Kolumne "Ende der Reise":Baywatch in Bibione

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Kolumne "Ende der Reise": Sicher ins Meer? In diesem Jahr ist das nicht mehr so einfach, denn auch in Italien ist nichts mehr so, wie es früher mal war - hier eine Aufnahme um das Jahr 1965.

Sicher ins Meer? In diesem Jahr ist das nicht mehr so einfach, denn auch in Italien ist nichts mehr so, wie es früher mal war - hier eine Aufnahme um das Jahr 1965.

(Foto: imago stock&people/imago/serienlicht)

Dolce far niente? Von wegen! Im Italien-Urlaub fehlt es an allem: Flugbegleiterinnen, Kellnern, Zimmermädchen und nun sogar an Bademeistern. Deshalb gilt: selbst anpacken!

Glosse von Stefan Fischer

Nach Italien zu reisen, war stets eine Herausforderung. In welchem Sommer hätten nicht Piloten oder Fluglotsen gestreikt? Wahlweise oder auch gleichzeitig Lokführerinnen, Schaffner und Busfahrer? Man war also stets auf sich selbst angewiesen, stand deshalb dann stunden-, gefühlt jedoch tagelang im Stau vom Brenner bis zur Adria, verfluchte all die entlang der Autobahn justament geschlossenen Tankstellen, die Baustellen sowieso. Und schmiss vor jedem Mauthäuschen beim Versuch, die Autobahngebühr zu bezahlen, die Hälfte seines Münzgeldes auf den Asphalt. Den hupenden Wohnwagen-Niederländer im Nacken. Ausgerechnet den.

Aber irgendwann war man dann da, in Bibione oder, wenn es sein musste, auch noch Hunderte Kilometer weiter im Süden, in der Toskana oder gar in Apulien. Runter mit den Nerven, durchgeschwitzt, schon jetzt mit Grauen an die Rückreise denkend. Trank einen Aperol Spritz oder einen Weißwein, dann noch einen. Bestellte Spaghetti alle Vongole. Liebäugelte schon vor dem Hauptgang mit einer Nachspeise. Tiramisu oder Profiteroles? Dachte immer weniger an die Rückreise und immer mehr an den ersten Badetag, gleich morgens. Frühstücken geht schnell in Italien. Einen Cappuccino, ein Hörnchen, rein in die Badehose oder den Bikini.

Italien macht einem die Versöhnung wahrlich leicht. Weil auf Wesentliches Verlass ist. Das Essen, die Sonne, der Strand. Dachte man. Doch jetzt die schockierende Nachricht, auch wenn man es sich hätte denken können: Denn natürlich sind nicht nur Flugbegleiterinnen, Kellner und Zimmermädchen knapp, da viele während der Pandemie in verlässlichere Jobs gewechselt haben, in denen ihnen obendrein nicht unentwegt ein verschwitzter, nervenzerrütteter Tedesco gegenübersteht. Klar, ebenfalls Mangelware: Bademeister.

Weshalb nicht nur Fluglinien jede zweite Verbindung streichen und man in einem Lokal fortan zwei Stunden auf sein Fritto misto warten muss - eine, ehe es zubereitet und eine weitere, ehe es serviert wird. Sondern auch nicht ins Meer kann. Wo kein Bademeister, da kein Strandzugang. So sind die Regeln. 4000 Fachkräfte fehlen, mindestens. Kann für die Badetouristen bedeuten: Tausende Kilometer gefahren und dann doch Urlaub auf Balkonien. Nur nicht daheim, sondern im Hotel "La Spiaggia", natürlich mit Meerblick, man gönnt sich ja was.

Es gilt also künftig mehr denn je: Um was man sich nicht selbst kümmert, klappt nicht. Also muss man das Konzept von Working Holidays neu denken: Nicht mehr primär die Mails vom Chef lesen, sich im Urlaub auch nicht altruistisch an ökologisch oder sozial wertvollen Projekten beteiligen. Sondern schnell noch einen Crash-Kurs als Bademeister absolvieren und dann die eigene Sippe beim Baden im Meer behüten. Und daran denken, den Feierabend-Wein im Hotel-Restaurant kaltzustellen.

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