Großbritannien Dicke Luft im Kindergarten

Londons Bürgermeister Sadiq Khan (Archivbild) will gegen die Feinstaubbelastung in der Stadt vorgehen.

(Foto: Getty Images)

London Bürgermeisters Sadiq Khan schämt sich dafür, dass die "giftige Luft" der britischen Hauptstadt Kindern schadet. Die Stadtverwaltung erprobt nun Maßnahmen zum Schutz der Kleinsten. Ein Ansatz: Feinstaub-Filter in Kitas.

Von Björn Finke,

Spielen im Kindergarten gefährdet die Gesundheit - zumindest wenn sich dieser in der Nähe einer belebten Straße befindet. Denn dann atmen die Kleinen tagein, tagaus mit Autoabgasen geschwängerte Luft ein. Zu den Städten Europas mit der dreckigsten Luft gehört London. Die Stadtverwaltung dort will die Kinder nun mit Luftfiltern schützen. Im Frühjahr beginnt ein Modellversuch, bei dem die Apparate in fünf staatlichen Kindergärten installiert werden. Wissenschaftler prüfen, wie sehr dies die Luftqualität verbessert. In 15 weiteren Einrichtungen lässt die Verwaltung andere Ansätze untersuchen. Da werden etwa Spielplätze verlegt, Hecken gepflanzt oder Straßen zeitweise gesperrt.

Bürgermeister Sadiq Khan, selbst Asthmatiker, nennt es beschämend, dass "Londons giftige Luft" Kindern schade. Eine vom Rathaus in Auftrag gegebene Studie ergab, dass die Feinstaub-Belastung in den Klassenzimmern mancher Schulen Grenzwerte überschreitet, welche die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt. Zudem inhalieren die Kinder viel Stickoxide. Ein großer Teil des Feinstaubs und der Stickoxide stammt von Dieselautos. Der Untersuchung zufolge leiden Kinder überdurchschnittlich oft an Asthma, wenn sich Wohnung oder Schule in der Nähe von Straßen mit viel Verkehr befinden.

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Klagen über die miese Luft sind nicht neu. Und früher war das Problem noch schlimmer: Der ständige Londoner Nebel, berühmt gemacht in Deutschland durch die Edgar-Wallace-Filme, war schlicht ein Anzeichen von Smog. Im Dezember 1952 war die Verschmutzung an einigen windstillen Tagen besonders übel. Dieser Great Smog of London soll zum Tod von geschätzt 12 000 Einwohnern beigetragen haben. Danach verbesserten schärfere Gesetze und der Kollaps der Industrie die Luftqualität.

Trotzdem reißt die 8,8-Millionen-Stadt regelmäßig die EU-Grenzwerte. An der bei Touristen so beliebten Einkaufshölle Oxford Circus maßen Forscher einmal eine schlimmere Stickoxid-Belastung als in der Smog-Kapitale Peking. Schuld sind Busse, Lieferwagen und Autos, die im Dauerstau durch die engen Straßen kriechen.

Der sozialdemokratische Bürgermeister Khan investiert daher mehr in Busse mit Elektro- und Hybridantrieb. Seit Anfang 2018 werden auch nur noch Taxen neu zugelassen, die elektrisch herumsummen können: Die berühmten Black Cabs werden grün. Und bald soll eine Abgabe Autos mit besonders schlechten Abgaswerten aus der Innenstadt heraushalten. Wer ins Zentrum fährt, muss ohnehin werktags eine Citymaut von 11,50 Pfund zahlen. Kameras erfassen die Nummernschilder; eine Software prüft, ob überwiesen wurde. Von April an müssen Besitzer alter, schmutziger Modelle zusätzlich 12,50 Pfund pro Tag berappen, fast 14 Euro, und das selbst an Wochenenden. Betroffen sind vor 2015 zugelassene Dieselautos und vor 2006 registrierte Benziner. Die Verkehrsbehörde schätzt, die Abgabe könnte 2,5 Millionen Mal pro Jahr fällig werden. In zwei Jahren soll der erfasste Bereich deutlich ausgeweitet werden.

Die konservative Opposition im Stadtrat klagt, dass die teure Abgabe vor allem Arme treffen werde, die sich keine neueren Autos leisten können. Saubere Luft hat ihren Preis.

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