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Kanzlerkandidat:Laschet und Söder gehen ins offene Duell

Armin Laschet and Markus Soder pose for photographers after a news conference in Berlin

Beide wollen, nur einer kann Kanzlerkandidat der Union werden: Armin Laschet (li.) und Markus Söder.

(Foto: REUTERS)

Die Vorsitzenden von CDU und CSU erklären erstmals öffentlich ihren Willen, Kanzlerkandidat werden zu wollen. Und die Kanzlerin relativiert ihre Kritik an Laschets Corona-Kurs.

Von Roman Deininger und Robert Roßmann, Berlin

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Markus Söder hat nach Informationen der Süddeutschen Zeitung seine Bereitschaft zu Kanzlerkandidatur erklärt. "Wenn die CDU bereit wäre, mich zu unterstützen, wäre ich bereit", sagte Söder nach Teilnehmerangaben am Sonntag bei der Vorstandsklausur der Unionsfraktion im Bundestag. Er fügte demnach an: "Wenn die CDU es nicht will, bleibt ohne Groll eine gute Zusammenarbeit."

Laut Söder haben CDU-Chef Armin Laschet und er am Samstag miteinander gesprochen. Es sei aber "kein abschließendes Gespräch" gewesen. Man komme "menschlich" gut miteinander aus. Söder beteuerte vor den Abgeordneten, es sei nicht sein "Lebensplan" gewesen, die Kanzlerschaft anzustreben, aber er habe zuletzt viel Ermutigung aus den Reihen der Union erhalten. Der Kanzlerkandidat müsse derjenige mit den besten Chancen sein, so Söder. Im Vordergrund stehe "der Gesamterfolg der Union".

Erwartungsgemäß erklärte auch Laschet am Sonntag im Fraktionsvorstand, für eine Kandidatur zur Verfügung zu stehen. "Es gibt zwei potenzielle Kandidaten", wird Laschet von Teilnehmern zitiert. "Wir haben uns gegenseitig attestiert, dass wir es beide könnten. Die SPD hat keinen, der es kann, wir haben zwei, die es können." Man werde die Frage nach dem Kandidaten "miteinander auch in persönlicher Wertschätzung" beantworten, so Laschet. Wichtig sei "die Rückendeckung der Parteien und die Geschlossenheit der Union". Sowohl er als auch Söder seien sich ihrer "Verantwortung bewusst".

Zuvor hatte hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem Fraktionsvorstand in der Corona-Politik Unterstützung für Laschets Vorschlag eines "Brücken-Lockdowns" signalisiert. Ihre kürzlich geäußerte Kritik an Laschet wegen seiner Abweichung von den Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz soll sie relativiert haben. Nordrhein-Westfalen sei "nur minimal abgewichen". Andere Länder seien weitergegangen: "Bayern ist inzwischen sogar noch deutlicher abgewichen." Sie bedauere, dass die Kritik Laschet in der Öffentlichkeit härter getroffen habe als andere, wird Merkel zitiert. Teilnehmer der Vorstandsklausur interpretierten Merkels Einlassungen als Versuch, Laschet zu stärken. Beim Auftritt von Söder und Laschet soll Merkel den Raum schon wieder verlassen gehabt haben.

© SZ.de/Reuters/mane
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