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Xavier Naidoo:Sing doch

Xavier Naidoo

Der Soul- und R&B-Sänger Xavier Naidoo steht wegen seiner Nähe zu Reichsbürgern und Verschwörungserzählern in der Kritik.

(Foto: Alexandra Wey/dpa)

Rostock lässt den rechtspopulistischen Sänger auftreten, dabei war ein Bann schon beschlossen. Doch dann ging ein Däne dazwischen.

Von Peter Burghardt

In der Rostocker Stadthalle ist allerhand geplant, es gibt ja viel aufzuholen. Karat, "Bibi Blocksberg" und "Die große Schlagerhitparade" stehen unter anderem auf dem Programm. Am 22. August soll Xavier Naidoo auftreten, aber da gibt es ein Problem.

Xavier Naidoo habe sich "stets für seine Musik, seine Identität und seine Unabhängigkeit engagiert", schreibt zwar in der Ankündigung die Konzertagentur. "Er bleibt nie stehen, sondern ist immer im Aufbruch." Seinen Aufbruch in der jüngeren Vergangenheit empfindet die Hälfte der Stadtpolitiker allerdings als unangenehm. So unangenehm, dass sie Rostocks städtische Bühnen vor dem Mannheimer Sänger bewahren wollte.

Der Streit begann vor einem Jahr, da wurde über rassistische, antisemitische und homophobe Äußerungen des Musikers schon längst debattiert. Xavier Naidoo war immer wieder Nummer eins in den Charts, er hat Millionen Alben verkauft, aber zuletzt fiel er vor allem mit seiner Nähe zu Rechtspopulisten, Reichsbürgern und Verschwörungserzählungen auf. Er leugnete den Klimawandel, zweifelte am Coronavirus und bezeichnete den Impfstoff als Gift.

Rostocks Oberbürgermeister hebt den Bann auf

Auch andere Städte wollten Naidoos Konzerte absagen, RTL warf ihn aus einer Jury. An der Ostsee kam es nun zum politischen Showdown. Im Juni 2020 forderten SPD und die Rostocker Linke, diesem Mann nicht die Stadthalle zu überlassen. Naidoo sei ein Feind der Demokratie, ein Verschwörungstheoretiker und Impfgegner. CDU, FDP, Rostocker Bund und AfD dagegen sahen die Meinungsfreiheit verletzt. Die meisten Grünen enthielten sich, die Abstimmung endete 24:22 gegen ein Auftrittsverbot in der Stadthalle.

Aber im Mai 2021 beschloss die Bürgerschaft mit der Mehrheit von SPD, Linken und Grünen ein Hausverbot für Xavier Naidoo. Er stelle sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung, hieß es, das sei mit den Werten der bunten und weltoffenen Stadt Rostock nicht zu vereinen. In städtischen Hallen dürfe er nicht auftreten.

Dann aber ging der dänische Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen dazwischen, seit der Pandemie bundesweit bekannt. Er legte wegen rechtlicher Bedenken Widerspruch gegen den Bann ein und erinnerte an geltende Verträge. Am Mittwochnachmittag wurde erneut abgestimmt, Endstand 20:20 mit fünf Enthaltungen der Grünen. Keine Mehrheit für den Antrag, Xavier Naidoo darf jetzt doch in Rostocks Stadthalle singen.

© SZ/skle
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