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Coronavirus weltweit:USA schränken Einreise aus Brasilien früher ein

Protest against quarantine measures amid the coronavirus disease (COVID-19) outbreak in Sao Paulo

Die USA wollen früher als geplant Einreisen aus Brasilien erschweren.

(Foto: REUTERS)
  • Brasilien verzeichnete nach Angaben des Gesundheitsministeriums erstmalig binnen 24 Stunden mehr Covid-19-Todesfälle als die USA.
  • Cummings rechtfertigt Verstoß gegen Kontaktbeschränkungen.
  • Tschechien beendet flächendeckende Kontrollen an den Grenzen zu Deutschland und Österreich.
  • Der Außenbeauftragte der EU sieht das Ende des von den USA geführten Weltsystems gekommen.
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Die US-Regierung legt den Beginn der Einreisebeschränkungen für Nicht-US-Bürger aus Brasilien auf einen früheren Termin. Die Regelung trete nun ab dem 26. Mai 23.59 Uhr amerikanische Ostküstenzeit in Kraft und nicht erst ab dem 28. Mai, teilt das Weiße Haus mit. Brasilien zählt nach den USA weltweit die meisten Coronavirus-Fälle.

Brasilien verzeichnete nach Angaben des Gesundheitsministeriums erstmalig binnen 24 Stunden mehr Covid-19-Todesfälle als die USA. An den Folgen der Lungenkrankheit sind in Brasilien am Montag 807 Menschen gestorben, in den Vereinigten Staaten 620. Das lateinamerikanische Land verzeichnet nach offiziellen Angaben mit 374 898 Fällen weltweit den zweitgrößten Ausbruch des Coronavirus, hinter den USA mit mehr als 1,6 Millionen Erkrankten. Die Gesamtzahl der Todesfälle in den USA liegt der Johns-Hopkins-Universität zufolge in den USA bei 98 220 und in Brasilien bei 23 473.

Die Weltgesundheitsorganisation warnt Brasiliens Regierung vor einer Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Aktivität, solange sich das Virus derart massiv ausbreitet. Ehe das Land kein ausreichendes Testsystem zur Kontrolle der Pandemie habe, sollte es von einem solchen Vorhaben absehen, mahnte der Nothilfekoordinator der WHO, Michael Ryan, am Montag. Die starken Übertragungsraten bedeuteten, dass es irgendeine Art von Ausgangsbeschränkungen geben sollte - ungeachtet negativer Folgen für die Wirtschaft.

Johnson-Berater Cummings: "Ich bereue nicht"

Im Kampf gegen das Coronavirus war die Ansage von Premierminister Boris Johnson klar: "Stay at home" - mit diesen Worten forderte er Ende März die britische Bevölkerung auf, zuhause zu bleiben. Ausgerechnet sein eigener Berater, Dominic Cummings, hat sich nicht daran gehalten. Zahlreiche Politiker fordern derzeit seinen Rücktritt. Cumming selbst scheint das unbeeindruckt zu lassen.

Während einer Pressekonferenz sagte Cummings: "Ich bereue nicht, was ich getan habe." Sein Vorgehen sei legal und angemessen. Ende März, während der ersten strengen Kontaktbeschränkungen in Großbritannien, war Cummings mit seiner Familie von London aus 430 Kilometer in die Grafschaft Durham gefahren, wo seine Eltern wohnen. Cummings hatte zu diesem Zeitpunkt selbst Covid-19-Symptome und hätte sich in Selbstisolation begeben müssen, Reisen waren untersagt.

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Cummings sagte während der Pressekonferenz, er habe keine andere Möglichkeit gehabt, die Betreuung seines vier Jahre alten Sohnes sicherzustellen. Er habe für die Betreuung seines Kindes sorgen wollen, weil seine Frau an Covid-19 erkrankt gewesen sei und er selbst auch mit einer Ansteckung habe rechnen müssen. Zuvor hatte der britische Premier Boris Johnson Cummings verteidigt und erklärt, Cummings sei "den Instinkten eines jeden Vaters" gefolgt.

Kritiker fürchten, Cummings könnte das Vertrauen in die Regierung irreparabel beschädigt haben. Sie warnen auch vor einem Anstieg der Infektionen, weil Schutzmaßnahmen möglicherweise nicht mehr ernst genommen werden könnten. Zuletzt forderten daher auch konservative Politiker den Rücktritt des Beraters. "Dominic Cummings muss gehen, bevor er Großbritannien, der Regierung, dem Premierminister, unseren Institutionen oder der Konservativen Partei noch mehr Schaden zufügt", schrieb etwa der Tory-Abgeordnete und Erz-Brexiteer Steve Baker auf der Webseite The Critic.

Tschechien kontrolliert Grenze nur noch stichprobenartig

Die tschechische Polizei beendet ab Dienstag ihre flächendeckenden und systematischen Kontrollen an den Grenzen zu Deutschland und Österreich. Stattdessen werde "gezielt und stichprobenartig" kontrolliert, teilte das Innenministerium in Prag am Montag mit.

Doch am Einreiseverbot für Touristen nach Tschechien ändere sich nichts, betonte eine Sprecherin. Tschechen müssten bei der Rückkehr aus dem Ausland weiterhin einen negativen Corona-Test vorlegen oder in Quarantäne gehen.

Bei Zuwiderhandlungen gegen das Infektionsschutzgesetz wie dem unerlaubten Betreten des Landes drohen Geldstrafen von bis zu 37 000 Euro. Wer versucht, einer Polizeikontrolle auszuweichen, muss mit einem Bußgeld von bis zu 1800 Euro rechnen. Tschechien hatte die Grenzkontrollen zuletzt bis zum 13. Juni verlängert.

EU-Chefdiplomat sieht Pandemie als Wendepunkt in der Weltordnung

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hat die Coronavirus-Pandemie als möglichen Einschnitt für die Weltordnung gewertet. Analysten hätten seit Langem von einem Ende des von den USA geführten Weltsystems und "der Geburt eines asiatischen Jahrhunderts" gesprochen, sagte Borrell in einer Videokonferenz mit deutschen Botschaftern. "Das geschieht jetzt vor unseren Augen." Die Pandemie könne als Wendepunkt bei der Machtverlagerung vom Westen in den Osten betrachtet werden.

Borrell sagte, die EU gerate dabei unter Druck, sich für eine Seite zu entscheiden. Sie müsse eigenen Interessen folgen und dürfe sich von keiner Seite instrumentalisieren lassen. Dazu brauche es eine widerstandsfähige Strategie gegenüber China. Der Aufstieg Chinas sei beeindruckend, doch das Verhältnis zwischen Brüssel und Peking sei nicht immer von Vertrauen, Transparenz und Gegenseitigkeit geprägt gewesen. "Wir haben nur eine Chance, wenn wir China mit kollektiver Disziplin behandeln", sagte der EU-Chefdiplomat. Dazu gehörten auch bessere Beziehungen zu den Demokratien Asiens.

Japan hebt den Ausnahmezustand auf

Japan hebt den landesweiten Ausnahmezustand auf. Die Notmaßnahme solle noch am Montag enden, kündigte Ministerpräsident Shinzo Abe an. Japan sei es gelungen, die Ausbreitung des Virus in weniger als zwei Monaten unter Kontrolle zu bringen. Am 14. Mai hatte die Regierung angesichts sinkender Infektionszahlen für den größten Teil des Landes die Kontaktsperren gelockert, die Hauptstadt Tokio und vier weitere Präfekturen aber noch unter Beobachtung belassen. Japan zählte dem staatlichen Rundfunksender NHK zufolge zuletzt insgesamt 16 600 Infektionen und 839 Todesfälle. Damit konnte die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt die Epidemie stärker eindämmen als andere Länder.

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