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Grünflächen:Bad Tölz verzichtet auf Pestizide

Mehr kleine Wiesen mit Blüten für Bienen und andere Insekten, wie hier am Rande des Gewerbegebiets Farchet, sollen in Bad Tölz entstehen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Stadt will mehr Blühflächen für Bienen schaffen und auf chemische Mittel nur im Ausnahmefall zurückgreifen. Einen entsprechenden Antrag der Grünen hat der Stadtrat einstimmig beschlossen.

Auf ihren Flächen setzt die Stadt Bad Tölz keine Pestizide ein - es sei denn, fremde Pflanzen oder bestimmte Insektenarten breiten sich aus und gefährden wertvollen Bestand. Dies wird laut Bauamtsleiter Christian Fürstberger schon seit etlichen Jahren so gehandhabt. Und das wird sich auch nicht ändern. Die Tölzer Stadträte billigten einstimmig einen Antrag der Grünen-Fraktion, der auf der Vorgabe des Bunds für Umwelt- und Naturschutz (BUND) für pestizidfreie Kommunen beruht. Diese Vorgehensweise werde sich auf das Erscheinungsbild von Tölz auswirken, so Fürstberger. "Man wird nicht mehr diese geschleckten Bereiche haben."

Trotz des alarmierenden Insektensterbens rufen immer wieder Leute in der Stadtverwaltung an und beschweren sich darüber, dass die eine oder andere Grünfläche ungepflegt aussehe. Dies hängt Fürstberger zufolge damit zusammen, dass die Stadt statt Chemie ein Heißwassergerät verwendet, um Wildkraut zu beseitigen. Das funktioniere ganz gut, sei aber aufwendig, sagte er. Wo das Gerät nicht hinkomme, setze man Gasbrenner ein. Auf größeren Flächen werde ein Wildkrautbesen an den Schlepper angehängt. Mit dem rotierenden Stahlbesen werde das Unkraut gemäht, das allerdings - anders als beim Einsatz von Pestiziden - rasch wieder nachwachse. Auf Pflanzenschutzmittel greift die Stadt nur in Sonderfällen zurück, und das auch bloß punktuell. Als Beispiele nannte der Bauamtschef die Beseitigung invasiver Neophyten wie den Japanischen Knöterich oder den Befall mit Blattläusen. Das weitgehende Pestizidverbot gilt im Übrigen auch für Dienstleistungsfirmen, die öffentliche Areale pflegen, und bei der Neuverpachtung von kommunalen Flächen.

Auf passenden Grünstreifen sollen mehr Blumen und andere Blühpflanzen wachsen, die Bienen und weitere Insekten benötigen. Bereits seit einigen Jahren habe das Stadtbauamt zusammen mit Landschaftsplanern ein paar Areale dementsprechend umgestaltet, so Fürstberger. Im Moment laufe ein sogenanntes Monitoring für diese Flächen, wobei unter anderem das Pflanzenvorkommen und der Pflegeaufwand begutachtet würden.

Als nachvollziehbar bezeichnete Stadtrat Franz Mayer-Schwendner (Grüne), dass partiell auch mal Pestizide eingesetzt werden müssen. Ansonsten müsse man sich aber auch in der Kurstadt daran gewöhnen, dass "nicht alles so geschleckt aussehen darf", sagte er. Schließlich sollte das dramatische Insektensterben inzwischen doch im Bewusstsein angekommen sein. Mayer-Schwendner plädierte dafür, alle Möglichkeiten zu untersuchen, um möglichst viele Blühflächen zu schaffen. "Wir wollen auch in Tölz hier Spitze sein." Bürgermeister Josef Janker (CSU) äußerte sich skeptisch. "Bis zur Akzeptanz in der Bevölkerung ist es noch ein weiter Weg", meinte er. Als erfreulich bezeichnete es René Mühlberger (CSU), dass die Stadt schon in den vergangenen Jahren "ökologisch auf dem richtigen Weg war". Da habe man nicht erst auf den Antrag der Grünen warten müssen. In die gleiche Kerbe hieb Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart (CSU). Er sei dankbar für den Vorstoß der Grünen, denn "selber wären wir nicht auf die Idee gekommen, unsere Verdienste so herauszustellen". Mayer-Schwendner mochte die Ironie nicht so stehen lassen und bemerkte zu Mühlberger: "Die Süffisanz kannst du dir sparen, lieber René."

Ganz auf den Einsatz von Pestiziden zu verzichten, wäre für Anton Mayer (CSU) der falsche Weg. Der Stadtrat und Landwirt wies darauf hin, dass das Jakobskreuzkraut, auch Jakobs-Greiskraut genannt, gerade mancherorts im Stadtgebiet zu sehen sei. Die Pflanze habe eine schöne, gelbe Blüte und könne deshalb von Kindern für Blumensträuße gepflückt werden, sie sei aber hochgiftig. Das Kraut blühe im Juni und Juli, wobei es sich ähnlich wie Löwenzahn verbreite. "Wenn man das sieht, muss man was machen."