Ende der Sondierungen:Viele Kompromisse, keine Sensationen

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Ansonsten dominiert Vorsicht über Aufbruch: Es gibt keinen Beschluss, auf die in das ganze Leben ausstrahlende Digitalisierung mit einer Art Volksbildungsprogramm zu reagieren. Und es gibt nur einen begrenzten Versuch, der wachsenden Spaltung der Gesellschaft in wohl behütete und in prekär abgehängte Regionen durch überraschende und große Initiativen zu begegnen.

Zugegeben, Geld soll in den Wohnungsbau fließen; es soll zusätzliche Anreize für Landärzte und einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs geben. Es soll Verbesserungen bei der Pflege geben und bei der Rente. Aber reicht das aus, um in die frustrierten, verärgerten Milieus überraschend und positiv hineinzuwirken? Eher nicht. Und das ist ein Makel an den Verabredungen der Union mit den Sozialdemokraten.

Kompromisse hat es dagegen viele gegeben, auch bei den meisten "schweren Brocken", wie Merkel und Schulz sie am Donnerstag noch genannt haben. Das gilt bei der Steuer, auch beim Thema Europa. Außerdem hat es Beschlüsse gegeben, die von vornherein klar waren, weil es alle Seiten sowieso wollten. Dazu zählt eine Steuerentlastung für geringe und mittlere Einkommen.

Das ist keine Sensation, aber könnte vielen jungen Familien durchaus das Leben einfacher machen. Und es gilt für ein Einwanderungsgesetz, mit dem Fachkräfte ins Land geholt werden sollen. Auch das wollen mittlerweile alle, weil ihnen die Unternehmen längst Druck gemacht haben.

Diese nächtliche Einigung wirkt zuallererst wie ein Rettungsversuch

Sollte diese große Koalition also doch noch etwas Großes zustande bringen wollen, dann müsste sie etwas schaffen, was ihr zuletzt unmöglich war: sich aus dem Amt heraus mit neuen Ideen eine ganz neue Existenzberechtigung zu verschaffen. Bis dahin wirkt diese nächtliche Einigung zuallererst wie ein Rettungsversuch für Parteien, die Neuwahlen scheuen - und für Parteivorsitzende, die genau wissen, dass ein Scheitern als Kollektiv auch ihre persönliche Zukunft massiv gefährdet.

Fürs Erste haben sich Angela Merkel, Horst Seehofer und wohl auch Martin Schulz noch einmal die Chance erschaffen, die Geschicke des Landes weiter prägen zu können. Auf Dauer ist dieses Ergebnis aber viel zu wenig, um Deutschland und Europa in eine gute Zukunft zu führen.

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