CDU:Partei gut, Chef mäßig

CDU: CDU-Chef Friedrich Merz sagt, als Oppositionsführer müsse er manchmal etwas zuspitzen.

CDU-Chef Friedrich Merz sagt, als Oppositionsführer müsse er manchmal etwas zuspitzen.

(Foto: Bernd Elmenthaler/Imago)

Die Union kommt in der jüngsten Umfrage auf 32 Prozent - so viel wie die drei Ampelparteien zusammen. Warum fliegen Friedrich Merz dann nicht mehr Herzen zu, nicht mal in den eigenen Reihen?

Von Robert Roßmann, Berlin

Es sind Zahlen, die Friedrich Merz glücklich machen dürften - zumindest auf den ersten Blick. In der neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa kommt die Union auf 32 Prozent. Sie ist damit genauso stark wie die drei Ampelparteien zusammen. Die Kanzler-Partei SPD liegt nur noch bei 14 Prozent. Wann hat es derlei je gegeben? Wenn die Umfrage zum Wahlergebnis würde, ginge das Kanzleramt wieder an die Union. Der Erfolg der CDU bei der Landtagswahl in Hessen scheint der Union auch im Bund Auftrieb zu verleihen.

Doch Forsa hat nicht nur die Parteipräferenzen erhoben, sondern auch die persönlichen Werte. Und der Blick darauf wird Merz wenig Freude bereiten. Trotz der gestiegenen Umfragezahlen der Union bleiben die Werte von Merz schlecht. Bei der Kanzlerpräferenz, also der Frage, wen man zum Kanzler wählen würde, wenn er direkt gewählt werden könnte, kommt Merz lediglich auf 20 Prozent. Er liegt damit nur einen Prozentpunkt vor Olaf Scholz, obwohl dessen Sozialdemokraten gewaltige 18 Prozentpunkte hinter der Union rangieren.

"Ein Schwachpunkt der Union"

Der CDU-Chef führt den Erfolg der Union zwar auch auf seine Arbeit zurück. Nach den beiden Landtagswahlen vor eineinhalb Wochen sagte Merz, er habe für seine "Zuspitzung", die er "gelegentlich auch mal mache", in Hessen und in Bayern "sehr, sehr, sehr viel Zustimmung bekommen". Er denke, auch das habe das Wahlergebnis "nach oben gebracht". Doch die neuen Forsa-Zahlen zeigen, dass es Merz auch an Zuspruch aus dem eigenen Lager fehlt. Bei der Kanzlerpräferenz-Frage sprechen sich nur 47 Prozent der Unionsanhänger für Merz aus. Scholz kommt unter den SPD-Anhängern dagegen auf 66 Prozent, dabei ist auch er nicht unbedingt ein politischer Herzwärmer.

Und so zieht Forsa-Chef Manfred Güllner eine durchwachsene Bilanz seiner neuesten CDU-Zahlen. Ob das durch die Landtagswahlen ausgelöste Stimmungshoch für die Union von Dauer sei, bleibe "abzuwarten, zumal die geringen Sympathiewerte für Friedrich Merz andauern und ein Schwachpunkt der Union bleiben", schreibt Güllner.

Merz verweist dagegen auf die CDU-Erfolge in diesem Jahr - und im Gegensatz zu den Ampelparteien können die Christdemokraten da ja auch einiges in die Waagschale werfen: Gut zehn Prozentpunkte plus bei der Wiederholungswahl in Berlin, dort stellt man jetzt zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren wieder den Regierenden Bürgermeister. Fast acht Prozentpunkte plus bei der Wahl in Hessen. Und in den bundesweiten Umfragen liegt man stabil mit gewaltigem Vorsprung vor der Konkurrenz.

Die CDU-Landeschefs Wüst, Günther und Rhein sind Gegenmodelle zum ruppigen Merz

Doch im Bundestagswahlkampf 2021 hat die CDU erleben müssen, wie schnell Umfragewerte einbrechen können, wenn der eigene Kandidat nicht zieht. Merz ist bereits seit Januar 2022 Parteichef. Falls er gehofft haben sollte, dass seine Beliebtheit mit zunehmender Amtsdauer wachsen wird, hat er zumindest bisher vergeblich gehofft. Hendrik Wüst, Daniel Günther und jetzt auch Boris Rhein haben dagegen mit überzeugenden Wahlsiegen in ihren Bundesländern punkten können - auch als Gegenmodell zum mitunter ruppigen Merz.

Der CDU-Chef sagt gern, dass man als Oppositionsführer anders agieren müsse als ein Ministerpräsident. Als Oppositionsführer müsse man auch zuspitzen und wo immer möglich auf einen klaren CDU-Kurs setzen - im Gegensatz zu den in Koalitionen gebundenen Ministerpräsidenten, die eher präsidial auftreten würden.

Merz' Gegner weisen jedoch darauf hin, dass man selbst nach einer erfolgreichen Wahl Koalitionspartner brauche, die mit einem regieren wollen. Und dass es nicht nur um den Kurs gehe, sondern auch um den Ton. Sie haben sich deshalb über die Analyse von Boris Rhein am Tag nach der Hessen-Wahl gefreut. Man habe sich nicht verleiten lassen, an irgendwelchen Rändern zu fischen, hatte Rhein da gesagt. Man sei im Wahlkampf "immer mit Stil" aufgetreten. Und man habe das "immer in einem Sound gemacht, der nie überdreht hat". Das sei ein Grund für den Erfolg gewesen.

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