bedeckt München 22°
vgwortpixel

Russland und der Front National:"Russland will Macron verhindern"

Die Familie Le Pen verfügt also über viel, aber nicht immer klar deklariertes Kapital. Dennoch ist ein Wahlkampf ohne weitere Geldgeber kaum zu finanzieren - insgesamt braucht die Partei eigenen Angaben zufolge an die 20 Millionen Euro. Dass der FN anders als die anderen Parteien über kein Netz an Financiers verfügt, verstärkt den Eindruck des Amateurhaften, den er eigentlich unbedingt ablegen möchte. Auch für diesen Wahlkampf sucht Le Pen Medienberichten zufolge Geld aus Russland. Die First Czech-Russian Bank hat allerdings Konkurs angemeldet, ein anderer Geldgeber findet sich nicht. Im Gegenteil, die russischen Behörden fordern sogar das frühere Darlehen zurück.

Was wie ein Zerwürfnis zwischen Kreml und Le Pen wirkt, lässt sich aber anders erklären, sagt Experte Krekó von Political Capital: "Moskau favorisierte zu Beginn des Wahlkampfs den konservativen Kandidaten François Fillon." Der euroskeptische und russlandfreundliche Republikaner galt als großer Favorit, er wird aber derzeit von einem Scheinbeschäftigungsskandal gebeutelt. "Jetzt, da Fillons Chancen immer mehr sinken, bemühen sich der Kreml und prorussische Medien, Emmanuel Macron zu diskreditieren - um ihn zu verhindern und Le Pen zu helfen." Der frühere Wirtschaftsminister tritt als unabhängiger Kandidat an und hat derzeit die besten Chancen die Stichwahl im Mai zu gewinnen. Macron ist linksliberal, wirbt für mehr Europa - und entspricht damit kaum dem Wunschkandidaten Moskaus.

Emmanuel Macron Angriffe auf Macrons Glaubwürdigkeit
Frankreich

Angriffe auf Macrons Glaubwürdigkeit

Der unabhängige Kandidat ist der Überraschungsfavorit der französischen Präsidentenwahl. Um ihn zu stoppen, beginnen seine Gegner nun, ihn zu attackieren und munkeln von einem möglichen Doppelleben.   Von Stefan Ulrich

Ob ihm das tatsächlich signifikant schaden wird? Frankreich-Experte Seidendorf ist skeptisch: "Die massiven Gerüchte über das Privatleben Macrons sind natürlich eine Form von Einflussnahme. Die Frage ist, ob sie einen ähnlichen Effekt haben kann, wie in den USA. Bisher eher nicht, Macron ist in den Umfragen stabil."

Französische Geheimdienste ernsthaft alarmiert

So oder so bestreiten der Kreml und seine Medien vehement jegliche Einmischungsversuche. Dennoch sind die französischen Geheimdienste ernsthaft alarmiert. Einem Bericht von Le Canard enchaîné zufolge ist im Élysée ein Treffen des Verteidigungsrats zur Diskussion von Abwehrmaßnahmen geplant.

"Russland wird definitiv in den französischen Wahlkampf eingreifen", ist auch Krekó überzeugt. Das habe ähnliche Gründe wie 2014 bei der Europawahl, erläutert der ungarische Experte. Russland verfolge mit der Unterstützung euroskeptischer und russlandfreundlicher Kandidaten mehrere Ziele: die EU zu destabilisieren und für sich selbst eine Aufhebung der Sanktionen zu beschleunigen. Das russlandfreundliche Netz spanne sich daher über ganz Europa, auch zur AfD in Deutschland oder der FPÖ in Österreich.

Außerdem, so Krekó, wolle Putin "die Botschaft an die Welt schicken, dass Russland den Ausgang der französischen Wahlen beeinflussen kann". Das könnte eine weitere Geldspritze für den Front National implizieren: "Ich kann mir finanzielle Hilfe aus Moskau an Le Pen in den kommenden Wochen durchaus noch vorstellen", sagt der Experte. "Die Frage ist nur, ob wir davon erfahren."

Rechtspopulismus Warum Rechtspopulisten gemeinsame Sache mit Russland machen

Europäische Union

Warum Rechtspopulisten gemeinsame Sache mit Russland machen

Führende FPÖ-Politiker suchen schon länger die Nähe zum Kreml - so wie andere rechtspopulistische Parteien auch. Dahinter steckt ein Kalkül.   Von Benedikt Peters