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Coronavirus weltweit:Maas: Desinformation "auch aus der russischen Sphäre"

Coronavirus - Maas zu Desinformation in Corona-Krise

Bundesaußenminister Heiko Maas.

(Foto: dpa)
  • Laut Bundesaußenminister Maas will die EU "die gesteuerte Verbreitung von Fake News viel offensiver bekämpfen".
  • Die US-Regierung erwägt laut Vizepräsident Pence, die Kosten für die Behandlung Nicht-Krankenversicherter zu begleichen.
  • Inzwischen haben sich weltweit mehr als eine Million Menschen mit dem Coronavirus infiziert.
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Fake-News-Kampagnen gegen die EU rund um das Coronavirus kommen nach Ansicht von Bundesaußenminister Heiko Maas auch aus Russland. Die EU müsse sich mit vorsätzlich und organisiert verbreiteten Desinformationen - "auch aus der russischen Sphäre" - auseinandersetzen, sagte der SPD-Politiker am Freitag nach einer Videoschalte mit seinen EU-Kollegen. "Wir haben uns darauf verständigt, dass wir die gesteuerte Verbreitung von Fake News viel offensiver bekämpfen wollen."

Dabei sollten sich die EU-Staaten enger mit der EU-Kommission abstimmen, Dinge richtigstellen und über zweifelhafte Quellen aufklären, sagte Maas. Es sei nicht akzeptabel, dass einige politisch Kapital aus Krise schlagen wollten. Besonders wichtig sei der transparente Umgang mit Fakten. So könne das Vertrauen der Bevölkerung behalten werden und Akzeptanz für Maßnahmen gegen die Coronavirus-Pandemie geschaffen werden. "Das dürfen wir uns nicht kaputtmachen lassen. Und deshalb werden wir gegen Desinformation noch weitaus offensiver vorgehen, als das bisher der Fall gewesen ist", sagte Maas.

Mehr als eine Million infizierte weltweit

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Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen mit dem Coronavirus hat die Marke von einer Million weltweit überschritten. Das geht aus aktuellen Zahlen der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität hervor. An der Lungenkrankheit Covid-19, die das vor drei Monaten praktisch noch völlig unbekannte Virus Sars-CoV-2 auslösen kann, starben demnach bislang weltweit mehr als 51 000 Menschen.

Die Dunkelziffer dürfte bei Fallzahlen und Totenzahlen hoch sein, sagen Wissenschaftler. Zum einen hängt die Zahl der nachgewiesenen Infektionen davon ab, wie viele Menschen überhaupt getestet werden. Praktisch kein Land der Welt hat genügend Tests und Laborkapazitäten zur Auswertung. Zudem haben manche Länder spät mit dem Testen angefangen oder setzen bewusst auf eine selektive Teststrategie. Zum anderen dürften viele Menschen mit Vorerkrankungen oder im hohen Alter durch die Virusinfektion gestorben sein, ohne dass Ärzte das zu dem Zeitpunkt erkannt hatten oder prüfen konnten.

Pence: US-Regierung will Kosten für Nicht-Krankenversicherte übernehmen

Millionen Amerikaner ohne Krankenversicherung sollen nach dem Willen des Weißen Hauses nicht für eine Behandlung wegen einer etwaigen Covid-19-Erkrankung bezahlen müssen. US-Vizepräsident Mike Pence sagte am Donnerstagabend im Weißen Haus: "Wir wollen, dass kein Amerikaner sich Sorgen machen muss darüber, einen Test oder eine Behandlung zu bekommen." Präsident Donald Trump habe die Coronavirus-Arbeitsgruppe im Weißen Haus angewiesen, Wege zu finden, wie die Regierung für Behandlungen der rund 30 Millionen nicht krankenversicherten Amerikaner bezahlen könne. Man arbeite an einem Vorschlag für Trump, wie Coronavirus-Hilfsgelder dafür verwendet werden könnten, die Krankenhäuser direkt zu bezahlen.

Mehr als 200 000 Infizierte in den USA

Die Zahl der Corona-Opfer in den USA steigt weiter drastisch an. Jüngsten Zahlen der Johns-Hopkins-Universität zufolge starben dort mittlerweise mehr als 5 100 Menschen in Zusammenhang mit dem Virus. Zudem verzeichnet das Land mehr als 216 000 bestätigte Infektionen - so viele wie nirgendwo sonst auf der Welt. Die Gesundheitsexperten der US-Regierung rechnen derzeit mit 100 000 bis 240 000 Toten durch die Pandemie in den USA. Die Regierung erwägt inzwischen auch Reisebeschränkungen innerhalb des Landes, sagte Präsident Trump. In der Krise schnellen die Anträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA auf historische Höchstwerte. In der vergangenen Woche stellten 6,65 Millionen Amerikaner einen entsprechenden Erstantrag, teilte das Arbeitsministerium mit.

Der Bundesstaat New York ist von dem Virus besonders stark betroffen. Die New York Times führt für Nachrufe auf Menschen, die an Corona gestorben sind, eine eigene Rubrik ein. "Those We've Lost to the Coronavirus" würdigt aktuell unter anderem den Jazz-Pianisten Ellis Marsalis, den Songwriter Adam Schlesinger und die Transgender-Aktivistin Lorena Borjas. Die Rubrik ist in der Printausgabe für die besonders von Covid-19 betroffenen Stadt New York enthalten sowie in der digitalen Ausgabe, nicht aber in der internationalen Ausgabe.

Die Odyssee des vom Coronavirus betroffenen Kreuzfahrtschiffes Zaandam ist derweil vorbei. Die Zaandam legte am Donnerstag im Hafen von Fort Lauderdale in Florida an. Die Passagiere sollen von der Stadt nahe Miami aus zum Großteil ausgeflogen werden. Einige Erkrankte sollen aber auch vor Ort medizinisch versorgt werden oder zur Quarantäne an Bord bleiben, wie der Bürgermeister von Fort Lauderdale, Dean Trantalis, mitteilte.

Kurz hinter der Zaandam legte das Schwesterschiff Rotterdam ebenfalls in Fort Lauderdale an. Auf der Zaandam waren mehrere Passagiere positiv auf das Coronavirus getestet worden. Floridas Gouverneur Ron DeSantis hatte sich zunächst dagegen gesperrt, dass die Schiffe seinen Bundesstaat anlaufen. Er argumentierte, dass medizinische Ressourcen in der ebenfalls von dem Virus betroffenen Region für die eigene Bevölkerung vorgehalten werden sollten. Trump hatte sich jedoch eingeschaltet und den Passagieren Hilfe zugesagt. "Aus humanitärer Sicht haben wir keine Wahl", sagte er am Mittwochabend.

Zahl der Neuinfektionen in Spanien sinkt weiter

Im stark von der Corona-Pandemie betroffenen Spanien ist die Zahl nachgewiesener Neuinfektionen weiter gesunken. Zwar stieg sie bis Freitag binnen eines Tages um 7500 auf fast 118 000 - die Zuwachsrate lag aber nur noch bei knapp sieben Prozent. In der vergangenen Woche waren es noch 18 Prozent. Fast 4000 Patienten, die an Covid-19 erkrankt waren, konnten zudem innerhalb eines Tages als geheilt entlassen werden, wie das Gesundheitsministerium in Madrid mitteilte. Von den bisher mehr als 56 000 Infizierten, die in Kliniken behandelt werden mussten, sind damit bereits mehr als 30 000 wieder gesund.

"Die Tendenz ist die richtige. Das Ziel wird schrittweise erreicht - nämlich den Anfang nächster Woche zu erreichen, ohne dass die Intensivstationen überlastet sind", sagte der Chef der Behörde für Gesundheitliche Notfälle (CCAES), Fernando Simón. In Spanien herrscht seit 20 Tagen ein striktes Ausgehverbot, um die Ausbreitung in den Griff zu bekommen.

Gleichzeitig wurden binnen 24 Stunden 932 neue Todesfälle in Zusammenhang mit einer Sars-CoV-2-Infektion registriert. Damit stieg die Gesamtzahl der Toten auf 10 935. Es war der zweite Tag in Folge mit mehr als 900 und bereits der siebte in Serie mit mehr als 800 Toten in Spanien.

Trump negativ auf Coronavirus getestet

Der US-Präsident ist ein zweites Mal negativ auf das Coronavirus getestet worden. Trump sagte am Donnerstagabend bei seiner täglichen Pressekonferenz im Weißen Haus, er habe sich einem neuen Schnelltest "vor allem aus Neugier" unterzogen, um zu sehen, wie lange ein Ergebnis dauere. Das Resultat habe innerhalb von "14 oder 15 Minuten" vorgelegen. Der Test selbst habe "buchstäblich eine Minute" gedauert und sei deutlich angenehmer als die erste Untersuchung gewesen. Auch das Weiße Haus veröffentlichte das negative Testergebnis.

Bereits Mitte März hatte sich Trump auf das Coronavirus testen lassen, damals unter öffentlichem Druck. Trump war zuvor bei einem Besuch des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro in seinem Feriendomizil Mar-a-Lago mit mindestens zwei Personen in Kontakt gewesen, die wenig später positiv auf das Coronavirus getestet wurden.

© SZ.de/dpa/KNA/Reuters/mxm/jael/aner/kler/cck/saul/bix/afs/che/jsa/cku/gal/kit/tba/thba/olkl/mane/mpu/ihe/jana/jsa/swi/luch/munz/bepe/odg
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