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Coronavirus weltweit:Trump kündigt Ende der Zusammenarbeit mit WHO an

Trump WHO Corona

Trump äußerte sich bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz.

(Foto: AP)
  • Die von den USA der WHO bisher zur Verfügung gestellten Mittel sollen an andere globale Gesundheitszwecke gehen.
  • Die Weltgesundheitsorganisation rechnet mit einem Corona-Impfstoff frühestens Mitte des kommenden Jahres.
  • Ab Mitte Juni dürfen die Österreicher in vielen Bereichen auf die Maske verzichten.
  • Südkorea verschärft Corona-Beschränkungen wieder.
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US-Präsident Donald Trump hat ein Ende der Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation angekündigt. "Wir haben detaillierte Reformvorschläge gemacht, doch sie haben sich geweigert zu reagieren", sagte Trump am Freitag bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. Er fuhr fort, die USA zahlten etwa 450 Millionen Dollar (rund 405 Millionen Euro) an die WHO, China aber nur rund 40 Millionen. Sein Land werde die bisherigen Beitragsgelder für andere dringende Gesundheitsaufgaben weltweit ausgeben, die dies verdienten. Einzelheiten dazu nannte Trump nicht.

Trump wirft der WHO vor, China dabei geholfen zu haben, das Ausmaß der Coronavirus-Pandemie zunächst verschleiert zu haben. Er hatte der Organisation schon vor zwei Wochen mit der Einstellung der US-Beiträge gedroht, sollte diese sich nicht zu "substanziellen Verbesserungen innerhalb der nächsten 30 Tage" verpflichten. Diese Zeit ist noch nicht verstrichen.

Die WHO hat auf der Weltgesundheitsversammlung Mitte Mai in Genf zugestimmt, ihre Reaktion auf die Pandemie durch eine unabhängige Untersuchung prüfen zu lassen. In einer Resolution forderten sie WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf, "zum frühest angemessenen Zeitpunkt" eine Evaluierung zu initiieren, mit der die gewonnenen Erfahrungen und dabei gezogene Lehren aus der von der WHO koordinierten Reaktion auf Covid-19 ausgewertet werden sollen.

Die USA haben die WHO für den Tod zahlreicher Menschen verantwortlich gemacht. Trump erklärte mehrfach, er habe Hinweise darauf, dass das Virus aus einem chinesischen Labor stamme. Wissenschaftler gehen dagegen davon aus, dass der Erreger wohl von Tieren auf den Menschen übergesprungen ist.

WHO rechnet mit Corona-Impfstoff in 11 bis 17 Monaten

Ein "sicherer und effektiver" Impfstoff gegen das Coronavirus wird nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in 11 bis 17 Monaten gefunden sein. Schon zuvor werde man über ein Medikament zur Behandlung von Covid-19 verfügen, "womit wir auch die hohe Sterblichkeitsrate reduzieren können", sagte die WHO-Direktorin für öffentliche Gesundheit, Maria Neira, der Katholischen Nachrichten-Agentur zufolge. Ihre Organisation werde für eine gerechte globale Verteilung des Impfstoffs sorgen, versicherte Neira. "Reiche Länder werden für den Impfstoff bezahlen müssen. Für arme Länder, die das nicht können, richten wir aber Mechanismen und Subventionen ein, damit alle Zugang haben."

Österreich hebt Maskenpflicht Mitte Juni weitgehend auf

Österreich lockert angesichts niedriger Corona- Infektionszahlen Mitte die Maskenpflicht weitgehend. Am 15. Juni werde die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in der Öffentlichkeit großteils aufgehoben, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz. Masken sollen dann nur noch in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Apotheken, Praxen und Kliniken sowie etwa bei Friseuren oder in der Gastronomie getragen werden, wo der Mindestabstand von einem Meter nicht eingehalten werden kann. Die Sperrstunde in der Gastronomie soll außerdem zwei Stunden bis 1.00 Uhr ausgeweitet werden.

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Südkorea macht Lockerungen rückgängig

Südkorea verschärft angesichts des erneut deutlichen Anstiegs von Infektionsfällen mit dem Coronavirus wieder die Beschränkungen für die Menschen in der Millionenmetropole Seoul und Umgebung. Mit sofortiger Gültigkeit würden dort bis zum 14. Juni öffentliche Einrichtungen einschließlich Museen, Theater sowie Mehrzweckhallen wieder geschlossen, teilte Gesundheitsminister Park Neung Hoo am Donnerstag nach einem Krisentreffen unter Vorsitz von Ministerpräsident Chung Sye Kyun mit. "Die nächsten zwei Wochen sind kritisch", so der Minister.

Das Land hatte die landesweiten Maßnahmen für eine Beschränkung sozialer Kontakte schrittweise schon wieder gelockert. Doch wurden die Behörden zuletzt durch eine neue lokale Häufung von Infektionen, die diesmal im Verteilzentrum eines Versandhändlers in der Seouler Vorstadt Bucheon festgestellt wurde, alarmiert. Dort wurden bis zum Donnerstagvormittag mehr als 80 Fälle unter Beschäftigten und Kontaktpersonen bestätigt, mehr als 4000 Menschen wurden getestet.

Es sei sehr wahrscheinlich, dass der Ausbruch bereits auf die Gemeinden übergesprungen sei, sagte Park. Er rief die Menschen auf, in den nächsten zwei Wochen möglichst Versammlungen zu vermeiden. In der Hauptstadt hatte in diesem Monat bereits eine Häufung von Ansteckungen unter Clubbesuchern die Furcht vor einer neuen Welle von Masseninfektionen ausgelöst.

Ungewöhnlich hoher Anstieg von Corona-Infektionen in Israel

Das israelische Gesundheitsministerium teilte am Donnerstag mit, dass innerhalb von 24 Stunden 64 neue Coronavirus-Fälle bekannt wurden - eine "vergleichsweise ungewöhnliche Zunahme". Das Ministerium mahnte die Bevölkerung, sich weiterhin an die Corona-Regeln zu halten. Einem Bericht des Nachrichtenportals "ynet" zufolge wollten Ministeriumsvertreter am Freitag über die Lage beraten. Allein an einer Schule in Jerusalem wurden demnach zuletzt 18 Corona-Fälle bekannt.

In dem Land hatte es zuletzt einige Lockerungen gegeben. So dürfen Restaurants, Bars und Kneipen seit Mittwoch wieder Gäste empfangen. Mitte Mai hatte Israel mit der Öffnung der Schulen begonnen. Nach Angaben des Ministeriums ist der Erreger Sars-CoV-2 bisher bei 16 872 Menschen in Israel nachgewiesen worden, 14 679 sind wieder genesen. 284 Menschen sind den Angaben zufolge nach einer Coronavirus-Infektion gestorben.

Johnson-Vertrauter Cummings geht wohl straffrei aus

Der engste Berater des britischen Premierministers Boris Johnson, Dominic Cummings, bekommt trotz seiner Verstöße gegen die Ausgangssperre offenbar keine Strafe. Die Polizei erklärte am Donnerstag, Cummings habe wohl gegen Corona-Regeln verstoßen, als er mit seiner Frau und seinem Sohn ein Schloss in der Nähe seines Elternhauses besucht habe. Sie werde deswegen aber keine rechtlichen Schritte einleiten. Es handle sich um einen geringfügigen Verstoß gegen die Vorschriften, weil Cummings die Abstandsregeln eingehalten habe. Ein Regierungssprecher erklärte, damit sei der Fall abgeschlossen.

Cummings war Ende März mit seiner an dem Coronavirus erkrankten Frau und seinem Sohn im Auto 400 Kilometer weit durch England nach Durham zu seiner Familie gefahren und hatte dort den Ausflug zu dem Schloss unternommen. Das hatte eine heftige Debatte ausgelöst. Auch Abgeordnete der regierenden Konservativen sprachen sich für einen Rücktritt Cummings aus.

© SZ.de/olkl/jael/bix/swi/jobr/che/mkoh/hij/mpu/saul/ihe/hum/mcs

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