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Laschet gegen Söder:Das Duell, vor dem sich alle gefürchtet haben

Klausurtagung Unionsfraktion

Armin Laschet (li.) und Markus Söder wollen beide Kanzlerkandidat der Union werden.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Jetzt treten Armin Laschet und Markus Söder offen gegeneinander an. Egal, wie die Union sich entscheidet - ihr stehen turbulente Monate bevor.

Kommentar von Robert Roßmann, Berlin

Jetzt hat er es also endlich gesagt. Monatelang hatte Markus Söder lustvoll Spekulationen genährt, aber jede klare Aussage vermieden. Dabei gibt er ansonsten doch so gerne den Chef im Verein für klare Aussprache. Söder wollte, dass die CDU einen roten Teppich bis nach Nürnberg ausrollt und ihn untertänigst bittet, Kanzlerkandidat zu werden. Doch dazu ist es nicht gekommen. Nun hat Söder von sich aus seine Bereitschaft zur Kandidatur erklärt - erklären müssen.

Das war überfällig. Denn der Wettstreit zwischen Söder und Armin Laschet muss endlich öffentlich ausgetragen und vor allem entschieden werden. Die offene Kandidatenfrage hat in der Union bereits zu erheblichen Friktionen geführt. Vor allem aber erschwert sie die Bekämpfung der Pandemie in Deutschland. Zuletzt hatte man manchmal den Eindruck, dass Söder, Laschet und viele andere Unionspolitiker die Kanzlerkandidatur noch stärker umtreibt als die Corona-Krise.

Es ist deshalb gut, dass die Entscheidung zwischen Laschet und Söder jetzt schnell getroffen werden soll. Vielleicht klärt sich alles schon in den kommenden Tagen. Das größte Problem der Union ist damit aber noch lange nicht gelöst.

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus sagt zwar, man habe jetzt das Glück, zwischen zwei guten Kandidaten wählen zu können. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt ließ sich am Sonntag sogar zu der Bemerkung hinreißen: "Lieber zwei herausragende Optionen als einen Olaf." Aber die Union hat nicht zwei herausragende Kandidaten, sondern nur zwei mit erheblichen Nachteilen.

Das Ansehen Laschets ist derart ramponiert, dass er in den Umfragen, wer Kanzler werden sollte, hinter Olaf Scholz, Robert Habeck und Annalena Baerbock liegt. Für den Chef der größten Partei und den Ministerpräsidenten des bevölkerungsreichsten Bundeslandes ist das ein niederschmetterndes Ergebnis. Auch in der CDU haben viele Zweifel, dass Laschet diese Stimmung noch einmal wird drehen können. Zu oft reagierte er in den vergangenen Monaten unter Druck unbeholfen und widersprüchlich. Von einem möglichen Kanzler erwartet man aber gerade unter Druck Souveränität und Stärke.

Aber auch Söder ist keine herausragende Option. In den Umfragen liegt er zwar deutlich vor Laschet. Derlei kann sich jedoch schnell ändern. Vor einem Vierteljahr war Jens Spahn in einer Erhebung noch der beliebteste Politiker Deutschlands - er lag sogar vor der Kanzlerin. Manche sahen in ihm schon einen möglichen Kanzlerkandidaten. Inzwischen muss Spahn aufpassen, nicht in eine Kategorie mit Mautminister Andreas Scheuer gesteckt zu werden.

Es ist also nicht nur nicht gottgegeben, dass die Union den nächsten Kanzler stellt - um einen Satz Laschets aufzugreifen. Es ist auch nicht gottgegeben, dass Söder in ein paar Monaten immer noch die Umfragen anführt.

Vor allem aber bringt Söder auch erhebliche Makel mit. Teamfähigkeit ist nicht seine größte Stärke. Manchmal neigt er zu Schmutzeleien. Zusammenführen, auch mal andere glänzen lassen, das kann Söder nicht. Als Chef der deutlich kleineren Unionspartei müsste er aber gerade das können, um Vorbehalte bei der großen Schwester ausräumen zu können.

Diplomatie kann Laschet besser als Söder

Wenn Söder tatsächlich Kanzlerkandidat werden sollte, würde das die Tektonik der CDU gefährden. Der frischgewählte Parteichef wäre wenige Wochen nach seiner Wahl schon wieder desavouiert, weil er sich nicht gegen Söder hat durchsetzen können. Auch Laschets Renommee als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen wäre gefährdet - die CDU liefe Gefahr, das Land bei der nächsten Wahl zu verlieren. Und wie soll - gesetzt den Fall, Söder würde Kanzler - eine Bundesregierung funktionieren, in der der Chef der kleinsten Koalitionspartei die Regierung anführt? Dafür bräuchte es mehr diplomatisches Geschick als es die Kanzlerin nach 16 Jahren im Amt hat. Und Diplomat zu werden, war noch nie ein Berufswunsch Söders. Derlei kann Laschet deutlich besser.

Mit seinem politischen Kurs löst der bayerische Ministerpräsident keineswegs überall in der CDU Freude aus. In der Sozialpolitik ist Söders CSU traditionell näher bei den Sozialdemokraten als bei den wirtschaftsliberalen Freunden von Friedrich Merz. Deshalb ist es kein Wunder, dass sich Merz jetzt gegen Söder ausgesprochen hat. Bei den Konservativen hat sich der CSU-Chef mit seinem Einsatz für die Frauenquote, seiner Baum-Umarmung und seiner harten Kritik an einigen ostdeutschen Christdemokraten keine Freunde gemacht. Und mit seinem brachialen Auftreten hat Söder auch viele CDU-Ministerpräsidenten und -Präsidiumsmitglieder verprellt. In den vergangenen Wochen hat er mit seinen ständigen Sticheleien und seinem beinahe zwanghaften Hang zum Eigenlob so manchen Zweifler wieder in die Arme von Laschet getrieben.

All das zeigt: Egal, wie die Union sich jetzt entscheidet - ihr stehen turbulente Monate bevor.

© SZ
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