaltungsgabe der beiden. Gezeigt werden ab 1. April über 30 Modelle aus den vergangenen Jahren: Dafür ziehen die Taschen in Endlosschleife an den Besuchern auf einem Förderband vorbei (ledermuseum.de).

Haben und Sein: Jetzt macht Dries Van Noten auch Beauty, etwa Lippenstifte in aufwendigem Korpus.

Jetzt macht Dries Van Noten auch Beauty, etwa Lippenstifte in aufwendigem Korpus.

(Foto: Hersteller)

Lange Zeit zeichnete sich der belgische Designer Dries Van Noten nicht nur durch coole, wunderbar tragbare Mode aus, sondern auch dadurch, was er alles nicht machte. Keine Werbung, keine Zwischenkollektionen, nur wenige Accessoires und - keine Beauty. Der anhaltende Erfolg sorgte dennoch dafür, dass der noch unabhängige Firmenchef mehr als genug zu tun hatte. Inzwischen ist der spanische Modeunternehmer Puig als Investor mit an Bord und hält ihm so manches vom Leib. Was, so dachte sich offenbar der solcherart befreite Dries, könnte er mit der gewonnenen Zeit nun Sinnvolles anstellen? Wie wäre es zum Beispiel mit . . . einer Beauty-Linie? Dries Van Noten Beauty ist am 2. März lanciert worden, interessierten Besuchern hat er die Bestandteile bei der Pariser Fashion Week selbst vorgeführt: zehn Düfte mit so erlesenen Namen wie "Cannabis Patchouli", "Fleur du Mal" oder "Rock the Myrrh", abgefüllt in Flakons, die mit ihrem leuchtenden Farbspektrum und wilden Mustermix den Dries-Look angemessen wiedergeben (100 ml zwischen 220 und 240 Euro). Hinzu kommt noch eine ebenso hübsch verpackte Palette von vier Lippenstiften für 34 Euro ( driesvannoten.com und ab 22. April im Berliner Konzeptstore von Andreas Murkudis).

Haben und Sein: Von Frauen für Frauen: die neue Bergsport-Marke La Munt. Hier "Samuela", die gefütterte Kaschmirjacke.

Von Frauen für Frauen: die neue Bergsport-Marke La Munt. Hier "Samuela", die gefütterte Kaschmirjacke.

(Foto: Hersteller)

Das Bezwingen von Wänden, adrenalinlastige Abenteuer und die Eroberung "jungfräulicher" Gipfel: Über Jahrhunderte war der Alpinismus von Männern dominiert. Dementsprechend martialisch wirkt oft das Outfit von Bergsportlern. Frauen haben jedoch meist eine andere Herangehensweise ans Gebirge. Ruth Oberrauch, Managerin der Südtiroler Oberalp-Gruppe (Salewa, Dynafit, Wild Country, Pomoca), hat ausführlich hinterfragt, inwieweit sich auch Bergsportmarken der männlichen Historie verschreiben. Ergebnis ihrer Überlegungen: eine neue Bergsport-Marke, "von Frauen für Frauen". La Munt, ladinisch für Berg, vereinbart Funktionalität mit Finesse. Die Kollektion umfasst wasserfeste und gefütterte Jacken, Ponchos, Leggings, Hoodies und Hosen, dazu Accessoires wie Stirnbänder und Bauchtaschen. Die Gründerin hat ihre erste Kollektion so gestaltet, dass die femininen Funktionsklamotten "weiblich und stark" zugleich wirken (lamunt.com).

Haben und Sein: Vegan, bio, plastikfrei, zuckerreduziert: Osterhase von Nu Company.

Vegan, bio, plastikfrei, zuckerreduziert: Osterhase von Nu Company.

(Foto: Hersteller)

Außen quietschbuntes Plastik, innen Billigkakao: So sehen die meisten der 220 Millionen Osterhasen aus, die bald wieder begeistert aus Deutschlands Hecken gezogen werden. Die teuren Alternativen aus der Patisserie kommen meist weniger gut an, Kinder lieben eben süßen Schmelz im Mund. Den stellt das Schokoriegel-Start-Up Nu Company nun mit Kokosblüten und Erdmandelmehl statt Milchpulver und Industriezucker her. "Bunny" ist bio, vegan, zuckerreduziert, plastikfrei und zu mindestens 51 Prozent aus fair gehandeltem Kakao aus Peru. Soll schließlich für Kinder sein - nicht von Kindern. Die Schokofigur kommt in einer Schachtel, deren Rückseite zum Ausschneiden und Ausmalen gedacht ist, falls der grün-gelbe Karton nicht bunt genug sein sollte (5er-Set für 19,95 Euro, the-nu-company.com).

Haben und Sein: Das "New Kreüterbuch" des bayerischen Gelehrten Leonhart Fuchs von 1543 gilt als Meilenstein der Botanik.

Das "New Kreüterbuch" des bayerischen Gelehrten Leonhart Fuchs von 1543 gilt als Meilenstein der Botanik.

(Foto: Hersteller)

Das Interesse der Deutschen für Kräuter war immer schon groß, wobei es stets eher um Gesundheit als um Geschmack ging. Frei nach dem Motto: Ein Kraut ist dann ein gutes Kraut, wenn sich historisch zweifelsfrei belegen lässt, dass Hildegard von Bingen damit irgendein Leid gelindert hat. Dagegen ist erst mal nichts zu sagen, ist der Stellenwert der Kräuterheilkunst doch unbestritten. Etwas weniger bekannt als Hildegard von Bingen, aber ähnlich einflussreich, war der bayerische Arzt, Botaniker und Universalgelehrte Leonhart Fuchs, der 1501 als Sohn des Bürgermeisters von Wemdingen bei Donauwörth geboren wurde. Fuchs studierte Medizin in Ingolstadt, wurde Leibarzt des Ansbacher Markgrafen und später Rektor der Universität Tübingen, wo er auch einen Garten mit Arzneipflanzen anlegte. Fuchs' Ruf als "einer der Väter der Botanik" beruht auch auf seinem New Kreüterbuch, das 1543 erschien und in dem mehr als 500 Pflanzenarten beschrieben und mit ebenso vielen Holzschnitten aufwendig illustriert wurden. Sogar neue, erst in Amerika entdeckte Pflanzen wie Mais und Tabak nahm Fuchs darin auf. Wenn der Taschen-Verlag das Buch 480 Jahre nach seinem Erscheinen nun neu auflegt, dürfte das vor allem Ästheten und historisch interessierte Kräuterliebhaber ansprechen. Der Nachdruck (4,8 Kilo) macht sich auf jedem Coffeetable gut und basiert auf Fuchs' persönlicher, handkolorierter Originalausgabe. Hat man dann genug geschwelgt in edlen Fraktur-Absätzen und herrlichen Abbildungen, darf man sich kurz daran erinnern, dass Ingwer, Fenchel und Holunder nicht nur als Nieren- oder Stirnhöhlenwickel taugen, sondern auch gut schmecken.(125 Euro, taschen.com).

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: