Coronavirus in Deutschland:Sieben-Tage-Inzidenz steigt den sechsten Tag in Folge

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Zum sechsten Mal in Folge ist die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland gestiegen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) von Montagmorgen lag sie bei 6,4 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen. Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem RKI binnen eines Tages 324 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 212 Ansteckungen gelegen. Deutschlandweit wurde den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden zwei Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche war es ein Toter gewesen.

Laut einem Bericht der Bild am Sonntag verpflichtet Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nun die Krankenhäuser zu genaueren Angaben über alle behandelten Corona-Fälle. Demnach müssen für alle im Krankenhaus behandelte Corona-Patienten, Alter, Art der Behandlung und Impfstatus gemeldet werden. "Da die gefährdeten Risikogruppen bereits geimpft sind, bedeutet eine hohe Inzidenz nicht automatisch eine ebenso hohe Belastung bei den Intensivbetten", sagte Spahn laut Vorabbericht der BamS. "Wir wollen wissen, wer erkrankt und wie gut er geschützt ist. Nur so können wir zeitnah abschätzen, wie hoch die Belastung für das Gesundheitssystem wird und wie gut die Impfungen wirken." (12.07.2021)

Ärztefunktionär: Nur Geimpfte sollten reisen dürfen

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung in Rheinland-Pfalz, Peter Heinz, fordert massive Freiheitseinschränkungen für Ungeimpfte. "Die Nicht-Geimpften haben nicht die Freiheit, ihre Maske abzulegen. Sie dürfen nicht ins Stadion, nicht ins Schwimmbad und nicht ohne Maske im Supermarkt einkaufen. Und man darf Ungeimpften und jenen mit nur einer einfachen Impfung nicht mehr gestatten, in den Urlaub zu fahren", sagte er der Rhein-Zeitung. Selbst mit einem negativen Test dürften Ungeimpfte seiner Ansicht nach nicht in den Urlaub fahren: "Das Freitesten schützt ja nicht. Wer zum Beispiel auf eine Insel mit einem negativen PCR-Test fährt, kann sich dort sehr wohl anstecken, fährt wieder nach Hause und ist Virusträger."

Wer Ungeimpften Freiheiten zurückgebe, "verspielt die Chance, alle Menschen mit der Impfung zu erreichen", sagte Heinz. Man müssen den Menschen klarmachen: "Ohne Impfung gibt es keine Freiheiten. Ohne diesen Druck werden wir die Menschen nicht überzeugen." Ungeimpfte seien eine Gefahr für die Gesellschaft und dürften daher nicht die gleichen Freiheiten wie Geimpfte bekommen.

Impfprämien hält Heinz für "absurd". Eine Impfpflicht lehnt er als "Bevormundung" aber ab. Freiheiten nur Geimpften zu geben sei keine versteckte Impfpflicht, "sondern eine zwangsläufige Schlussfolgerung aus einer pandemischen Lage". (10.07.2021)

Bildungsministerin für Anwesenheitspflicht im Unterricht

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek spricht sich dafür aus, dass nach den Ferien alle Schüler trotz Corona grundsätzlich im Unterricht erscheinen sollen. "Die Präsenzpflicht sollte aus meiner Sicht wieder in der Regel gelten", sagte die CDU-Politikerin der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Ausnahmen bei vorerkrankten und besonders gefährdeten Kindern und Jugendlichen müssen aber möglich sein". Es werde Rahmenbedingungen geben, unter denen sicherer Unterricht gewährleistet werden kann.

Vor Schulbeginn nach den Ferien sollten ihrer Ansicht nach alle Schüler einmal getestet werden. "Danach muss es Regeltestungen geben, in der Frequenz abhängig vom Infektionsgeschehen. Das sollten wir uns als erste und wichtigste Maßnahme bei steigenden Inzidenzen leisten", so Karliczek. Sie schloss erneut nicht aus, dass es wieder corona-bedingte Schulschließungen geben könnte. "Man kann in einer Situation wie einer Pandemie niemals etwas garantieren oder etwas ausschließen. Wir wissen nicht, welche Varianten noch kommen."

Sie sei "zuversichtlich, dass diesen Herbst die Schulen grundsätzlich offen gehalten werden können". "Wir haben jetzt eine ganz andere Ausgangslage nach den Ferien. Wir haben eine steigende Impfquote, eine gute Teststruktur", sagte die Bildungsministerin. Für die Ausgestaltung des Unterrichts sind in Deutschland die Länder zuständig.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht hält es dagegen noch für zu früh, alle Corona-Beschränkungen aufzuheben. Zuvor "müssen wir noch deutlich weiter in Richtung Herdenimmunität kommen", sagte die SPD-Politikerin der Augsburger Allgemeinen. Erwachsene mit bestimmten Vorerkrankungen und Kinder könnten sich nicht mit einer Impfung schützen - selbst wenn sie wollten. Für Kinder unter zwölf Jahren gibt es bislang keinen zugelassenen Impfstoff. "Die Pandemie ist noch nicht überstanden", sagte Lambrecht. (10.07.2021)

Ganz Spanien wird Corona-Risikogebiet

Wegen stark steigender Corona-Infektionszahlen stuft die Bundesregierung am Sonntag ganz Spanien und damit auch Mallorca und die Kanaren als Risikogebiet ein. Das gab das Robert Koch-Institut am Freitag bekannt. Das bedeutet, dass das Auswärtige Amt mitten in den Sommerferien wieder von touristischen Reisen in das beliebteste Urlaubsland der Deutschen abraten wird. Praktische Folgen ergeben sich für Urlauber aber kaum: Wer mit dem Flugzeug aus Spanien nach Deutschland zurückkehrt, muss wie bisher einen negativen Test oder einen Nachweis über eine vollständige Impfung oder Genesung dabeihaben. Damit entfällt dann die Quarantänepflicht.

Anders sieht es bei der ebenfalls sehr beliebten Urlaubsinsel Zypern aus, die am Sonntag als Hochinzidenzgebiet mit besonders hohen Infektionszahlen eingestuft wird. Wer dort Urlaub macht und nicht geimpft oder genesen ist, muss künftig für fünf bis zehn Tage in Quarantäne.

Die neuen Einstufungen sind Folge der in vielen Regionen Europas wieder deutlich steigenden Infektionszahlen. In Spanien gelten bereits 6 der 17 Regionen - darunter die Urlaubsgebiete Katalonien und Andalusien - sowie die Exklave Ceuta in Nordafrika als Risikogebiete. Die Balearen mit Mallorca, der beliebtesten Urlaubsinsel der Deutschen, sowie die Kanaren blieben aber bisher verschont.

Als Risikogebiete werden Länder und Regionen eingestuft, in denen die Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen (Sieben-Tage-Inzidenz) über 50 liegen. Es ist die niedrigste von drei Risikostufen. Mallorca war Mitte März von der Liste der Risikogebiete gestrichen worden. Inzwischen liegt die Inzidenz auf den Balearen, zu denen auch Menorca, Ibiza und Formentera gehören, im Schnitt schon bei 141. In ganz Spanien sind es sogar 179.

Bei einer Inzidenz über 200 droht die Einstufung als Hochinzidenzgebiet mit Quarantänepflicht für diejenigen, die nicht geimpft oder genesen sind. Erst dann wären auch für die Reisebranche erhebliche Folgen zu erwarten. Dass die Hochstufung sehr schnell kommen kann, zeigt Zypern. Das Land wurde erst vergangenen Sonntag zum Risikogebiet erklärt. Schon eine Woche später wird es nun zu einem von vier Hochinzidenzgebieten in Europa neben Portugal, Großbritannien und Russland.

Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte die Spanien-Urlauber erst am Montag bei einem Besuch in Madrid beruhigt und die Infektionslage als nicht besorgniserregend bezeichnet. "Es gibt keinerlei Hinweise auf Entwicklungen, die befürchten ließen, dass wir in absehbarer Zeit wieder Entscheidungen treffen müssten, die dazu führen, dass deutsche Touristen in Spanien keinen Urlaub mehr machen können", sagte er. Es bestehe weiterhin Grund zur Vorsicht. Aber er gehe derzeit nicht davon aus, dass eine Wiedereinführung der Quarantänepflicht für rückkehrende Spanien-Urlauber kurz bevorstehe.

Die Inzidenz in Spanien lag zu diesem Zeitpunkt knapp über 100 und ist seitdem um fast 80 gestiegen. Wenn es in dem Tempo weitergeht, könnte Spanien nächste Woche dasselbe Schicksal wie Zypern drohen: Hochstufung zum Hochinzidenzgebiet.

Neben Spanien und Zypern stuft die Bundesregierung am Sonntag folgende weitere Länder und Regionen neu ein:

  • Zwei Regionen in Irland werden zum Risikogebiet.
  • Fidschi im Südpazifik wird zum Hochinzidenzgebiet.
  • Saudi-Arabien und eine Region in Schweden werden von der Liste der Risikogebiete gestrichen.
  • Das arabische Königreich Bahrain und Trinidad und Tobago in der Karibik werden vom Hochinzidenzgebiet zum Risikogebiet heruntergestuft.

(09.07.2021)

Bremen vernichtet ungenutzte Astra-Zeneca-Impfdosen

In Bremen werden wegen der seit zwei Wochen sinkenden Nachfrage nach Impfterminen inzwischen immer öfter Astra-Zeneca-Impfdosen ungenutzt vernichtet. Inzwischen sind im Land Bremen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts vom Donnerstagabend 42,1 Prozent aller Menschen vollständig geimpft, 66,5 Prozent haben immerhin schon die erste Spritze erhalten.

Allerdings tut sich nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KVHB) ein neues Problem auf: "Mit der neuen Stiko-Empfehlung hat der Impfstoff von Astra Zeneca den finalen Todesstoß erhalten", sagte der Sprecher der KVHB, Christoph Fox. "Die Praxen bleiben darauf sitzen und müssen den Impfstoff ungenutzt entsorgen. Das schmerzt viele Ärzte und medizinische Fachangestellte, die sich darüber bitterlich bei der KV Bremen beschweren."

Insgesamt bleibe es bei einem hohen Arbeitsaufwand in den Praxen, teilweise steige er sogar, sagte Fox mit Blick auf die vorige Woche ergangene neue Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) zur Kreuzimpfung und der Verkürzung des Impfintervalls. Deshalb müssten viele Nachfragen von Patienten bewältig und Termine umgebucht werden.

In den Impfzentren werde weiterhin in unverminderten Tempo geimpft, teilten die Bremer Gesundheitsbehörden mit. Die Geschwindigkeit bei den Zweitimpfungen steige sogar deutlich, sagte Lukas Fuhrmann, Sprecher der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz. Das habe auch mit den niedrigschwelligen Angeboten in den Stadtteilen und den Impfmobilen zu tun, die weiterhin sehr gut angenommen würden. "Wir rechnen aber in den kommenden Wochen mit einer sinkenden Nachfrage, was auch an der sehr hohen Impfquote in Bremen liegt", so Fuhrmann. (09.07.2021)

RKI: Bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter

Die Sieben-Tage-Inzidenz bei Corona-Infektionen ist am dritten Tag in Folge angestiegen. Sie lag bei 5,5 Neuinfektionen in sieben Tagen pro 100 000 Einwohner. Zum Vergleich: Vor einem Tag lag sie bei 5,2, vor zwei Tagen bei 5,1. Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 949 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen vom Freitagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 4.15 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 649 Ansteckungen gelegen.

Deutschlandweit wurden binnen 24 Stunden 49 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 69 Tote gewesen. Das RKI zählt seit Beginn der Pandemie 3 734 468 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. (09.07.2021)

NRW lässt wieder Partys zu

Nach mehr als einem Jahr Corona-Pandemie mit teils drastischen Grundrechtseinschränkungen tritt an diesem Freitag eine entschärfte Schutzverordnung in Kraft. Sie erlaubt im einwohnerstärksten Bundesland einen großen Schritt in Richtung Normalität.

Mit Negativtests und Hygienekonzept sind schon von Freitag an Lockerungen auch im Bereich Partyszene, Clubs und Freizeitvergnügen möglich, die eigentlich erst für den 27. August oder noch später vorgesehen waren. An allen Orten mit stabil niedriger Neuinfektionsrate sind nun beispielsweise wieder Diskotheken, Kirmes- und Sportveranstaltungen, Musikfestivals und Volksfeste erlaubt - allerdings mit Negativtests aller ungeimpften oder nicht genesenen Teilnehmer. Falls der Veranstalter den Zugang nicht kontrolliert, muss stichprobenartig überprüft werden, ob die Nachweise vorhanden sind.

Voraussetzung für die wiedergewonnene Freiheit ist, dass die Kreise und kreisfreien Städte unter die neue "Inzidenzstufe Null" fallen. Sie greift, sobald sie an fünf Tagen hintereinander höchstens zehn Neuinfektionen gerechnet auf 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen aufweisen. Die meisten der insgesamt 53 Kreise und kreisfreien Städte in NRW haben diese Hürde schon genommen, aber nicht alle: die Party-Städte Köln und Düsseldorf zum Beispiel nicht.

SPD-Chef Norbert Walter-Borjans hat die Lockerungen in Nordrhein-Westfalen als Wahlkampfmanöver von NRW-Ministerpräsident und CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet kritisiert. "Was Armin Laschet jetzt macht, ist nicht vernunftgeleitet, sondern Schönwetterpolitik mit dem Blick auf die Bundestagswahl", sagte der SPD-Vorsitzende der Rheinischen Post.

Zuerst brauche es eine höhere Impfquote - das sei doch nur eine Frage weniger Wochen, sagte Walter-Borjans. "Wenn die Landesregierung jetzt Normalität vortäuscht, ist das geradezu ein Signal an die Unentschlossenen, das Impfen nicht ernst zu nehmen", sagte er. Die Erfolge in der Pandemie-Bekämpfung dürften jetzt nicht verspielt werden.

Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisierte die Lockerungen in NRW. Damit werde das "falsche Signal" gegeben, dass die Pandemie vorbei sei, sagte Lauterbach am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) entgegnete, die Landesregierung sei nicht waghalsig. Es gebe kein Bundesland, das so streng teste, sagte Laumann in der ZDF-Sendung. (09.07.2021)

30 136 Menschen starben im vergangenen Jahr an Corona

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat Zahlen zu den Todesursachen in Deutschland im Corona-Jahr 2020 veröffentlicht. Demnach ist Covid-19 - bei insgesamt 982 489 Todesfällen in Deutschland im vergangenen Jahr - auf 36 291 Todesbescheinigungen als Erkrankung vermerkt worden. In 30 136 Fällen sei die Virus-Infektion auch die Todesursache gewesen, in den anderen 6155 Fällen war sie eine Begleiterkrankung.

Nach diesen vorläufigen Angaben von Destatis war demnach in 83 Prozent der Fälle eine Covid-19-Erkrankung die für den Tod verantwortliche Todesursache. In 17 Prozent der Fälle starben die Personen mit einer Covid-19-Infektion als Begleiterkrankung, jedoch an einem anderen Grundleiden.

Dies sind vorläufige Ergebnisse der Todesursachenstatistik, die ab dem Berichtszeitraum Januar 2020 erstmals monatlich veröffentlicht werden und die bis zur vorliegenden Auswertung knapp 92 Prozent aller Sterbefälle umfassen.

Covid-19-Sterbefälle werden auf zwei Meldewegen erfasst: Zum einen über die amtliche Todesursachenstatistik, zum anderen über die Meldepflichten nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG). Das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Landesgesundheitsbehörden veröffentlichen Covid-19-Sterbefallzahlen nach dem IfSG. Unterschiede in den beiden Dokumentationsformen führen dazu, dass die Fallzahlen der Covid-19-Sterbefälle in beiden Statistiken nicht identisch sind. Zeitlich verzögerte Nachmeldungen, der späte Versand von Todesbescheinigungen oder Korrekturen zum Beispiel des Wohnortes oder des Geschlechts können erst mit der Zeit integriert und korrigiert werden. Das Statistische Bundesamt wies darum ausdrücklich auf Differenzen in den Ergebnissen hin. In der Statistik des RKI wurden demnach 41 476 verstorbene Covid-19-Fälle für das Jahr 2020 ausgewiesen. Die Daten der Todesursachenstatistik zeigen dem Bundesamt zufolge kaum Veränderung bei Suiziden. Deren Zahl lag im Jahr 2020 bei 8565 und damit bislang leicht unter der Zahl von 2019 mit 9041 Suiziden. (08.07.2021)

Delta-Variante dominiert in Deutschland

Seit Ende Juni ist die Delta-Variante nach Angaben des Robert-Koch-Instituts die dominierende Coronavirus-Variante in Deutschland. Ihr Anteil liege bei 59 Prozent. Der Anteil der Alpha-Variante, die sich zuvor stark ausgebreitet habe, betrage nur noch 33 Prozent.

Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Christine Falk, rät deshalb dringend weiter zum Maskentragen und dem Einhalten der Corona-Regeln bis hin zum Testen. "Wenn wir nichts tun, geht uns das Ding durch die Decke", sagte sie.

Für die Professorin zeigen die jüngsten RKI-Ergebnisse, dass sich die Delta-Variante bei den momentan niedrigen Inzidenzen in Deutschland leichter durchsetzen kann. "Es sind nur wenige neue Fälle insgesamt, aber von denen beruhen viele auf Delta", erläuterte sie. "Wir haben seit Dienstag wieder steigende Zahlen. Man kann den Schluss ziehen, dass diese Variante dazu beiträgt, dass sich wieder mehr Menschen anstecken. Denn es ist für das Virus ein Leichtes, von einer Person zur nächsten zu springen."

Ein Beispiel für Falk ist Australien. Das habe sich für coronafrei gehalten. "Und dann ist eine Flugzeugcrew durch das engmaschige Quarantänenetz geschlüpft." Ein Crewmitglied sei in eine Shoppingmall gegangen. "Es gibt Animationen, da sehen Sie, wie er an Menschen vorbeigeht, die sich dadurch das Virus eingefangen haben. Denn in Australien gab es da keine Maskenpflicht mehr." Die Alpha-Variante hätte nicht auf diese Weise überspringen können.

"Das heißt, dass es bei Delta schon wenige Viruspartikel schaffen, einen Menschen zu infizieren. Und wir haben in Deutschland noch einen großen Anteil ungeimpfter oder nicht vollständig geimpfter Menschen. Ohne Maske geht es hier also auf gar keinen Fall." Abstandhalten, Hygiene, Lüften und Testen seien die Methoden der Wahl. "Das sollte im Moment reichen, um den Vorteil, den Delta gegenüber Alpha hat, bei uns wieder einzufangen."

Für das RKI steht fest, dass der Anteil der Variante Delta weiterhin stark zunimmt - zuletzt von 37 auf 59 Prozent innerhalb von nur einer Woche. Diese starke Zunahme gehe mit einer leichten Erhöhung der Fallzahlen und einem weiterhin niedrigen einstelligen Niveau der Sieben-Tage-Inzidenz einher. Viele Fachleute befürchten mit zunehmender Delta-Verbreitung trotz steigender Impfquoten eine Trendumkehr. Das war unter anderem in Großbritannien im Mai beobachtet worden. Zudem wissen mehr als 40 Prozent aller mit dem Coronavirus Infizierten nach einer Studie der Universitätsmedizin Mainz nichts von ihrer Ansteckung.

"Wenn wir jetzt klug sind, sollten wir nicht wieder denken: Das wird schon von alleine", mahnte Falk. "Denn das hatten wir schon mal."

Man sehe jetzt Menschengruppen, die feierten ohne Schutz, ob beim Fußball oder privat. "Das ist aber einfach keine gute Idee mit dieser Variante. Man darf diesem Virus einfach keine Sekunde über den Weg trauen und es für harmloser halten als die Alpha-Variante. Sonst gibt es möglicherweise ein böses Erwachen." (08.07.2021)

© SZ.de/dpa/reuters/jael/hij/jbee/berj/kast/epd/ghe/beg/lala
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