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Rassismus in den USA:Obama wünscht sich weitere friedliche Proteste

Um Fortschritte zu erzielen, brauche es Beharrlichkeit. "Die Proteste sind nötig, solange sie friedlich sind. Ansonsten sind sie kontraproduktiv", mahnt Obama. Er verspricht, sich persönlich darum zu kümmern, dass dieses "amerikanische Problem" gelöst werde. Er sei in dieser Frage aber optimistisch, denn die Lage habe sich in den vergangenen 50 Jahren verbessert: "Wenn Sie mit Ihren Eltern, Großeltern, Onkeln sprechen, werden sie Ihnen sagen, dass die Dinge besser sind - nicht gut, aber besser."

Gewiss: Obama ist sich genau bewusst, in welch schwieriger Position er sich befindet und spricht dies auch aus. Als ihn Moderator Jeff Johnson fragt, ob er nicht "aggressiver" seine Meinung sagen müsse, entgegnet der US-Präsident, dass er doch deutlich gemacht habe, dass das Problem der Polizeigewalt existiere und nicht auf Einbildung von Schwarzen und Latinos beruhe. "Ich denke, die Leute würden gerne von mir hören, welche Entscheidung der Jury ich mir gewünscht hätte. Aber das kann ich nicht, denn ich bin Chef der Exekutive und kann dem Justizministerium keine Vorgaben machen."

Polizeigewalt Tausende protestieren gegen Polizeigewalt
USA

Tausende protestieren gegen Polizeigewalt

Die Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA weiten sich aus: Erneut gehen Tausende auf die Straße. Aus Arizona wird ein neuer Fall bekannt. Das US-Justizministerium kommt in einer Untersuchung der Polizei in Cleveland zu einem verheerenden Ergebnis.

Er wolle es den Leuten überlassen, darüber zu spekulieren, worüber er nachgrüble oder was er zu seiner Ehefrau Michelle sage, wenn sie abends allein seien. Die Tatsache, dass Millionen Amerikaner das Video gesehen hätten, wie Eric Garner von einem weißen Polizisten gewürgt wird, könnte eine Debatte anstoßen: "Mitunter müssen verstörende Dinge geschehen, damit sich Gesellschaften verändern." Ihn stimme hoffnungsvoll, dass sich viele junge Weiße an den Demonstrationen beteiligten. Dies erlebe er auch bei den Freunden seiner Töchter: "Die weißen Jugendlichen sind heute viel offener, jede Generation geht besser mit anderen Rassen und Kulturen um."

Obama-Berater fürchten Kritik der Konservativen

Was Obama davon abhält, sich klarer und persönlicher zu äußern, darüber wird seit Tagen spekuliert. Mit dem Sender BET hatte er sich eine Plattform ausgesucht, die ihn eindeutig als "ihren Präsidenten" ansieht und ihm große Sympathie entgegenbringt, was dieser Tweet belegt.

Die Washington Post fasst die gängigste Theorie in diesem Artikel zusammen: Obamas Berater warnen davor, sich zu eindeutig zu äußern, da ihm dies nur politisch schaden werde. Er war von den konservativen Medien attackiert worden, als er sich persönlich über die tödlichen Schüsse auf Trayvon Martin äußerte - und als er die Polizei in Massachusetts kritisierte, als diese 2009 den schwarzen Harvard-Professor Henry Louis Gates vor der eigenen Haustür verhaftete, weil sie ihn für einen Einbrecher hielt (Details hier). Wenige Stunden nach der Veröffentlichung eines Ausschnitts des Interviews mit BET erhob die konservative Nachrichtenseite Breitbart News den bekannten Vorwurf, Obama setze "offen die Rassenkarte" ein.

Diese Erfahrungen, so vermutet Kimberlé Williams Crenshaw vom African American Policy Forum im Gespräch mit der Washington Post hätten dazu geführt, dass Obama nun vor allem in der dritten Person oder sehr allgemein über Fragen des Rassismus in Amerika spreche.

Welch starke Wirkung es hat, persönliche Erfahrungen offen auszusprechen, beweist ein anderer Demokrat. Bill de Blasio, der weiße Bürgermeister von New York, ist mit einer Afroamerikanerin verheiratet und berichtete gemeinsam mit ihr in einer Talkshow am Sonntag, wie sie ihren 17-jährigen Sohn Dante auf das Leben eines schwarzen Manns in Amerika vorbereiten: "Tu alles, was ein Polizist sagt. Beweg dich nicht zu schnell, greif nicht in die Tasche zu deinem Handy."

Die Botschaft von de Blasio ist die gleiche wie jene von Obama, aber sie wirkt anders, weil sie mit der Familienerfahrung verknüpft ist. New Yorks Bürgermeister spricht aus, was viele Weiße in den USA nicht wahrhaben wollen: "Ein schwarzes Kind wächst anders auf als ein weißes Kind. Das ist die Realität."

Linktipps:

  • "Die Beweiskraft jener Dinge, die nicht ausgesprochen werden": Der interessante Artikel von Ta-Nehisi Coates für den Atlantic ist hier nachzulesen.
  • Der afroamerikanische Historiker Jelani Cobb setzt sich in einer Kolumne für das Magazin The New Yorker mit Obamas Reden zu Ferguson und den Bürgerprotesten auseinander.
  • "Obamas Farbenlehre": In diesem SZ-Leitartikel wird das Verhältnis des ersten schwarzen Präsidenten zu seiner Rasse debattiert.