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S-Bahn:Zu großer Andrang: Info-Veranstaltung zur zweiten Stammstrecke verschoben

Knapp 150 Menschen protestieren am Mittwochabend gegen den Bau der neuen S-Bahn-Röhre.

(Foto: Robert Haas)
  • Nach Jahren des Wartens und Diskutierens bekommt München die Zweite Stammstrecke.
  • Anwohner in Haidhausen haben jedoch Angst, dass die Bauarbeiten ihr Viertel verschandeln könnten.
  • Bauminister Joachim Herrmann will sich der Kritik in einer Versammlung stellen. Diese muss aber wegen des großen Andrangs verschoben werden.

Von Johannes Korsche und Andreas Schubert

Es sollte eine Bürgerversammlung werden, gleichzeitig eine Inforunde für die Haidhauser zur zweiten S-Bahn-Stammstrecke und ein Forum für diejenigen, die befürchten, dass ihr Stadtteil den Bach runtergeht, so wie es manche auf der Demo vor der Bürgerversammlung am Mittwochabend kundtaten. Nur: Die Versammlung fand nicht statt.

Weil der Saal des Hofbräukellers nur rund 500 Leute fasst, viele Menschen aber nicht mehr in den völlig überfüllten Saal durften, stimmten die Bürger dafür, die Versammlung in einem größeren Saal zu einem anderen Termin abzuhalten. Ein Vorschlag, den Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) selbst machte und den das Bürgerplenum annahm.

Wann und wo die Wiederholung stattfinden wird, blieb zunächst offen. Dass die Stimmung in Haidhausen offensichtlich gereizt ist, zeigten die Buhrufe, mit denen Herrmann empfangen wurde. Aber auch schon vor der abgesagten Versammlung war klar, wie der Ton der wütenden Bürger im Osten der Stadt sein würde. "Wem dient die 2. Tunnelsohle? Dem Baukonzern. Der macht die Kohle", steht auf Transparenten und Bannern, die die Bürgerinitiative Haidhausen an diesem Mittwoch in die Kameras halten.

Oder, eher lapidar: "Tunnel nein, Südring ja." Es ist ein letztes Aufbäumen des Widerstands gegen eine Sache, die - so wie es aussieht - jetzt nach vielen Jahren Diskussion, Planungen und Planungsänderungen durchgezogen wird. Dass die sechs noch anhängigen Klagen am Verwaltungsgerichtshof gegen den Bau der zweiten Stammstrecke erfolglos bleiben werden, davon geht sowohl Herrmann als auch der Projektleiter der Bahn, Markus Kretschmer, aus. Schließlich sind die Klagen gegen den westlichen und mittleren Bauabschnitt ausgeräumt, für zwei Drittel der geplanten Stammstrecke herrscht somit gültiges Baurecht.

Aber vielleicht geschieht aus Sicht der Haidhauser Gegner ja doch noch, was so richtig keiner mehr glauben will. Ein "Wunder", wie es Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher bei der Demo nennt, zu der knapp 150 Leute gekommen sind. Der Abend zeigt: Die Stammstrecke bleibt ein heißes Thema in Haidhausen. Bei der Kundgebung nimmt Ingeborg Michelfeit, Vorsitzende der Bürgerinitiative Haidhausen, wenig überraschend auch das Reizwort "Stuttgart 21" in den Mund.

Immerhin kann man den Verantwortlichen aus Politik und von der Bahn nicht vorwerfen, dass sie sich nicht der Konfrontation stellen. Herrmann meinte nach der Absage, dass er die Entscheidung respektiere und es sei ihm wichtig, mit den Anwohnern ins Gespräch zu kommen. Er sei wenigstens gekommen, anders als Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

© SZ vom 23.02.2017/bhi
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