Waldbrände:"Ich habe so etwas noch nie gesehen"

Lesezeit: 4 min

Waldbrände Frankreich Spanien Italien

Kampf gegen das Feuer: ein Einsatzfahrzeug im Département Gironde in Frankreich.

(Foto: dpa)

Welche Zerstörung die Feuer in Frankreich, Spanien, Portugal und Italien bereits angerichtet haben.

Waldbrände im Südwesten Frankreichs, in Spanien, Portugal und Italien haben Tausende Menschen gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Die Feuer zerstörten riesige Flächen Land bei starker Trockenheit und heftigem Wind. Währenddessen wurden Behörden in vielen Teilen Europas wegen der hohen Temperaturen in Alarmbereitschaft versetzt.

Die Hitze hält nicht nur an, sondern breitet sich sogar noch aus. In manchen Teilen Spaniens wurde laut dem meteorologischen Institut Aemet auch am Sonntag wieder 43 Grad erreicht. Ähnlich ist die Lage in Portugal.

Die Wälder sind nach dem regenarmen Winter und Frühjahr ausgedörrt und knochentrocken. Die Flammen schlagen mit unglaublicher Hitze als Feuersäulen hoch in den Himmel. Zurück bleibt eine grauschwarze Mondlandschaft.

Frankreich

Waldbrände Franreich

Frankreich: die Düne von Pilat.

(Foto: Gaizka Iroz/dpa)

Ein seit Tagen wütender Waldbrand in Frankreich, südlich von Bordeaux, stabilisierte sich zwar zwischenzeitlich, flammte aber in der Nacht von Samstag auf Sonntag wieder auf. Fast 11 000 Hektar Land sind laut der französischen Zeitung Ouest-France bereits verwüstet, 14 000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Auch die Campingplätze an der touristisch sehr beliebten Düne von Pilat wurden geräumt, wie die Präfektur Gironde auf Twitter bekannt gab.

Eine Anwohnerin in der Nähe von La Teste-de-Buch in der Gironde beschrieb gegenüber der Nachrichtenagentur AFP die Zustände als "post-apokalyptisch". Sie fügte hinzu: "Ich habe so etwas noch nie gesehen."

Spanien

Waldbrände: Spanien: ein Feuerwehrmann in der Region Monsagro.

Spanien: ein Feuerwehrmann in der Region Monsagro.

(Foto: J.de Oro/AP)

Auch im benachbarten Spanien gab es nach Tagen mit Temperaturen von bis zu 45,7 Grad eine Reihe von Bränden. Der Guardian berichtete am Sonntagmorgen davon, dass im Süden des Landes, in der Nähe der Costa del Sol, mehr als 3000 Menschen wegen eines großen Waldbrandes in der Nähe der Stadt Mijas ihre Häuser verlassen mussten.

"Die Polizei fuhr mit heulenden Sirenen die Straße rauf und runter, und alle wurden aufgefordert, zu gehen. Einfach gehen. Keine Anweisungen, wohin man gehen sollte", sagte ein britischer Rentner dem Guardian.

"Mir sind 130 Bienenstöcke verbrannt", klagte ein Bauer in der westspanischen Region Caceres dem staatlichen spanischen TV-Sender RTVE. Ein anderer berichtete vom Feuertod seiner 40 Schafe und seines Pferdes, weitere davon, dass ihr Vieh verdurste, weil sie nicht zu ihren Höfen dürften.

Welche Schäden die Brände in Naturschutzparks und unter Wildtieren anrichten, ist kaum abzuschätzen. "Es wird Jahre dauern, bis sich die Landschaft hier erholt", sagte ein Beobachter angesichts der Flammen, die sich dem Nationalpark Monfragüe näherten.

Portugal

Waldbrände: Portugal: in der Nähe der Stadt Pombal.

Portugal: in der Nähe der Stadt Pombal.

(Foto: Octavio Passos/Getty Images)

Wegen der zahlreichen Waldbrände, die in Portugal schon seit einer Woche wüten, gilt in dem auch bei Deutschen sehr beliebten Urlaubsland bis einschließlich Sonntag der Notstand. Im Rahmen des sogenannten "Estado de contingência", der dritthöchsten Notstandsstufe, dürfen Einheimische und Touristen unter anderem im Wald keine Lagerfeuer anzünden. Der Aufenthalt in Wäldern ist zudem stark beschränkt.

Am Freitagnachmittag kam der Pilot eines Löschflugzeuges bei einem Absturz im Nordosten Portugals ums Leben. Das einmotorige Wasserflugzeug sei aus ungeklärter Ursache in der Nähe der Stadt Vila Nova de Foz Côa etwa 200 Kilometer östlich von Porto abgestürzt, berichtete die Zeitung Público unter Berufung auf den Zivilschutz.

Es war das erste Todesopfer der Waldbrände in Portugal in diesem Jahr, bei denen in dieser Woche bereits mehr als 160 Menschen verletzt und Hunderte evakuiert wurden.

Insgesamt wurden in Portugal von Jahresbeginn bis Mitte Juni 39 550 Hektar durch Waldbrände verwüstet. Das ist mehr als das Dreifache der Fläche im gleichen zum Zeitraum des Vorjahres, berichtete der Guardian, der sich auf Daten des Instituts für Natur- und Waldschutz beruft.

Italien

Waldbrände Frankreich, Spanien, Portugal, Italien

Italien: Einheimische beobachten das Feuer am zweiten Tag der Brände in Nago.

(Foto: Aleksander Kalka/dpa)

Auch in Italien haben die Feuerwehren am Sonntag an mehreren Orten im Land wieder gegen Waldbrände gekämpft. Auf Sizilien rückten die Einsatzkräfte nahe Palermo erneut zu einem Feuer in Montelepre aus. Medienberichten zufolge unterstützen zwei Löschflugzeuge und ein Hubschrauber die Helfer am Boden. Italien erlebt landesweit seit Wochen eine extreme Dürre, die die Flammen begünstigt. In vielen Landesteilen herrscht erhöhte Waldbrandgefahr.

Südlich der Stadt L'Aquila in den Abruzzen unterstütze ein Löschflieger aus Rom drei Feuerwehreinheiten am Boden, die dort gegen einen Waldbrand kämpften. Nahe Florenz rückten die Rettungskräfte in der Kommune Vinci ebenfalls zu einem Flächenbrand aus, der laut Medienberichten auch ein Wohnhaus bedrohte.

Für größere Aufregung sorgten die Feuer am beliebten Badeort Bibione im Norden. Dort retteten sich am Freitag wegen der Waldbrände mehrere Touristen ins Meer. Inzwischen ist die Lage wieder unter Kontrolle, wie auch die Zeitung Corriere della Sera berichtet. Lediglich die Fähre nach Lignano ist derzeit nicht in Betrieb, weil die Feuer einen Steg stellenweise zerstörten und Urlauber deshalb nicht mehr auf das Boot kämen.

Auch in den Prognosen des Zivilschutzes auf Sardinien galt am Sonntag im Zentrum von Norden bis Süden erhöhte Waldbrandgefahr.

Griechenland

Waldbrände in Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und Griechenland

Griechenland: In Alexandroupolis wurde ein SOS-Kinderdorf evakuiert.

(Foto: SOS-Kinderdörfer Griechenland/obs)

Von Samstag auf Sonntag wurden in Griechenland binnen 24 Stunden 119 Waldbrände registriert. Die meisten Brände werden recht schnell gelöscht, manche wachsen sich jedoch zu Großbränden aus. So schwelte am Sonntag auf Kreta südlich der Hafenstadt Rethymno weiterhin ein Brand, der bereits am Freitag ausgebrochen war und zwischendurch Dörfer bedrohte, die evakuiert wurden.

In der betroffenen Gegend seien weiterhin 120 Feuerwehrkräfte mit 33 Löschzügen präsent, berichtet die Zeitung Kathimerini. Schwierigkeiten bereiten vor allem die bisweilen starken Winde, die um diese Jahreszeit in der Ägäis wehen - sie können ein fast ersticktes Feuer im Nu wieder anheizen und vorantreiben.

Die griechische Feuerwehr schätzt das Risiko für Waldbrände in vielen Teilen Griechenlands weiterhin als "sehr hoch" ein. Am Montag seien vor allem die Region Attika mit der Hauptstadt Athen sowie die Inseln Euböa, Kreta, Lesbos und Samos und der Nordosten der Halbinsel Peloponnes betroffen, twitterte die Feuerwehr am Sonntag. In vielen weiteren Regionen herrsche zudem "hohe Waldbrandgefahr".

Marokko

Waldbrand Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, Marokko

Marokko: Ein Feuerwehrmann bei Larache versucht Flächenbrand zu löschen.

(Foto: dpa)

Auf der anderen Seite des Mittelmeers, in Marokko, haben Brände laut der Nachrichtenagentur REUTERS Brände mehr als 2000 Hektar Wald verwüstet. Die Feuer waren in den nördlichen Gebieten von Larache, Ouazzane, Taza und Tetouane ausgebrochen. Nach Angaben der örtlichen Behörden kam mindestens eine Person ums Leben.

Wie die Nachrichtenagentur berichtete, wurden über 1 000 Häuser in mehreren Dörfern evakuiert. Löschflugzeuge waren im Einsatz, um die drei Brandherde in der Nähe von Larache zu löschen.

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