SZ-Kolumne "Bester Dinge":Wunderbares Hundewetter

SZ-Kolumne "Bester Dinge": In Polen sorgt eine Kältewelle für eine Welle herzerwärmender Nächstenliebe.

In Polen sorgt eine Kältewelle für eine Welle herzerwärmender Nächstenliebe.

(Foto: Louisa Gouliamaki/AFP)

Weil eine Kältewelle anrollte, rief ein überfülltes Tierheim in Krakau dazu auf, frierenden Hunden zeitweilig ein warmes Zuhause zu geben - mit überraschenden Folgen.

Von Viktoria Großmann, Warschau

Im katholischen Polen dauert die Weihnachtszeit länger - bis Maria Lichtmess im Februar. Das erhöht die Aussicht auf ein weißes Fest. Die überall noch blinkende Festtagsbeleuchtung und Weihnachtsdekoration auf den Straßen liegt jetzt unter einer Schneedecke. Und kalt ist es auch, zweistellige Minusgrade und Schneestürme gab es in verschiedenen Teilen des Landes, es war ein Wetter, bei dem man keinen Hund vor die Tür schickt. Das hat das Tierheim Krakau auch so gesehen und vorsorglich, bevor die große Kältewelle begann, aufgerufen, Hunden vorübergehend ein warmes Zuhause zu geben. Denn das Heim hat nicht genügend überdachte Räume für alle Tiere.

Und dann waren am Ende gar nicht genug Tiere da. Die Menschen standen selbst Stunden in der Kälte an, um einen Hund mit in die warme Wohnung zu nehmen. Erst in Polen, dann über Polen hinaus wurde über die tierlieben Krakauer berichtet. Andere Tierheime nutzten die Chance und schlossen sich an - auch in Gniezno (Gnesen) etwa, so berichtet die Lokalpresse, funktionierte ein ähnlicher Aufruf gut.

Nun kommen die Hunde nicht mehr zurück. Viele Besitzer auf Zeit wollen die Durchgangsgäste behalten. Erstens ist es ja immer noch kalt und zweitens haben sich die meisten offenbar gut ins Familienleben eingefügt. So ganz verwunderlich ist der Andrang vor den Tierheimen ja nicht. Wer in Polen nicht selbst einen Hund hat, der hat einen Nachbarn mit Hund. Natürlich gab es ein paar Mahner und Nörgler, die erklärten, dass bei echter Haustierliebe doch gar kein Hund im Heim landen solle und wenn, dann müsse dieses ordentlich ausgerüstet sein. Aber wo es keinen großen Plan gibt, muss man improvisieren. Und daraus entstehen oft die besten Geschichten - oder eine Freundschaft fürs Leben.

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