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Zillertal: Berliner Hütte:Kronleuchter in der Hütte

An der Hütte lässt sich neben der Konjunktur des Alpinismus auch der Geist des Wilhelminismus ablesen. Zwar sollte die erste Materialseilbahn erst 1998 folgen, doch bahnten sich langsam die Massen und der Fortschritt ihren Weg in die Höhen. Und mit den Massen und dem Fortschritt kam der Wunsch nach Wohnlichkeit. Es entstand ein Prunk in dem dreistöckigen Gebäude, der noch heute präsent ist.

Der an niedrige Türstöcke und billige Funzeln gewöhnte Hochtourist wechselt zwischen Staunen und Entsetzen, wenn er durch eine Schwingtür in eine Art Foyer tritt, über dem ein Kronleuchter das hölzerne Treppengeländer in fahles Licht taucht. Die Stufen führen unter anderem zu der 1898 installierten Telefonanlage, der ersten im hinteren Zillertal.

Im gleichen Jahr entstand im Parterre auch ein Speisesaal mit fünf Meter hoher Decke. Der sogenannte Damensalon wird nur selten von Besuchern genutzt. Dabei verkörpert er - obwohl bald Dunkelkammer (1900), Postamt (1906) und Schuhmacherwerkstatt (1908) folgten - die Sonderrolle der Berliner Hütte zur vorvergangenen Jahrhundertwende.

Denn hier, zwischen Zirbenholztäfelung und kunstvoll geschnitzten Leuchtern, erinnert der Spruch "Grüß Gott - die Damen der Section Zillerthal" an die sanfte Rebellion der Frauen im Alpenverein. Diese waren einst in der Sektion Berlin qua Satzung zwar ausgeschlossen, aber für den höchst profitablen Alpenball in Berlin doch unverzichtbar. Deshalb traten sie der Sektion Zillertal bei, die den diskriminierenden Statuteneintrag wohl vergessen hatte.

Die Hütte steht nicht nur seit 1997 unter Denkmalschutz, sie ist auch ein Symbol für die Entwicklung des Bergsports und des Deutschen Alpenvereins (DAV). Letzterer ist wie die Hütte einem steten Wandel ausgesetzt, will der Basis treu bleiben und muss ausgleichen zwischen den steigenden Ansprüchen der verwöhnten Breitensportler und jenen der Nostalgiker und Luxusverächter.

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