bedeckt München

Tischsitten weltweit:Japan - Reis und Stäbchen-Verbote

Die Japaner haben eines der komplexesten gesellschaftlichen Regelsysteme der Welt. Das gilt leider auch fürs Essen. Ein kleiner Trost für alle Touristen: Da es fast unmöglich ist, als Außenstehender allen Sitten und Bräuchen gerecht zu werden, sehen die Einheimischen über Fehler meist generös hinweg.

Traditionellerweise wird in Japan von niedrigen Tischen am Boden gegessen. Frauen setzen sich auf die Fersen, Männer in den Schneidersitz. Zunächst werden alle Speisen in einzelnen Schälchen serviert, dann heißt es "Itadakimasu" ("Ich werde bekommen"), und das Essen kann beginnen.

Suppen werden in Japan getrunken beziehungweise geschlürft. Das darf durchaus lautstark sein und ist ein Kompliment an Küchenchef oder -chefin. Alle anderen Speisen werden mit Stäbchen gegessen. Beim Hantieren mit den dünnen Hölzchen kann man einiges falsch machen: Essen damit aufspießen, darauf herumkauen, auf andere Leute zeigen, die Stäbchen ablecken oder damit herumspielen.

Es gilt als unhöflich, um eine weitere Portion Reis zu bitten, während man die Stäbchen noch in der Hand hält. Und als böses Omen, etwas von Stäbchen zu Stäbchen weiterzureichen. Auf gar keinen Fall sollte der höfliche Gast die Stäbchen ins Essen stecken, während er gerade kaut. Schon gar nicht senkrecht, dies ist Opfergaben für die Toten vorbehalten. In Pausen werden sie parallel, mit den Spitzen nach links auf den Tellerrand, oder noch besser auf ein extra zu diesem zweck bereitgestelltes Bänkchen platziert. Um sich etwas vom Gemeinschaftsteller zu nehmen, werden die speziellen Auffüll-Stäbchen genutzt. Fehlen diese, besser die Enden der eigenen Stäbchen verwenden anstelle der Spitzen.

Reis ist den Japanern heilig - und damit ist nicht zu spaßen. Am Ende jedes Essens gibt es daher noch zwei Schälchen pur (ein einzelnes Schälchen erinnert an ein Totenritual). Darüber wird keine Soja-Soße oder ähnliches gekippt. Der Reis wird pur verspeist - und nach Möglichkeit aufgegessen (anders als die übrigen Speisen, von denen gerne ein Anstandsrest bleiben darf).

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema