Trumps "State of the Union" Männer, Frauen, Diverse: Tragt weiß!

Einige Kongressabgeordnete der Demokraten erschienen zu Trumps Rede zur Lage der Nation am Dienstagabend in Weiß.

(Foto: Saul Loeb/AFP)

Viele Frauen haben bei der Rede des US-Präsidenten mit weißer Kleidung ein Zeichen gesetzt. Alle anderen Abgeordneten haben eine historische Chance verpasst.

Kommentar von Jana Anzlinger

Vor dem bislang vielfältigsten US-Parlament spricht der Mann, der Frauen mit Gebäuden vergleicht, sich mit Übergriffen brüstet, Transmenschen verspottet und verächtlich mit jeder Form von Vielfalt umgeht: Donald Trump. Der US-Präsident hält seine Rede zur Lage der Nation. Er trägt ein schwarzes Jackett und eine schief hängende rote Krawatte. Hinter ihm sitzt erstmals die Demokratin Nancy Pelosi als Sprecherin des Repräsentantenhauses. Sie trägt weiß. So wie viele weitere Abgeordnete. Als Trump davon spricht, dass mehr Frauen denn je arbeiten und mehr denn je im Kongress sitzen, springen die Demokratinnen auf und jubeln. Eine Party weiß gekleideter Menschen unterbricht die State of the Union.

Die anderen Kongressabgeordneten stimmen in den Jubel ein. Sie zeigen Solidarität - aber nur verspätet, als Reaktion. Sie haben die Chance verpasst, von sich aus solidarisch aufzutreten: die Chance des weißen Outfits. Damit hätten sie zeigen können, dass hier nicht nur eine bestimmte Gruppe betroffen ist, sondern alle, die an Chancengleichheit und Grundrechte glauben. Dass stattdessen nur wenige weiß tragen, verdeutlicht eine Ab- und Ausgrenzung, die es gar nicht mehr geben dürfte.

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Weiß - das symbolisiert den Kampf für das Frauenwahlrecht und die politische Gleichstellung der Geschlechter. Die Demokratinnen im Kongress haben ihren Erfolg gefeiert, aber sie erinnern auch daran, was noch falsch läuft. Indem sie sich zwischen dunklen Anzügen deutlich abheben, machen die Abgeordneten bildstark darauf aufmerksam, wie viele sie sind - oder eher: wie wenige immer noch. Der Frauenanteil in Senat und Repräsentantenhaus ist historisch hoch, aber mit 22 Prozent noch weit von Parität entfernt.

Die Diskussion um Parität in Parlamenten, die gerade auch in Deutschland hitzig geführt wird, ist von einem Frauen-versus-Männer-Narrativ geprägt. Dabei sollte es nicht um ein Gegeneinander, sondern um ein Miteinander gehen. Vielfalt ist für alle wichtig. Es geht darum, wie alle gemeinsam es schaffen, die Gesellschaft adäquat abzubilden als Grundlage für den politischen Prozess. In diesem Prozess gibt es zu Recht Meinungsverschiedenheiten - um sie sollte es gehen, nicht ums Geschlecht. Die binäre Vorstellung der zwei Geschlechter gilt vielen Menschen als nicht mehr zeitgemäß. Und selbst wer sich eindeutig als Mann oder Frau identifiziert, wird nicht darauf reduziert werden wollen.

Die sogenannten Suffragetten in Großbritannien und den USA trugen grün-violett-weiße Schärpen: Grün stand für Hoffnung, Violett für Loyalität und Würde und Weiß für Reinheit und Ehrenhaftigkeit. Unter deutschen Frauenrechtlerinnen waren die Schärpen nicht üblich. Doch für sie waren weiße Kragen ein Symbol der bislang Männern vorbehaltenen Macht. Auch deshalb trugen die ersten Abgeordneten der Weimarer Nationalversammlung 1919 bei ihrem Einstand weiß.

An sie erinnerten die SPD-Bundestagsabgeordneten mit weißer Kleidung bei einer Feierstunde zum 100. Jubiläum des Frauenwahlrechts. Die Sozialdemokratinnen zeigten eine Spaltung zwischen Geschlechtern und Parteien bei einem Thema auf, das nicht spalten, sondern vereinen sollte - genau wie die US-Demokratinnen.

Beim nächsten Anlass, egal ob in Washington, Berlin oder anderswo, sollten keine weißen Flecken zu sehen sein, sondern eine breite weiße Front - bestehend aus Frauen, Männern und Diversen jeder politischen Ausrichtung. Sie sollten sich nicht auf weiße Kragen beschränken, die zusammen mit dunklen Anzügen und Krawatten noch heute Uniform der Macht sind. Sondern eben auch weiße Blazer, Pullover, Umhänge, Hüte oder Federboas - egal was. Hauptsache es zeigt: An dieser historischen Wende arbeiten wir zusammen.

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