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Wintersport:Nur für Einheimische

Skifahrer am Matterhorn

Die Schweizer bleiben bei ihrer Entscheidung, die Skigebiete und Hotels offen zu halten. Hier ein Skifahrer am Matterhorn.

(Foto: Fabrice Coffrini/AFP)

Skifahren wird an Weihnachten ein exklusives Vergnügen - möglich nur in der Schweiz und in Österreich.

Von Hans Gasser

Es war ein Versuch, aber er stieß beim italienischen Ministerpräsidenten auf taube Ohren: Fünf norditalienische Regionen, darunter das Piemont und Trentino-Südtirol, hatten Giuseppe Conte vor Tagen einen offenen Brief geschrieben. Um das Weihnachtsgeschäft in den italienischen Wintersportorten nicht ganz zu verlieren, könne man doch die Skigebiete aufsperren, jedoch Skipässe nur an Übernachtungsgäste der jeweiligen Region ausgeben, hieß es darin.

So könne man die vielen Tagesskigäste vermeiden und den Skibetrieb stufenweise hochfahren unter Einhaltung aller Sicherheitsprotokolle. "Es geht nicht um den Spaß des Skifahrens, sondern um die vielen Arbeitsplätze, die die Skiindustrie in unseren gebirgigen Regionen bietet", schrieben die fünf Regionspräsidenten an Conte.

Skidämmerung für Reise

Skigebiete in Italien, wie hier das Rittner Horn in Südtirol, werden wohl in der Weihnachtszeit geschlossen bleiben.

(Foto: Hans Gasser)

Bei einer Konferenz des Gesundheitsministers mit den Regionspräsidenten wurde dieses Ansinnen nun weitgehend abgelehnt. Zwar war nicht explizit von den Skigebieten die Rede. Doch das neue Infektionsschutz-Dekret, das am 4. Dezember in Kraft tritt und die Regeln über die Weihnachtsferien vorgibt, sieht weitreichende Einschränkungen vor, die den Skitourismus fast unmöglichen machen. So soll man sich während der gesamten Ferien nicht von einer in die andere Region begeben dürfen. An den Weihnachtsfeiertagen und zu Neujahr sollen die Einwohner nicht mal die eigene Gemeinde verlassen dürfen.

Dass unter diesen Bedingungen Hotels öffnen dürfen, ist eher unwahrscheinlich. Zudem soll internationalen Reisen "entgegengewirkt" werden. Im Gespräch sind Quarantäneregeln für Reiserückkehrer aus dem Ausland, ähnlich wie dies in Deutschland bereits Praxis ist. Dass die Infektionszahlen überall ähnlich hoch sind, scheint dabei keine Rolle zu spielen. Vielmehr geht es darum, dass Italiener nicht in die Schweiz und nach Österreich zum Skifahren reisen.

Die Schweizer bleiben bei ihrer Entscheidung, die Skigebiete und Hotels offen zu halten. Und die Österreicher bleiben bei der Öffnung der Skigebiete ab 24. Dezember, während Hotels bis 7. Januar geschlossen bleiben. Für Einreisende aus dem Ausland hat Österreich jetzt Quarantäneregeln erlassen, was nun neben der bayerischen Quarantänevorschrift auch den Tages-Skitourismus aus Deutschland definitiv verhindern wird.

In Frankreich, wo alle Skilifte bis in den Januar hinein geschlossen bleiben, hat Präsident Macron "strenge und abschreckende Maßnahmen angekündigt" für Franzosen, die in die Schweiz oder in die spanischen Pyrenäen zum Skifahren gehen. Die verpflichtende Quarantäne soll mit stichprobenartigen Grenzkontrollen durchgesetzt werden.

Wie es aussieht, ist man also Anfang Dezember in Europa wieder da, wo man Ende März war und eigentlich nicht mehr hinwollte: bei weitgehend geschlossenen Grenzen. Zwar sind sie pro forma noch offen, aber wer hat schon Zeit und Lust, sich eine Woche oder zehn Tage in Quarantäne zu begeben? Grenzüberschreitende Familienbesuche in Risikogebieten sind zwar von deutscher Seite bis zu 72 Stunden erlaubt, allerdings nur zum Besuch von Verwandten ersten Grades, also Eltern, Kindern sowie Ehegatten und Lebensgefährten.

Die 24-Stunden-Ausnahme-Regelung, die in Bayern aus Angst vor Skitourismus abgeschafft wurde, gilt in Baden-Württemberg weiterhin. So könnte man also von dort aus zum Skifahren in die Schweiz. Ansonsten wird der Pistenspaß in der Weihnachtszeit nur den Schweizern in der Schweiz und den Österreichern in Österreich möglich sein. Sie können sich über leere Pisten freuen, noch dazu, wo nun in vielen Regionen der erste kräftige Schneefall ansteht.

© SZ vom 03.12.2020/edi
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