Katalonien gegen Spanien:Juristischer Erfolg für inhaftierten Separatistenführer

Lesezeit: 12 min

Oriol Junqueras, Katalonienkonflikt

Jubel bei den Separatisten: Der Europäische Gerichtshof spricht Oriol Junqueras Immunität zu. Der spanische Separatist war zum Abgeordneten des Europaparlaments gewählt worden.

(Foto: AP)

Der wegen Aufruhrs verurteilte Katalane Junqueras ist von Spanien zu Unrecht an der Aufnahme seines Mandats als Europaabgeordneter gehindert worden, urteilt der Europäische Gerichtshof. Es ist der jüngste Schritt im schon lange währenden Konflikt zwischen spanischer Zentralregierung und Katalonien. Eine Chronologie.

Von Barbara Galaktionow

Mit dem Gerichtsprozess gegen führende katalanische Separatisten hat in Madrid die juristische Aufarbeitung eines politischen Dramas begonnen, das mit der Ausrufung der Unabhängigkeit im Oktober 2017 einen Höhepunkt erreicht hatte. Der Konflikt zwischen Barcelona und Madrid reicht allerdings sehr viel weiter zurück. Die Spannungen zwischen Katalonien und Spanien haben historische Gründe.

Historische Wurzeln des Katalonien-Konflikts

Im 18. Jahrhundert: Beginn der Schmach

Der katalanische Nationalfeiertag am 11. September erzählt eine blutige Geschichte: Am 11. September 1714 kapitulierte die Stadt Barcelona nach einem verheerenden Angriff durch die spanische Krone. Katalonien hatte im Spanischen Erbfolgekrieg den habsburgischen Thronprätendenten unterstützt. Damals verlor Barcelona seine angestammte Rechtsverfassung. Der Nationalfeiertag erinnert noch immer an diese Schmach, die sich tief ins kollektive Bewusstsein gegraben hat.

Im 19. Jahrhundert: Ursprung der gehässigen Hymne

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand die katalanische Hymne, die vom Bauernaufstand im Jahr 1640 handelt. Der Text zeugt von der Abscheu gegen Madrid und das von ihm repräsentierte Kastilien, das als "protzig" und "hochmütig" bezeichnet wird. Schon hier findet man die vage Ankündigung einer Unabhängigkeit: "Es wird die Zeit kommen, in der wir unsere Ketten zersägen."

1936-1939: Spanischer Bürgerkrieg

Während des Spanischen Bürgerkriegs war Katalonien die Hochburg der Republikaner und der Linken, die gegen den Faschismus kämpften. Schon zuvor hatten die Katalanen 1932 nach der Ausrufung der Republik eine erste Autonomie erlangt. Unter anderem sollte ihre kulturelle und sprachliche Unabhängigkeit geschützt sein. Die Autonomie gilt - mit einer Unterbrechung - bis zum Jahr 1939, in dem Francos Truppen Katalonien erobern. Im Franquismo ist jede Äußerung eines katalanischen Nationalismus verboten und wird brutal verfolgt.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB