bedeckt München
vgwortpixel

Wahlkampf:"Die Todessehnsucht der SPD ist eine Schande"

Die Münchner CSU bei ihrem Dreikönigstreffen im Augustiner.

(Foto: Catherina Hess)

Den Elefanten im Raum nennt niemand beim Namen. Beim Dreikönigstreffen der Münchner CSU-Kreisverbände gelingt es sämtlichen Rednern konsequent, die Buchstabenfolge A, F und D kein einziges Mal auszusprechen. Dass die Partei rechts von der CSU im Augustiner an der Neuhauser Straße trotzdem irgendwie präsent ist, hört man vor allem Bernhard Loos an, der bei der Bundestagswahl 2017 für die CSU das Direktmandat im Münchner Norden gewann.

Flüchtlinge konsequent abschieben, fordert Loos in seiner Rede an diesem Samstagvormittag, die deutschen Grenzen sichern, die Liste der sicheren Herkunftsländer um Marokko, Algerien und Tunesien erweitern. Der 62-Jährige verlangt eine "verstärkte Anwendung der deutschen Sprache in Europa". Einen "EU-Einheitsstaat" dagegen, wie Frankreich ihn derzeit vorschlage, lehne er entschieden ab. Er sage Nein zu einem EU-Finanzminister, Nein zu einem "Eurozonen-Budget". Stattdessen fordert Loos, die durch den Brexit frei werdenden Plätze im europäischen Parlament für eine, wie er sagt, gerechtere Verteilung gemessen an der Bevölkerungszahl zu nutzen, was die deutsche Position dort erheblich stärken würde. "Abstauben!", ruft jemand begeistert aus dem Publikum.

Politik in Bayern Dobrindt übernimmt wieder die Rolle des Scharfmachers
CSU-Landesgruppe

Dobrindt übernimmt wieder die Rolle des Scharfmachers

In Provokation hat er bereits Übung: Der CSU-Landesgruppenchef setzt zur Klausur in Kloster Seeon auf scharfe Töne. Auch, weil andere sich zurückhalten müssen.   Von Lisa Schnell

Die Schlappe der CSU bei der Bundestagswahl wirkt spürbar nach im Saal, in dem Kellner eifrig Bier verteilen. Um verlorenen Boden bei der im Herbst anstehenden Landtagswahl wieder gutzumachen, setzt die Münchner Basis voll auf Attacke. "Die Todessehnsucht der SPD ist eine Schande", poltert Minister Ludwig Spaenle und schimpft über die "Feigheit" der "alten Tante", dieses "stolze und starke Land" offenbar nicht regieren zu wollen. Und als ob sie sich gegenseitig übertreffen wollten in der Härte der Wortwahl, greift Spaenle dann Alexander Dobrindts Angriff auf die 68er-Bewegung auf und ätzt über den "Selbstverwirklichungstrip" von linken "Ego-Shootern" - im Gegensatz zu der "Verantwortung", der sich die CSU stelle.

Anschließend führt Spaenle den Ehrengast der Veranstaltung, den Landesvorsitzenden der CDU in Thüringen, mit den Worten ein: "Sie sehen, sein Scheitel sitzt richtig." Mike Mohrings volles schwarzes Haar ist eigentlich gar nicht geteilt, aber wollte man einen Scheitel erkennen, dann säße er rechts - aus Spaenles Sicht.

Im Vergleich zu den Vorrednern spricht der Thüringer Oppositionsführer fast schon gemäßigt. "Wir sind selber nicht unschuldig am Wahlergebnis", setzt er an. Nun gelte es, "die Schreihälse und Rattenfänger von den Rändern" kleinzuhalten. Auch er nennt die AfD, die mit acht Prozent im Thüringer Landtag sitzt, nicht beim Namen. Mohring wütet aber ohnehin nicht nur gegen den rechten Rand: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) bezeichnet er als einen Kommunisten, den er aus der Regierung vertreiben wolle.

Dann prangert er den "Kontrollverlust des Staates" an, weil zahllose Flüchtlinge ins Land geströmt seien, ohne dass die Behörden gewusst hätten, um wen es sich handelt. Anis Amri, dem Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz, sei es gelungen, 14 unterschiedliche Identitäten anzugeben. "Ich stelle mir vor", so Mohring, "Markus Söder geht zum Einwohnermeldeamt und sagt, ich bin der Horst Seehofer." Welch ein Albtraum - für beide.

Bundestagswahl "Die Scharfmacherei der letzten Wochen war sicherlich nicht hilfreich"

Natascha Kohnen zu anstehenden Sondierungen

"Die Scharfmacherei der letzten Wochen war sicherlich nicht hilfreich"

Bayerns SPD-Chefin Kohnen über das Verhalten der CSU, die Chancen der heute beginnenden Sondierungen und Vorschläge von Außenminister Gabriel, der im Gegensatz zu ihr nicht an den Gesprächen teilnimmt.   Interview von Wolfgang Görl und Lars Langenau