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Coronavirus weltweit:Südkorea verschärft Corona-Beschränkungen wegen zweiter Welle

Coronavirus - Südkorea

Menschen, bei denen der Verdacht besteht, dass sie mit Covid-19 infiziert sind, warten in einer Coronavirus-Screening-Station in einer Schlange darauf, vom dortigen Gesundheitspersonal in Schutzanzügen und Gesichtsvisieren getestet zu werden.

(Foto: dpa)

Südkorea verschärft angesichts des erneut deutlichen Anstiegs von Infektionsfällen mit dem Coronavirus wieder die Beschränkungen für die Menschen in der Millionenmetropole Seoul und Umgebung. Mit sofortiger Gültigkeit würden dort bis zum 14. Juni öffentliche Einrichtungen einschließlich Museen, Theater sowie Mehrzweckhallen wieder geschlossen, teilte Gesundheitsminister Park Neung Hoo am Donnerstag nach einem Krisentreffen unter Vorsitz von Ministerpräsident Chung Sye Kyun mit. "Die nächsten zwei Wochen sind kritisch", so der Minister.

Das Land hatte die landesweiten Maßnahmen für eine Beschränkung sozialer Kontakte schrittweise schon wieder gelockert. Doch wurden die Behörden zuletzt durch eine neue lokale Häufung von Infektionen, die diesmal im Verteilzentrum eines Versandhändlers in der Seouler Vorstadt Bucheon festgestellt wurde, alarmiert. Dort wurden bis zum Donnerstagvormittag mehr als 80 Fälle unter Beschäftigten und Kontaktpersonen bestätigt, mehr als 4000 Menschen wurden getestet.

Es sei sehr wahrscheinlich, dass der Ausbruch bereits auf die Gemeinden übergesprungen sei, sagte Park. Er rief die Menschen auf, in den nächsten zwei Wochen möglichst Versammlungen zu vermeiden. In der Hauptstadt hatte in diesem Monat bereits eine Häufung von Ansteckungen unter Clubbesuchern die Furcht vor einer neuen Welle von Masseninfektionen ausgelöst.

Johnson-Vertrauter Cummings geht wohl straffrei aus

Der engste Berater des britischen Premierministers Boris Johnson, Dominic Cummings, bekommt trotz seiner Verstöße gegen die Ausgangssperre offenbar keine Strafe. Die Polizei erklärte am Donnerstag, Cummings habe wohl gegen Corona-Regeln verstoßen, als er mit seiner Frau und seinem Sohn ein Schloss in der Nähe seines Elternhauses besucht habe. Sie werde deswegen aber keine rechtlichen Schritte einleiten. Es handle sich um einen geringfügigen Verstoß gegen die Vorschriften, weil Cummings die Abstandsregeln eingehalten habe. Ein Regierungssprecher erklärte, damit sei der Fall abgeschlossen.

Cummings war Ende März mit seiner an dem Coronavirus erkrankten Frau und seinem Sohn im Auto 400 Kilometer weit durch England nach Durham zu seiner Familie gefahren und hatte dort den Ausflug zu dem Schloss unternommen. Das hatte eine heftige Debatte ausgelöst. Auch Abgeordnete der regierenden Konservativen sprachen sich für einen Rücktritt Cummings aus.

Indiens Corona-Fälle nehmen immer schneller zu

6566 neue Fälle von Infektionen mit dem Coronavirus innerhalb von 24 Stunden, und zwar trotz der inzwischen fast zweimonatigen Ausgangssperre - die Zahl, die das Gesundheitsministerium in Indien meldet, ist ein neuer Tagesrekord. Die Gesamtzahl der Infektionen stieg damit auf 158 333, die Zahl der Toten liegt bei 4531.

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Größter Corona-Hotspot ist die Finanzmetropole Mumbai mit mehr als 33 000 Fällen und fast 1200 Toten. In den besonders von Armut betroffenen östlichen Bundesstaaten nimmt die Zahl der Infektionen zu, nachdem viele auf ihrem Heimweg aus den Metropolen gestrandete Wanderarbeiter in Sonderzügen in ihre dortigen Heimatorte gebracht wurden.

Die Ausgangssperre ist bis Sonntag befristet. Die Regierung bereitet neue Richtlinien vor, die am Wochenende vorgestellt werden sollen. Anfang des Monats waren bereits einige Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus gelockert worden. So durften Geschäfte und produzierende Betriebe wieder öffnen. Auch Verbote im Bahn-, Flug- und Autoverkehr wurden gelockert.

Grünes Licht für Corona-Warn-App im französischen Parlament

Die umstrittene französische Corona-App "StopCovid" hat grünes Licht vom Parlament bekommen. Nach der Nationalversammlung stimmte auch der Senat einer entsprechenden Vorlage der Mitte-Regierung von Premierminister Édouard Philippe zu. Die App soll nun bald eingeführt werden. Das Programm wird mit Hilfe von Bluetooth-Signalen zu erfassen versuchen, welche Smartphones einander nahegekommen sind. Nutzer sollen gewarnt werden, falls sich später herausstellt, dass sie sich neben infizierten Personen aufhielten.

Gegen die App gab es immer wieder datenschutzrechtliche Bedenken - auch aus dem Lager von Präsident Emmanuel Macron. Wie die Nationalversammlung berichtete, stimmten 338 Abgeordnete für die Erklärung, 215 votierten dagegen, 21 enthielten sich. Im Senat sprachen sich 186 Parlamentarier dafür aus, 127 waren dagegen. Experten geben zu bedenken, dass die französische App mit dem derzeit geplanten Konzept nicht von den neuen Schnittstellen unterstützt wird, die Apple und Google für Corona-Tracing-Apps kürzlich für iOS und Android bereitgestellt haben. Das habe insbesondere beim iPhone zur Folge, dass die App nicht im Hintergrund laufen könne. Sie müsse im Vordergrund geöffnet sein, um ständig Bluetooth-Signale senden und empfangen zu können. Damit ist sie unter dem Apple-Betriebssystem iOS nach Experteneinschätzung quasi unbrauchbar. Frankreich gehört in Europa zu den Ländern, die schwer von der Covid-19-Pandemie betroffen sind. Es starben bisher rund 28 600 Menschen.

Mehr als 100 000 Corona-Tote in den USA

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind in den USA Angaben von Wissenschaftlern zufolge mehr als 100 000 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus ums Leben gekommen. Das ging am Mittwochabend (Ortszeit) aus Daten der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore hervor. Die Zahl der bestätigten Infektionen seit Beginn der Pandemie in den USA lag nach Angaben der Universität bei rund 1,7 Millionen. Weltweit sind demnach mehr als 5,6 Millionen Fälle registriert worden - bei mehr als 350 000 Toten. Erst am Montag vergangener Woche war in den USA die Zahl von 90 000 Toten überschritten worden.

Joe Biden, der voraussichtliche Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, hat Trauer über inzwischen mehr als 100 000 Corona-Tote im Land bekundet und Angehörigen Trost zugesprochen. "An alle von euch, die so furchtbar leiden, mir tut euer Verlust leid", sagte Biden in einer am Mittwochabend (Ortszeit) veröffentlichten Videobotschaft. "Diese Nation trauert mit euch." Der US-Präsident vermeidet dagegen seit einiger Zeit, sich öffentlich zu den steigenden Todeszahlen zu äußern. Kurz nachdem die neue Zahl bekannt wurde twitterte Donald Trump seinen Dank an einen Fox-News-Moderator, der ihn als den "großartigsten Präsidenten" in der US-amerikanischen Geschichte bezeichnet hatte.

Ungeachtet der in Teilen der USA immer noch steigenden Fallzahlen sollen sich in Las Vegas bald wieder die Türen zu den Casinos öffnen. Der Gouverneur von Nevada, Steve Sisolak, gab den 4. Juni als Termin bekannt. Dann werden im ganzen Bundesstaat neben Casinos auch Hotels wieder öffnen. Nach Mitteilung der Behörden am Mittwoch müssen die Casino-Betreiber Hygieneauflagen und Abstandsregeln befolgen und den Gästen Schutzmasken anbieten. Auch Fitnesszentren, Schwimmbäder und Wasserparks können ihren Betrieb mit Vorsichtsmaßnahmen wiederaufnehmen, allerdings nur mit Gruppen von maximal 50 Personen. In Nevada hat es bisher mehr als 8000 bestätigte Corona-Infektionen und über 400 Corona-Tote geben, fast alle in Clark County, zu dem Las Vegas gehört.

In Brasilien steigt die Zahl der Todesfälle auf mehr als 25 000

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind in dem lateinamerikanischen Land binnen 24 Stunden weitere 1086 Menschen an den Folgen von Covid-19 gestorben, die Gesamtzahl beläuft sich auf 25 598 Todesopfer. Die Zahl der bestätigten Infektionsfälle steigt nach offiziellen Angaben um 20 599 auf 411 821.

Schweiz lockert Einschränkungen

In der Schweiz werden die Einschränkungen zur Eindämmung des Virus deutlich gelockert. Vom 30. Mai an wird die Obergrenze für Personenansammlungen im öffentlichen Raum auf 30 von fünf Personen angehoben. Ab 6. Juni sind dann öffentliche und private Veranstaltungen mit bis zu 300 Personen wieder erlaubt, Theater, Kinos und andere Freizeiteinrichtungen dürfen öffnen und Sportveranstaltungen stattfinden.

Für Restaurantbetriebe fällt die Beschränkung auf Vier-Personen-Gruppen. Zur Bedingung wird gemacht, dass es Schutzkonzepte gibt und Personenkontakte nachverfolgt werden können, wenn die Distanzregeln nicht eingehalten werden können. Die mit besonderen Befugnissen für die Regierung verbundene sogenannte außerordentliche Lage nach dem Epidemiegesetz soll am 19. Juni enden.

Auch die Einreisebeschränkungen werden gelockert. Ab 8. Juni sollen Gesuche von Erwerbstätigen aus EU und EFTA wieder bearbeitet werden und hoch qualifizierte Arbeitnehmer aus Drittstaaten wieder eingestellt werden können. Die Grenzkontrollen zu Deutschland, Österreich und Frankreich sollen - wie von der Regierung bereits in Aussicht gestellt - ab 15. Juni fallen. Bis 6. Juli werden Personenfreizügigkeit und Reisefreiheit dann im gesamten Schengen-Raum angestrebt.

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