Spannungen in Asien:IAEA: Anzeichen für bevorstehenden Atomtest Nordkoreas

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Nordkorea: Kim Jong-un bei einem Raketentest

Diese von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA zur Verfügung gestellte Aufnahme ist nach Angaben von KCNA zwischen dem 25.September und 9. Okotber 2022 entstanden und zeigt Machthaber Kim Jong-un, der einen Test von ballistischen Raketen leitet. Die Internationale Atomenergiebehörde befürchtet, dass ein nuklearer Test bevorsteht.

(Foto: -/dpa)

Es wäre der siebte Test dieser Art des Landes und der erste seit 2017. Japan erwägt angesichts der militärischen Aktivitäten Nordkoreas die Anschaffung von US-Marschflugkörpern.

Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) mehren sich die Hinweise für einen bevorstehenden Atomtest durch Nordkorea. "Wir hoffen, dass es nicht passiert, aber die Anzeichen gehen leider in die genau andere Richtung", sagte IAEA-Chef Rafael Grossi am Donnerstag in New York. Die IAEA beobachte entsprechende Vorbereitungen in der Autokratie. Jeder halte deswegen "den Atem an", sagte Grossi weiter.

Ein nuklearer Test wäre eine weitere Bestätigung dafür, dass das Programm "auf unglaublich besorgniserregende Weise mit Volldampf voranschreitet" und Pjöngjang sein Arsenal weiter verfeinere. Nordkorea hatte in den vergangenen Monaten immer wieder trotz harter internationaler Sanktionen und Kritik atomwaffenfähige Raketen getestet. Seit Beginn des Jahres waren es bereits mehr als 40 ballistische Raketen einschließlich Mittel- und Interkontinentalraketen - soviel wie in keinem Jahr zuvor. Seit September erfolgten die Tests in ungewohnt hoher Frequenz. Experten rechnen deshalb damit, dass Machthaber Kim Jong-un in den kommenden Wochen seinen ersten Atomtest seit 2017 durchführen könnte.

Die Regierung könnte demnach diesmal sogenannte taktische Atomwaffen testen. Solche Waffen werden auch als "small nukes" bezeichnet - taktische Waffen, deren Wirkungskreis und Sprengkraft deutlich geringer ist als bei strategischen Atomwaffen, die aber über einen Kontinent hinaus eingesetzt werden können. Sie könnten bei Kämpfen theoretisch als Alternative zu herkömmlichen Waffen eingesetzt werden, etwa als Kurzstreckenraketen und Artilleriegeschosse.

Experten plädieren für neue Lösungsansätze

Südkorea und die USA haben während der jüngsten nordkoreanischen Raketentests gemeinsame Militärübungen zur Abschreckung Nordkoreas durchgeführt, was Pjöngjang wiederum als Provokation empfindet. Dazu kommt, dass der Verhandlungsweg im Konflikt um das Atomwaffenprogramm Nordkoreas derzeit verbaut ist. Experten plädieren schon seit längerem dafür, neue Lösungsansätze zu finden.

Doch eine friedliche Konfliktlösung scheint schwierig. Die jahrzehntelangen Bemühungen der USA, Kim Jong-un zum Verzicht auf seine Waffen zu bewegen, seien gescheitert, schrieb vor wenigen Tagen der Experte für nukleare Rüstungskontrolle, Jeffrey Lewis, in einem Gastbeitrag für die New York Times. Und der nordkoreanische Machthaber sei seiner Ansicht nach fest entschlossen, die Waffen zum Schutz seines Landes auch einzusetzen. "Washington muss das Undenkbare ins Auge fassen: zu akzeptieren, dass Nordkorea ein Atomstaat ist", schrieb Lewis.

Japan erwägt Anschaffung von US-Marschflugkörpern

Angesichts Nordkoreas Raketen- und Atomwaffenprogramm erwägt Japan einem Medienbericht zufolge die Anschaffung von Marschflugkörpern seiner Schutzmacht USA. Die Regierung denke über den Kauf seegestützter US-Marschflugkörper vom Typ Tomahawk nach, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Freitag unter Berufung auf Regierungskreise. Hintergrund sei neben der Bedrohung durch Nordkorea auch das wachsende militärische Machtstreben Chinas in der Region.

Mit Marschflugkörpern hätte Japan die Möglichkeit, feindliche Raketenbasen außer Gefecht zu setzen. Die Anschaffung solcher Angriffswaffen ist in Japan angesichts der pazifistischen Nachkriegsverfassung umstritten. Japans Sicherheitspolitik war bislang ausschließlich auf Verteidigung ausgerichtet. Vor dem Hintergrund der zunehmend angespannten Sicherheitslage will das G-7-Land die Verteidigung des Landes jedoch nun drastisch stärken, wie Ministerpräsident Fumio Kishida erklärte. Zum Jahresende steht eine Überarbeitung der nationalen Sicherheitsstrategie an. Die Regierung strebt laut Kyodo an, darin den Besitz von Angriffswaffen wie Marschflugkörpern aufzunehmen.

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