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Isar-Kaufhaus:Hauptsache, es rührt sich was

Bio-Markt? H&M? Geschäftsleute in der Innenstadt freuen sich über die Neubau-Pläne. Kunden wünschen sich einen Laden mit möglichst breitem Angebot.

Wenn Ober- und Untermarkt die Hauptschlagader der Wolfratshauser Altstadt sind, war das Isar-Kaufhaus lange Jahre ihr Herz. Schließlich zog das 1966 eröffnete Geschäft scharenweise Kunden an, die dort Haushaltswaren, Kleidung oder Elektrogeräte suchten. Das Kaufhaus zog nicht nur die Kunden an, sondern pumpte sie auch zuverlässig auf die Straße hinaus, wo sie, wenn sie schon einmal da waren, auch in die umliegenden Geschäfte strömten. Bis zu seiner Schließung im Dezember 2012. Seit fast vier Jahren steht das große Kaufhaus mitten in der Altstadt leer und verfällt zusehends. Die Herzinsuffizienz macht sich auf der gesamten Marktstraße bemerkbar.

Nun aber gibt es Hoffnung: Nach mehreren gescheiterten Reanimationsversuchen hat die Besitzerin der Immobilie, Angela Scheller, einen Antrag auf Abriss der maroden Gebäude gestellt, über den der Wolfratshauser Bauausschuss am kommenden Mittwoch berät. Es gebe einen Investor, sagt ihr Anwalt Harald Mosler, der dort einen attraktiven, dem Ensemble der Altstadt angepassten Neubau errichten wolle - mit besten Chancen auf Vermietung. Für die 900 Quadratmeter große Ladenfläche im Erdgeschoss seien schon Mieter im Gespräch. Denkbar sei etwa eine Filiale der schwedischen Textilkette Hennes und Mauritz (H&M) oder ein Bio-Markt.

Foto: Felicitas Amler

(Foto: Felicitas Amler)

Könnte das die Wiederbelebung der Wolfratshauser Altstadt bedeuten? Die umliegenden Ladenbesitzer jedenfalls äußern vorsichtig Hoffnung. Im Grunde sei es egal, welcher Laden in das ehemalige Kaufhaus einziehe, sagt etwa Ines Boodevaar vom gleichnamigen Bekleidungshaus schräg gegenüber. Es sei nur "sehr, sehr wichtig, dass endlich was passiert". Zwar seien wieder mehr Leute auf der Straße, und auch die Kunden seien zufriedener. "Es gibt eine spürbare, hörbare positive Veränderung", sagt Boodevaar. Nur werde sie eben auch von Touristen immer wieder ungläubig auf den unansehnlichen Leerstand im Untermarkt angesprochen. "Das Riesengebäude, das vor sich hin verrottet, macht von der Optik her viel kaputt." Die Ladenbetreiberin traut Mosler die Wiederbelebung zu. "Er hat die richtigen Kontakte und kriegt das schon auf die Reihe."

Ähnlich denkt Stefan Fischer, Inhaber des Trachtengeschäfts Fischer-Pflügl. "Am allermeisten wünsche ich mir, dass irgendwas passiert", sagt er. "Es kann nicht sein, dass so eine plakative und wichtige Immobilie verfällt und das Image rundum schädigt." Häuser in dieser Größenordnung müssten "mit Leben gefüllt werden" - und dafür seien innovative und kreative Ideen gefragt.

Doch welche? Ingrid Schnaller, Vorsitzende des Werbekreises Einkaufsstadt Wolfratshausen hält eine Filiale von H&M für sehr aussichtsreich. "Ich glaube, dass so eine bekannte, etablierte Marke das Richtige ist", sagt sie. Die Textilkette sei "ein Frequenzbringer", der ein nicht nur ein großes jüngeres Publikum in die Altstadt bringe, sondern auch andere Ladeneröffnungen nach sich ziehe.

50 Jahre Isar Kaufhaus

Großes Gedränge: Als das Isar-Kaufhaus in Wolfratshausen 1966 eröffnete, strömten die Kunden massenweise an die Regale.

(Foto: privat)

Susanne Grötzner, die am Freitag mit ihrer achtjährigen Tochter Emily über den Grünen Markt in Wolfratshausen schlendert und am verwaisten Isar-Kaufhaus vorbeigeht, hält von der Idee hingegen nichts. "Bei H&M kaufe ich online, oder ich fahre nach München", sagt die junge Mutter aus Icking. Auch ein neuer Bio-Markt sei "ein Schmarrn", findet die 30-Jährige. Schließlich gebe es in Wolfratshausen schon einen an der Königsdorfer Straße - mit Parkplatz, denn zum Lebensmittelkauf fahre man eben mit dem Auto. "Wenn ich mir was wünschen könnte", sagte sie, "würde ich gern wieder ein Kaufhaus haben. Weil man dort alles bekommen kann, von Klamotten über Spielzeug bis zu Haushaltswaren." Auch Maria Wipperfürth, Verkäuferin beim Modegeschäft Witt Weiden direkt neben dem ehemaligen Kaufhaus, hätte am liebsten ein "Kaufhaus des täglichen Bedarfs" als Nachbarn. Sie höre oft, dass man in der Altstadt nirgends Nähgarn oder einen Reißverschluss kaufen könne. "Wir ziehen viele Kunden an", sagt sie. "Es wäre schön für sie, wenn sie auch etwas anderes kaufen könnten."