Fußball-Transfermarkt in Europa:Buhlen um die besten Stürmer

Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge würden Robert Lewandowski gerne das rote Bayern-Trikot überziehen

Uli Hoeneß (li.) und Karl-Heinz Rummenigge (re.) würden Robert Lewandowski gerne das rote Bayern-Trikot überziehen.

(Foto: Getty Images)

Mario Gomez will nicht mehr beim FC Bayern spielen, Robert Lewandowski will unbedingt - und darf nicht. Doch nicht nur in der Bundesliga hat das Wetteifern um die stärksten Angreifer begonnen. In allen europäischen Topklubs herrscht Aufregung. Ganz vorne dabei: Real Madrid und Manchester City.

Eine Übersicht von Martin Anetzberger und Lisa Sonnabend

Wer mit wem? Die Transferzeit hat gerade begonnen - und es wird bereits geschachert und taktiert. Die großen Fußballklubs in Europa buhlen derzeit vor allem um die Stürmer. Mario Gomez ist nicht der einzige Top-Angreifer, der sich einen neuen Arbeitgeber sucht. Auch Wayne Rooney, Hulk oder Luis Suárez zeigen sich durchaus offen für etwas Neues. Eine Übersicht.

  • Mario Gomez

​Die Zusammenarbeit des FC Bayern mit seiner einst teuersten Verpflichtung ist so gut wie beendet. Auch wenn Robert Lewandowski im Sommer sehr wahrscheinlich nicht nach München kommt, sieht Mario Gomez keine Perspektive mehr. Sein Vertrag läuft zwar noch bis 2016, doch den 27-Jährigen zieht es weg, wie sein Berater Uli Ferber mehrmals ausrichten ließ. Nur wohin?

Gomez hat wohl mehrere Optionen, er genießt bei vielen Klubs wegen seiner starken Torquote ein hohes Ansehen. Warum er seinen Stammplatz bei Bayern verloren hat, können viele europäische Vereine nicht nachvollziehen. Juventus Turin sucht dringend Verstärkung im Angriff - und soll Kontakt mit Gomez aufgenommen haben. Aber auch Manchester City, der SSC Neapel oder der AC Florenz werden als Optionen gehandelt. Ebenso wurde schon der FC Chelsea genannt. Doch der neue Trainer José Mourinho gilt nicht als Gomez-Anhänger, der Deutsche wäre hier wohl nur als Stürmer Nummer zwei denkbar - und das möchte er nach den Erfahrungen in dieser Saison vermeiden.

Das Problem an der Sache: Bei vielen großen Vereinen ist noch offen, wer in der kommenden Saison ganz vorne spielen wird. Solange sich das Stürmer-Karussell dreht, wird weiter taktiert. Erst wenn das Karussell zum Stehen kommt, wird Gomez erkennen, wo für ihn ein Plätzchen frei ist - und dann wird der Bayern-Spieler wohl einsteigen.

  • Robert Lewandowski

Wie oft werden sich der polnische Stürmer und sein Berater in den vergangenen Wochen in den Hintern gebissen haben, weil Lewandowski im Gegensatz zu Mario Götze beim BVB keine Ausstiegsklausel besitzt! Vielleicht lag es daran, dass die Dortmunder im Gegensatz zu den meisten schon 2010 ahnten, was für einen rasanten Aufstieg der heute 24-Jährige hinlegen würde? Damals kostete Lewandowski 4,5 Millionen Euro Ablöse und unterschrieb bis 2014 - für seinen Geschmack genau ein Jahr zu lange.

Dabei könnte alles so einfach sein: Er will zu den Bayern, die Bayern wollen ihn und würden ein Vielfaches der 4,5 Millionen Euro bezahlen. Das käme ihnen gleich doppelt entgegen. Der Konkurrent aus Dortmund wäre zusätzlich geschwächt, und Mario Gomez' Weggang vergessen - versüßt um eine stattliche Ablöse, die der unter Pep Guardiola nicht benötigte Stürmer einbrächte.

Doch BVB-Boss Watzke bleibt stur. Allerdings lässt er ein Hintertürchen offen: München sei ausgeschlossen, aber über einen anderen europäischen Topklub könne man reden. Real Madrid ist offenbar hinter ihm her, ist aber im Sturm mit Christiano Ronaldo, Gonzalo Higuaín und Karim Benzema sowieso schon stark aufgestellt. Doch Geld spielt beim hochverschuldeten spanischen Klub selten eine Rolle, und vielleicht sagt einer der drei ja noch "Adiós Real". Auch Rivale FC Barcelona wird Interesse an Lewandowski nachgesagt.

  • Neymar

​Um einen Stürmer haben sich die Vereine besonders gerissen: das brasilianische Talent Neymar da Silva Santos Júnior, kurz Neymar. Doch der 21-Jährige hat nicht lange gefackelt - und sich bereits Ende Mai für einen Verein entschieden. Neymar wird künftig gemeinsam mit Lionel Messi für den FC Barcelona stürmen. 54 Millionen Euro soll Barça überwiesen haben, der Brasilianer hat für fünf Jahre unterschrieben. Auch wenn es sich noch nicht absehen lässt, wie das europäische Stürmer-Karussell am Ende ausgeht, eines lässt sich schon jetzt sagen: Das Sturmduo Messi/Neymar dürfte 2013/14 schwer zu stoppen sein.

  • Cristiano Ronaldo

Cristiano Ronaldo spannt die Real-Madrid-Anhänger derzeit ganz schön auf die Folter. Die Fans grübeln zwar auch, wer nun eigentlich neuer Trainer der Königlichen wird oder welche Spieler zur Verstärkung geholt werden. Was die Anhänger jedoch mit Abstand am meisten interessiert: Wird Ronaldo seinen Vertrag, der bis 2015 läuft, verlängern? Die Verhandlungen mit CR7 sind ein wenig ins Stocken geraten, seine Forderungen nach einer Gehaltserhöhung auf angeblich 18 Millionen Euro netto pro Jahr erscheinen Präsident Florentino Pérez vielleicht zu astronomisch. Ronaldo beruhigte die Madrilenen allerdings: "Ich bin sicher, dass wir uns über eine Verlängerung einigen werden."

Doch plötzlich könnten die Verhandlungen doch noch platzen. Die Zeitung Sport berichtet, der russische Oligarch Dmitrij Rybolowljew, der sich beim französischen Erstligisten AS Monaco eingekauft hat, soll Ronaldo angeblich ein Gehalt von 23 Millionen Euro netto anbieten, dazu ein Handgeld von 101 Millionen Euro, wenn Ronaldo 2015 ablösefrei kommt. Ein nahezu unmoralisches Angebot - wenn es denn wirklich abgegeben wurde. Was dagegen bereits fest steht: Den kolumbianischen Stürmer Radamel Falacao konnte Monaco bereits von Atlético Madrid abwerben. Und: Das wird nicht der letzte Einkauf von Oligarch Rybolowljew gewesen sein. Bis 2015 wird Ronaldo höchstwahrscheinlich in Madrid bleiben, danach ist vieles möglich.

  • Wayne Rooney

Uniteds scheidender Trainer Sir Alex Ferguson war zuletzt nicht gut auf seinen einstigen Lieblingsschüler zu sprechen. Er haderte mit Wayne Rooneys Form und war verärgert, weil der erklärt hatte, den Klub verlassen zu wollen. Jetzt hat der englische Rekordmeister in David Moyes einen Trainer, der Rooney schon zu Beginn seiner Profikarriere beim FC Everton betreute. Kann Moyes ihn zum Bleiben überreden? Will der Verein ihn halten, bleibt Rooney wegen seines bis 2015 laufenden Vertrages wohl keine andere Wahl. Wechselgerüchte gibt es trotzdem zur Genüge: Paris Saint-Germain will ihn möglicherweise neben Zlatan Ibrahimowic stürmen lassen. Der Vorstandschef vom FC Arsenal, Ivan Gazidis, ließ vorsorglich verlauten, dass er sich den 27-Jährigen leisten könne. In englischen Medien kursiert eine Ablösesumme von 30 Millionen Euro. Mit einem Wechsel Rooneys würde in Nordengland jedenfalls ein attraktiver Job frei.

  • Edinson Cavani

Beim WM-Qualifikationsspiel am Dienstag gegen Venezuela schoss er Uruguay zum 1:0-Sieg. Doch nicht nur bei der Nationalmannschaft steht Edinson Cavani hoch im Kurs. Der 26-Jährige, der derzeit beim SSC Neapel unter Vertrag steht, wird von zahlreichen europäischen Vereinen umschwärmt. Cavani wurde in der vergangenen Saison Torschützenkönig der Serie A, in 34 Spielen erzielte er 29 Tore. Der FC Chelsea war offenbar schon bereit, 40 Millionen an Neapel zu überweisen und obendrein noch Fernando Torres nach Süditalien zu schicken. Doch dann hat plötzlich auch Real Madrid Interesse angemeldet. Auch Manchester City soll Kontakt aufgenommen haben. Was Cavani zu den Transfergerüchten sagt? Er wolle sich jetzt erst einmal auf den Konföderationen-Pokal in Brasilien konzentrieren. "Nach diesen Spielen werde ich darüber nachdenken, was passieren wird." Von Cavanis Entscheidung hängen zahlreiche weitere ab. Wechselt Cavani zu Manchester City, wäre dort zum Beispiel für Mario Gomez kein Platz mehr.

  • Edin Dzeko

​Mario Gomez, Edinson Cavani und zahlreiche weitere Stürmer verfolgen derzeit jeden von Edin Dzekos Schritten ganz genau. Was macht der 27-jährige Bosnier? Bleibt er bei Manchester City oder macht er Platz für einen anderen? Doch Dzeko hält sich bedeckt. Statt über seine Wechselaussichten zu informieren, schickt der Ex-Wolfsburger über Twitter lediglich Fotogrüße, die ihn beim Entspannen an einem Palmenstrand zeigen. Dzeko bleibt eigentlich auch nichts anderes übrig, als abzuwarten. Denn bei vielen interessanten Vereinen müsste erst einmal die Stürmerposition frei werden. Der Bosnier äußerte vor einigen Wochen den Wunsch, in die Bundesliga zurückzukehren, als möglicher Lewandowski-Ersatz wurde er genannt. Allerdings ist mehr als fraglich, ob ein Bundesligist ihm ein ähnlich hohes Gehalt wie Manchester City bezahlen würde.

  • Carlos Tévez und Stephan El Shaarawy

Zur Abwechslung mal ein mögliches Tauschgeschäft. Das finanzstarke ManCity will der Gazzetto dello Sport zufolge Milans Talent Stephan El Shaarawy für 25 Millionen Euro abwerben und bietet zusätzlich Carlos Tévez, dessen Marktwert nach langwierigen Auseinandersetzungen mit dem Klub und dem mittlerweile entlassenen Trainer Roberto Mancini stark gefallen ist. Shaarawy als linker Flügelstürmer und Gomez, Cavani oder Dzeko als wuchtiger Mittelstürmer wären für die Engländer sicher eine interessante Kombination.

  • Luis Suárez

Sieht man sich die aktuellen Wechselgerüchte über Offensivspieler an, taucht Real Madrid immer wieder auf. Dabei hat der spanische Rekordmeister nach dem Wechsel von José Mourinho zum FC Chelsea noch nicht einmal einen neuen Trainer. Ist das Ganze also nur eine Verwirrtaktik von Real-Präsident Pérez, will er am Ende so die Preise nach oben treiben? Im Fall von Liverpools Luis Suárez scheint Pérez ausnahmsweise unschuldig zu sein. Denn der Uruguayer brachte sich bei Real selbst ins Gespräch. Verfolgt fühle er sich von den britischen Paparazzi und zu wenig unterstützt von seinem Verein, nachdem er seinem Gegenspieler Branislav Ivanovic (Chelsea) in den Arm gebissen hatte. Kürzlich sagte der 26-Jährige der englischen Zeitung Sun, er würde gerne einmal mit Cristiano Ronaldo zusammen spielen. Kann er - wenn Real 47 Millionen Euro für ihn bezahlt (Ausstiegsklausel), die Reds ihn trotz seines bis 2018 gültigen Vertrages wechseln lassen (was sie selbstredend nicht tun werden), oder Ronaldo an die Anfield Road wechseln sollte. Dieses Gerücht kursiert allerdings wirklich nirgendwo.

  • Hulk

Im September war er für angeblich 60 Millionen Euro von Zenit Sankt Petersburg verpflichtet worden, nur wenige Wochen später krachte es jedoch gewaltig - und Hulk nahm das Wort Abschied in den Mund, ehe er richtig angekommen war. Von der Premier League war die Rede. Im Winter kam es dann doch nicht zu einem Wechsel, nun aber wird der brasilianische Stürmer Hulk womöglich wirklich bei einem neuen Verein anheuern.

Brennendes Interesse an Givanildo Vieira de Souza, wie der 26-Jährige mit vollem Namen heißt, soll vor allem José Mourinho, neuer Trainer beim FC Chelsea, hegen. Hulk kommentierte die Gerüchte in der Zeitung Globo Esporte: "Wenn ich sagen würde, da wäre nichts dran, würde ich lügen." Wie wenig an Gerüchten dran sein kann, war jedoch bereits vor zwölf Monaten zu erleben: Britische Zeitungen meldeten damals, dass Chelsea sich mit dem Stürmer bereits einig sein, sogar eine Ablösesumme von 47 Millionen Euro wurde kolportiert. Doch dann zog Hulk nicht nach London, sondern nach Russland.

Ob es diesmal wieder so kommt? Laut Medienberichten will Mourinho, nicht nur den Brasilianer als Stürmer verpflichten, sondern zudem noch Edinson Cavani und Stevan Jovetic. Alle drei Spieler wird Mourinho sicherlich nicht bekommen. Auch wenn für einen definitiv kein Platz mehr bei Chelsea ist: Fernando Torres, einst hoch gehandelt, muss sich einen neuen Verein suchen. Ob der Spanier noch einmal bei einem Top-Klub unterschreiben wird, ist allerdings fraglich.

  • Gareth Bale

​Tottenham Hotspur hat nicht die allerbesten Argumente, um seinen begehrten Flügelstürmer zu halten. Die Qualifikation für die Champions League haben die Nord-Londoner erneut verpasst. Allerdings hat der 23-Jährige noch einen Vertrag bis 2016 und in englischen Medien wird über ein neues Angebot der Spurs mit einem stattlichen Wochenlohn von 150.000 Euro spekuliert. Gut Geld verdienen könnte er jedoch auch bei Manchester United, das eventuell Wayne Rooney abgibt, und bei Real Madrid. Reals Präsident wird in spanischen Medien mit den Worten zitiert, er auch schrecke nicht davor zurück, 100 Millionen Euro für den Waliser zu bezahlen. Verrückter Transfermarkt.

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