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Wolfratshausen:Was der Investor mit dem Isar-Kaufhaus vorhat

Isar-Kaufhaus Wolfratshausen

Bis 2018 soll das Isar-Kaufhaus abgerissen und zwei Jahre später wieder neu gebaut sein.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Das Herz der Altstadt schlägt wieder: Der Komplex hat einen neuen Besitzer und soll neu gebaut werden. H&M soll tatsächlich am Standort interessiert sein.

Das Isar-Kaufhaus hat einen neuen Besitzer: Die "Untermarkt 7-11 GmbH" hat den lange leer stehenden Komplex am Untermarkt, der für einen Neubau abgerissen werden soll, von Angela Scheller erworben. Hauptgesellschafter des Investors, der dort einen großen Laden und Wohnungen errichten will, ist die Scherbaum AG aus Grünwald. Dies gab der Rechtsanwalt Harald Mosler bekannt, der Scheller vertritt. Laut Mosler ist Investor Rainer Scherbaum ein "Vorzeige-Immobilienfachmann" und "erfahren in der Errichtung von Objekten in schwierigen Innenstadtlagen".

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Erst vor wenigen Tagen hatte das Landratsamt den Antrag auf Vorbescheid für Abriss und Neubau des seit mehr als vier Jahren leer stehenden Kaufhauses erteilt. Wie Mosler sagte, habe es drei konkrete Angebote von Investoren gegeben, die das Haus im Herzen der Altstadt entwickeln wollten. Den Zuschlag habe schließlich Scherbaum erhalten, auch weil er das beste Angebot vorgelegt habe. Der Grünwalder sei ein alter Bekannter von ihm und sein erster Klient überhaupt gewesen, erzählte Mosler. Über den Kaufpreis schwieg der Anwalt, der nach eigenen Angaben selbst keine Beteiligung an dem Objekt hat. Er werde aber in die Geschäftsführung der GmbH mit einsteigen, sagte Mosler, "damit Kontinuität herrscht". So habe er etwa dem Verein Historische Altstadt eine enge Zusammenarbeit bei der Gestaltung der Fassade versprochen. "Das werde ich auch einhalten."

Wie das Gebäude künftig aussehen soll, zeigte Mosler anhand von Skizzen, die der Architekt Tom Ferster angefertigt hatte: Demnach ist im Erdgeschoss mit 870 Quadratmetern Fläche eine große, zusammenhängende Verkaufsfläche für einen Laden vorgesehen. Für den gebe es "eine Reihe von Interessenten", sagte Mosler. Schließlich existiere in der Altstadt sonst kein Laden mit vergleichbarer Größe. Welches Geschäft dort unterkomme, hänge von der Größe der Verkaufsfläche ab. Mosler brachte erneut die schwedische Textil-Kette "Hennes& Mauritz" ins Spiel, deren Interesse er bestätigte. "H&M will nach Wolfratshausen." Allerdings könne es sein, dass eine solche Filiale mehr Fläche erfordere. Deshalb gebe es die Überlegung, auch den ersten Stock für den Laden freizugeben.

Vier Jahre Leerstand

Das Isar-Kaufhaus, 1966 im Wolfratshauser Untermarkt eröffnet, hat 2012 für immer seine Pforten geschlossen. Die Besitzerin Angela Scheller und der Betreiber Frederik Holthaus, der das Kaufhaus mit der Geretsrieder Dependance 1995 von seinem Vater Otto-Ernst Holthaus übernommen hatte, konnten sich nicht über den Mietpreis einigen. 47 Mitarbeiter verloren ihren Job, seitdem klafft eine große Lücke im Zentrum der Wolfratshauser Altstadt. Sie zu schließen, ist seit Jahren oberstes Ziel des Stadtrats. Versuche, einen Investor zu finden, sind jedoch immer wieder gescheitert. Weit gediehen waren die Pläne des Immobilienbüros Bartsch, das mit dem Architekten Robert Wieser aus dem Kaufhaus die "Hugo-Passage" machen wollte. Der Name sollte an den früheren Besitzer des Gebäudes Hans Hugo erinnern, was seine Nachfahren aber nicht wollten. Der mondäne Entwurf, der im Erdgeschoss zwei Läden und darüber Arztpraxen, Kanzleien und Wohnungen vorsieht, fand zwar im Bauausschuss großen Anklang, zur Umsetzung kam er aber nie. Schließlich trennte sich Scheller von den Wolfratshauser Maklern. Neben der nötigen Tiefgarage am Bergwald stellte vor allem das als Seifensiederanwesen bekannte Haus Nummer 11 des Komplexes ein Hindernis für die Entwicklung der zentralen Immobilie dar. Dach und Fassade des charakteristischen Häuschens hatte der Denkmalschutz zunächst als erhaltenswert eingestuft. Inzwischen hat sich aber herausgestellt, dass das Gebäude kaum noch ursprüngliche Bausubstanz aufweist. aip

Entscheidend sei deshalb die Stellplatz-Satzung der Stadt. Die sehe bei Läden bis 800 Quadratmeter einen Parkplatz pro 30 Quadratmeter Verkaufsfläche vor; bei größeren Läden jedoch einen pro zehn Quadratmeter. Die Parkplatz-Frage müsse mit der Stadt gesondert geklärt werden, sagte Mosler. Die Frage nach dem Laden sei deshalb noch offen. "Wir wollen einen Mieter, der in das Stadtzentrum passt." Auch einen Nahversorger wolle man nicht ausschließen. In den Obergeschossen und Rückgebäuden sollen 15 Mietwohnungen entstehen. Die erste Etage biete sich auch für gewerbliche Nutzung an, sagte Mosler.

Von einer maximal möglichen Verdichtung sehe man nach Auflagen des Bauausschusses ab, erklärte Mosler. "Wir werden uns an die Höhenentwicklung halten, die das Isar-Kaufhaus jetzt hat." Insgesamt sollen die Gebäude bis zu vier Stockwerke bekommen, die sich jedoch "terrassenweise" nach unten verdichten. Um die Lichtsituation am Bergwald zu verbessern, ist im Innenhof des Komplexes ein Atrium vorgesehen, das auf sich vom Glasdach des Erdgeschosses bis nach oben zieht. Für die Bewohner und Büros soll eine Tiefgarage mit 28 Stellplätzen errichtet werden. Diese wird über das Dr.-Happ-Gassl erschlossen, das dafür im hinteren Bereich auf 4,25 Meter verbreitert werden soll. Vorne soll die Breite von drei Metern nach Forderung des Historischen Vereins erhalten bleiben.

Als nächster Schritt werde nun der Bauantrag ausgearbeitet und eingereicht - unter "frühzeitiger Einbeziehung der Mieter und in enger Zusammenarbeit mit der Stadt", wie Mosler sagte. Bis zum Herbst könne die Baugenehmigung vorliegen. Dann könnte 2018 der Abriss erfolgen. Für den Neubau rechnet Mosler mit etwa zwei Jahren Bauzeit. Eines sei sicher: "Die Tage des verwaisten und in sich zerfallenden Isar-Kaufhauses sind vorbei."

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