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Coronavirus weltweit:China will internationale Flüge wieder zulassen

China öffnet seine Flughäfen wieder für internationale Flüge.

(Foto: AFP)
  • Italien öffnet seine Grenzen wieder für den Reiseverkehr. Die Infektionszahlen sind in dem Land deutlich gesunken.
  • Der schwedische Staatsepidemiologe Anders Tegnell sagt in einem Interview, mit dem heutigen Wissensstand hätte man in dem Land andere Maßnahmen ergriffen.
  • Um die Ausbreitung des Virus in Chile zu stoppen, steht der Großraum Santiago seit Wochen unter Quarantäne.
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Der internationale Flugverkehr nach China kann wieder aufgenommen werden. Die chinesische Regulierungsbehörde für zivile Luftfahrt lässt ab dem 8. Juni wieder ausländische Streckenverbindungen zu, berichtet die Online-Nachrichtenseite The Paper. Fluggesellschaften könnten zunächst einmal pro Woche eine frei wählbare Stadt anfliegen.

Italien öffnet für Urlauber

Italiens Grenzen sind vom morgigen Mittwoch an wieder für Urlauber offen. Nach circa drei Monaten mit strengen Corona-Beschränkungen gilt die Reisefreiheit für Menschen aus den anderen 26 EU-Ländern sowie weiteren Staaten wie Großbritannien, Norwegen und der Schweiz. Eine Virus-Quarantäne von zwei Wochen entfällt. Vorher durften Ausländer nur mit triftigem Grund, wie etwa Arbeit, einreisen.

Außerdem dürfen die Italiener selbst wieder unbeschränkt zwischen den 20 Regionen hin- und herfahren. Das Verlassen der eigenen Region war bisher noch stark eingeschränkt.

Die Grenze zum Nachbarn Österreich bleibt allerdings vorerst geschlossen. Die Regierung in Wien gab zwar am Mittwoch weitgehende Grenzöffnungen bekannt, für Italien gibt es allerdings eine Außnahme. Kommende Woche soll das abermals eingeschätzt werden. Die Regierung in Wien sei im regen Kontakt mit Rom. Der Plan sei eine Öffnung zu Italien, sobald es die Zahlen zuließen.

Italien war von der Corona-Pandemie in Europa früh und besonders hart getroffen worden, weswegen dort seit März strenge Ausgangs- und Reisebeschränkungen verhängt wurden. Die Ansteckungszahlen sind stark gesunken, sie lagen zuletzt teils unter den Werten in Deutschland.

Schwedischer Staatsepidemiologe kritisiert eigene Strategie

Der schwedische Staatsepidemiologe Anders Tegnell zeigt sich in einem Gespräch mit dem Radiosender Sveriges Radio selbstkritisch. "Wenn wir der Krankheit mit dem selben Wissen begegnen würden, wie wir es heute haben, würde unsere Reaktion irgendwo zwischen dem liegen, was wir getan haben und wie der Rest der Welt reagiert hat", so Tegnell. Es gebe in der Strategie "auf jeden Fall Verbesserungsmöglichkeiten".

Die schwedische Regierung hatte zunächst keine starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens angeordnet und fuhr damit eine Zeit lang gut. Großveranstaltungen mit mehr als 50 Menschen waren verboten, der Besuch von Restaurants, Fitnessstudios und der Schulbesuch für Kinder unter 16 Jahren aber weiterhin erlaubt. Inzwischen liegt die Mortalität in Schweden mit 43 Toten pro 100 000 Einwohnern unter den höchsten weltweit. Auf etwas mehr als 38 000 Infizierte kommen knapp 4500 Tote.

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Regierungschef Stefan Löfven will in den kommenden Wochen wahrscheinlich eine Kommission einberufen, die das Vorgehen Schwedens im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus bewerten soll. Dabei gehe es darum, Erfolge, aber auch Fehler zu finden. Die Opposition hatte eine solche Kommission gefordert.

Massentest in Wuhan ergibt 300 Infizierte ohne Symptome

Bei Tests von fast zehn Millionen Bürgern in Wuhan sind 300 asymptomatische Infektionen mit dem Coronavirus entdeckt worden. Die angesteckten Personen und 1174 enge Kontaktpersonen seien isoliert worden und stünden unter medizinischer Beobachtung, berichteten die Behörden nach Angaben der Staatsmedien am Dienstag.

Den Anteil der Infizierten ohne Symptome an der Bevölkerung beschrieben die Experten als "äußerst gering". Auch seien keine Ansteckungen durch diese Personen festgestellt worden. Die Tests waren seit Mitte Mai über zwei Wochen vorgenommen worden.

In der zentralchinesischen Metropole war das Sars-CoV-2-Virus im Dezember zuerst entdeckt worden. Die Stadt war in China am stärksten vom Ausbruch des Erregers betroffen. Vom 23. Januar an wurde Wuhan für 76 Tage von der Außenwelt abgeriegelt. Von den landesweit 4634 amtlich gemeldeten Todesfällen durch die Lungenkrankheit Covid-19 gab es allein 3869 in der Provinzhauptstadt.

Chile meldet mehr als 100 000 Infektionen

In Chile haben sich nach Angaben der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität bereits mehr als 100 000 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Mehr als 1100 Menschen sind dort den Angaben zufolge nach einer Infektion mit dem Virus ums Leben gekommen. Zuletzt war es in Chiles Bevölkerung immer wieder zu Protesten gekommen. Um die Ausbreitung des Virus zu stoppen, steht der Großraum Santiago seit Wochen unter Quarantäne.

Erst am Montag hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gewarnt, dass der Höhepunkt der Coronavirus-Pandemie in Süd- und Zentralamerika noch nicht erreicht sei. Zu den Ländern mit hohen Zahlen von Neuinfizierten zählt die WHO neben Chile vor allem Brasilien, Peru und auch Mexiko - die Gesundheitssysteme in diesen Staaten stünden unter Druck. In Chile hatte die Ärztekammer angesichts des Ansturms auf die Krankenhäuser bereits vor wenigen Tagen gewarnt, dass fast alle Intensivbetten belegt seien.

Erstmals seit März kein Corona-Toter in Spanien

Erstmals seit März ist in Spanien ein Tag vergangen, ohne dass ein neuer Corona-Toter gemeldet wurde. In den 24 Stunden von Sonntag bis Montag habe es außerdem nur 71 bestätigte Neuinfektionen gegeben, sagte der Chef der spanischen Behörde für Gesundheitliche Notfälle, Fernando Simón, bei einer Pressekonferenz. Die Zahlen seien "sehr, sehr ermutigend".

Spanien hatte den ersten Todesfall der Corona-Pandemie am 3. März vermeldet, den nächsten zwei Tage später. In der Folge stieg die Zahl der Infizierten und Toten exponentiell an. Den Höhepunkt erreichte sie am 2. April mit 950 Toten innerhalb von 24 Stunden. Insgesamt sind nach offiziellen Zahlen in Spanien bislang 27 127 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 verstorben, 240 000 Infektionen wurden bestätigt.

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