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Österreich:Mit Abstand auf die Piste

THEMENBILD - am Skigebiet Kitzsteinhorn , aufgenommen am 21. Oktober 2020 in Kaprun, Oesterreich // , Kaprun, Austria on

Skiurlaub am Kitzsteinhorn in Österreich: Wintersport mit Abstandsregeln soll möglich sein - Hotels und Restaurants bleiben aber vorerst zu.

(Foto: imago images/Eibner Europa)

Die Empörung über die geforderte Schließung von Skigebieten war in Österreich groß. Nun verkündet Kanzler Kurz, dass zumindest die Skilifte öffnen sollen - aber wohl ohne Gäste aus dem Ausland.

Von Leila Al-Serori, Wien

Was war die Aufregung groß vergangene Woche in Österreich, als von Italien bis Deutschland auf eine europaweite Schließung der Skigebiete gedrängt wurde, um weitere Infektions-Hotspots wie im März in Ischgl zu verhindern. Man lasse sich nichts aus dem Ausland diktieren, Skifahren in Österreich sei sicher, man habe aus Ischgl durchaus gelernt, war der Tenor von Wien bis Tirol. Am Mittwoch nun hat Bundeskanzler Sebastian Kurz gemeinsam mit den zuständigen Ministern bei einer Pressekonferenz schließlich doch verkündet, dass es in diesen Weihnachtsferien keinen richtigen Skiurlaub geben soll: Die Pisten und Lifte wolle man zwar vom 24. Dezember an öffnen, Wintersport mit Abstandsregeln soll dann möglich sein - Hotels und Restaurants bleiben aber noch den ganzen Dezember zu.

Wer aus dem Ausland mit Inzidenzwerten über 100 - was derzeit fast alle EU-Länder und damit auch Deutschland beträfe - in den Weihnachtsferien einreisen will, muss nach bayerischem Vorbild zehn Tage in Quarantäne und kann sich erst ab dem fünften Tag "freitesten". Das Virus dürfe nicht durch Einreisen wieder "ins Land geschleppt" werden, sagte Kanzler Kurz, wie das ihm zufolge im Spätsommer geschehen sei. Skiurlauber aus den Nachbarstaaten sind damit wohl tatsächlich ausgeschlossen - trotz der Entrüstung in Österreich über solche Pläne vergangene Woche.

Dafür sollen ab nächster Woche wieder Kindergärten und Pflichtschulen zum Regelbetrieb zurückkehren, Geschäfte wieder öffnen - sie alle waren seit Mitte November zu. Die Überforderung der Intensivstationen sei verhindert worden, sagte Kurz, deshalb könne man langsam wieder das Land hochfahren. Ausgangsbeschränkungen werden aber weiterhin in der Nacht gelten, Gastronomie, Hotellerie und Kultureinrichtungen bleiben geschlossen. Sie sollen mit 50 Prozent des normalen Umsatzes entschädigt werden. Es gelte, einen weiteren Lockdown zu verzögern "oder im Idealfall sogar zu verhindern", erklärte Kurz. Private Kontakte bleiben deshalb auf einen weiteren Haushalt beschränkt, Weihnachten soll ähnlich wie in Deutschland nur mit bis zu zehn Personen möglich sein.

In Pflegeheimen soll die Lage teils unkontrollierbar sein

Das Infektionsgeschehen lässt der österreichischen ÖVP-Grünen-Regierung auch keine andere Wahl. Die Fallzahlen sinken zwar, sind aber mit derzeit mehr als 3000 Infektionen und mehr als 100 Todesfällen täglich immer noch sehr hoch gemessen an der Gesamtbevölkerung, die im Vergleich nur ein Zehntel der deutschen ausmacht. In Pflegeheimen soll die Lage teils unkontrollierbar sein, im steirischen St. Lorenzen übernahm das Bundesheer die Pflege, da sowohl Personal als auch Bewohner großteils infiziert sind.

"Ein unfassbar schwieriges Jahr geht zu Ende, geprägt von Verzicht, Sorgen und Ängsten", bezeichnete das Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) in der Pressekonferenz. Durch die erste Welle sei man gut gekommen, die zweite Welle habe mehr Dynamik entwickelt als erwartet, so Anschober. Die Situation Ende Oktober sei dramatisch geworden.

Um eine weitere Zuspitzung zu vermeiden, setzt die Regierung auf Massentests der Bevölkerung, die diese Woche starten. Experten bezweifeln, dass diese außer großen Kosten viel bringen. Schließlich seien solche Antigentests nur eine Momentaufnahme: Schon bei der Heimfahrt von den Teststationen könne man sich anstecken, sich aber wegen des Tests in falscher Sicherheit wiegen. Aufregung gab es zudem im Vorfeld, da Sebastian Kurz die Massentests ohne Wissen seines Gesundheitsministers und ohne Einbeziehung der Bundesländer in der Presse verkündete. Skeptisch sind Experten auch, ob die nötige Mehrheit der Bevölkerung bei den freiwilligen Testungen überhaupt mitzieht. Sebastian Kurz appellierte zumindest am Mittwoch eindringlich, sich zu beteiligen. Die Pandemie sei nicht vorbei, "das Virus weiterhin unter uns".

© SZ
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