Wintersport:"Es lief zu gut"

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Weißes Band im grünen Wald: Die Snowfarming-Loipe in Seefeld wird aus altem Schnee gebaut.

Weißes Band im grünen Wald: Die Snowfarming-Loipe in Seefeld wird aus altem Schnee gebaut.

(Foto: Tourismusverband Seefeld)

In Seefeld wurde mitten im Lockdown die erste Loipe eröffnet, mit Abstandsregeln, Tickets und Sicherheitspersonal. Nach drei Tagen musste sie wieder geschlossen werden - wegen des Schutzkonzepts.

Interview von Hans Gasser

Mit Schnee vom letzten Winter hat man im Leutaschtal bei Seefeld eine 1,4 Kilometer lange Loipe präpariert. Zeit-Slots und andere Maßnahmen sollten das Langlaufen dort coronasicher machen. Warum ausgerechnet diese Vorkehrungen zur Schließung nach drei Tagen Betrieb führten, erklärt Elias Walser, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Seefeld.

SZ: Eine Loipeneröffnung mitten im Lockdown, wie geht das zusammen?

Elias Walser: Wie jedes Jahr haben wir auch in diesem Herbst unsere 1,4 Kilometer lange Loipe aus Schnee präpariert, der unter Hackschnitzeln konserviert wurde. Wir haben uns da natürlich vorher informiert: Die aktuelle Verordnung, die den zweiten Lockdown regelt, erlaubt Individualsport. Und Langlaufen gilt als solcher. Deshalb haben wir die Loipe vergangenes Wochenende eröffnet. Vorher hat es sogar geschneit, sodass es richtig winterlich war.

Wintersport: "Zur Corona-Prävention war unser Loipenkonzept gut." Letztlich habe man die Loipe aber deswegen geschlossen. Elias Walser, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Seefeld.

"Zur Corona-Prävention war unser Loipenkonzept gut." Letztlich habe man die Loipe aber deswegen geschlossen. Elias Walser, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Seefeld.

(Foto: Olympiaregion Seefeld)

Es ist die erste Loipe in weitem Umkreis, da war großer Andrang zu erwarten.

Genau, deshalb haben wir ein detailliertes Corona-Schutzkonzept umgesetzt. Um sicherzustellen, dass nie zu viele Läufer auf der Loipe sind, mussten die Sportler Zeit-Slots von zwei Stunden buchen, maximal durften in dieser Zeit 100 Leute gleichzeitig auf der Loipe sein. Wir haben Sicherheitspersonal bereitgestellt, um die Reservierungen bereits auf dem eigenen Parkplatz für Langläufer zu überprüfen. Zwei aus dem Loipenteam haben kontrolliert, dass keine Rudelbildung passiert. Das hat gut funktioniert, an den ersten drei Tagen waren wir so gut wie ausgebucht, das Feedback der Gäste war sehr positiv.

Kamen nur Einheimische oder auch Deutsche?

Wir hatten auch Trainingsgruppen aus Bayern. Denn die 24-Stunden-Regelung für den Grenzübertritt ohne Quarantäne bei der Rückkehr gilt auch für den Individualsport. Etwa die Hälfte der Läufer kam sicherlich aus Deutschland. Die deutschen Skiklubs haben das vorbildlich gemacht und individuell trainiert. Das Langlaufen ist durch Ski und lange Stöcke ohnehin auch ein Sport, bei dem man fast gezwungen ist, zwei Meter Abstand zu halten.

Trotz aller Vorkehrungen hat die Behörde nach dem dritten Tag ihr Konzept verboten. Warum?

Die Bezirkshauptmannschaft kam zu der Einschätzung, dass es sich bei der auf diese Weise betriebenen Loipe um eine Sportstätte handle. Und Sportstätten müssen laut Lockdown-Verordnung schließen. Wir und viele Experten sind der Ansicht, dass eine Loipe keine Sportstätte wie ein Fitnessstudio oder ein Tennisplatz ist. Die Behörde argumentiert jedoch, es gebe, so wie wir das anbieten, zu viele Merkmale einer Sportstätte: Reservierung, Ticketing, eigener Parkplatz, Sicherheitspersonal.

Wintersport: Passend zum Saisonstart hat es in Seefeld etwas geschneit. Nur mit reservierten Zeit-Slots konnten etwa 100 Sportler gleichzeitig hier fahren.

Passend zum Saisonstart hat es in Seefeld etwas geschneit. Nur mit reservierten Zeit-Slots konnten etwa 100 Sportler gleichzeitig hier fahren.

(Foto: Tourismusverband Seefeld)

Also all das, was zur Corona-Prävention dient, hat jetzt zur Schließung geführt?

Ja. Man hat uns gesagt: Gut gemacht unter dem Gesichtspunkt der Covid-19-Prävention, aber dadurch hat es zu viel Ähnlichkeit mit einer Sportstätte und ist nicht mehr erlaubt. Wir haben alles abgebaut, aber die Loipe wird weiterhin gespurt und beschneit, weil wir das machen müssen für die Winter-Vorbereitung.

Dürfen die Langläufer weiterhin auf die Loipe, so wie man ja auch joggen oder wandern darf?

Das ist die Frage, die wir gerade rechtlich klären lassen. Wir können eine 1,4 Kilometer lange Loipe nicht komplett sperren. Wir sind auch der Ansicht, dass es trotzdem erlaubt sein müsste, sie zu benutzen, dass aber dann die Kontrolle, wie viele Leute dort zugleich drauf sind, nicht uns obliegt, sondern der Polizei. Das ist aber keine zufriedenstellende Lösung. Wir hätten ja ein gutes Konzept gehabt, dass jetzt drei Tage lang einwandfrei funktioniert hat. Aber das lief wohl zu gut. Wir klären das jetzt noch mit der Behörde ab. Es ist jedenfalls für uns alle Neuland und komplizierter als gedacht.

Wie wird die kommende Wintersaison?

Sie wird sich mit Sicherheit stark von einer normalen Wintersaison unterscheiden. Kein Après-Ski, keine Events. Dennoch wird Wintertourismus möglich sein, mit anderem Fokus: Rodeln, Langlaufen, Winterwandern werden stärker nachgefragt sein. Also all das, was man draußen und unter Umgehung der Massen machen kann. Wir bewerben das auch mehr und versuchen, Flaschenhälse zu beseitigen, wo sich die Leute zu nahe kommen könnten. Zum Beispiel präparieren wir die Loipeneinstiege viel breiter, sodass genug Platz für alle vorhanden ist.

Und wann beginnt die Wintersaison, vor oder nach Weihnachten?

Es wird wohl in Stufen passieren. Dinge wie Winterwandern und hoffentlich auch Langlaufen sind ja jetzt schon möglich. Zu Weihnachten werden die meisten Hotels und Pensionen aufsperren. Der Fokus der Wintersaison mit dem Alpinskifahren wird dann eher auf Februar und März liegen. Zu Weihnachten wird sicher viel weniger los sein als in normalen Jahren.

Was ist, wenn die deutsche Reisewarnung für Österreich bestehen bleibt?

Das wird dann sicher zu massiven Verlusten führen. Wobei es auch einige Gäste gibt, die trotzdem kommen und sich halt dann fünf Tage in Quarantäne begeben, bevor sie sich testen lassen.

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