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Energiewende:Vier Windräder an der Lindauer Autobahn

Seit 2015 gibt es Windräder im Landkreis. Die vier Anlagen in den Wadlhauser Gräben in Berg hat damals ebenfalls das Ingenieurbüro Sing geplant, das nun vier mögliche Standorte für Krailling ermittelt hat.

(Foto: Ingenieurbüro Sing)

Krailling legt eine Planung für bis zu 250 Meter hohe Rotoren im Kreuzlinger Forst vor. Eine fünfte Anlage könnte in der Nähe entstehen. Von rechts kommt Stimmungsmache.

Von Carolin Fries

"Manchmal ist weniger mehr." Zu diesem Ergebnis kommt Robert Sing, der für die Gemeinde Krailling mögliche Standorte für Windräder geprüft hat. So umfasst die neue "realistische Planung" des Bauingenieurs aus Landsberg am Lech nicht mehr sechs Anlagen, wie sie nach ersten Berechnungen maximal auf der Konzentrationsfläche für Windkraft im Münchner Westen östlich der Autobahn A 96 möglich wären, sondern nur noch vier. "Wir wollen den Standort nicht überfordern."

Alle Flächen sind in Privatbesitz oder gehören den Bayerischen Staatsforsten, zwei liegen auf der Gemeindegrenze zu Gilching. Die Planung reiht die vier Windräder wie an einer Perlenschnur mit jeweils etwa 600 Metern Abstand auf: von Süden bei Pentenried durch das Landschaftsschutzgebiet Kreuzlinger Forst und den Bannwald bis hinauf nach Germering. Die Abstände zu den umgebenden Bebauungen habe man durch diese Anordnung erhöhen können, so Sing, der auch die Windräder in Berg am Starnberger See geplant hat.

Hatten einige der ursprünglichen Standorte nur 650 Meter Distanz zur nächsten Bebauung wie etwa Gut Hüll, so bestehen die geringsten Abstände nun mit 1100 Metern nach Germering sowie zum Tanklager in Krailling. Nach Pentenried, Gut Hüll und Frohnloh seien es 1250 und 1300 Meter Luftlinie, nach Geisenbrunn 1350 Meter. Die sogenannte 10-H-Regel, wonach der Abstand von Windrädern zur Bebauung das Zehnfache deren Höhe betragen muss, gilt laut Sing im Landkreis aufgrund der frühzeitigen Ausweisung von Windkraftflächen im Jahr 2012 nicht. Stattdessen müssten 800 Meter Abstand zur Wohnbebauung in Dorf- und Mischgebieten und 500 Meter zu Anwesen im Außenbereich eingehalten werden.

Frühestens in Betrieb gehen könnten die Windräder 2024. Laut Sing würde jede Anlage so viel Strom produzieren, dass der Bedarf von 2500 Haushalten gedeckt wäre. Krailling hat knapp 4500 Haushalte, Gilching etwa doppelt so viele. Damit die Energielieferanten - ein Windrad kostet laut Sing etwa fünf Millionen Euro - auch in einigen Jahren noch rentabel sind, müssten die Windräder etwa 240 bis 250 Meter inklusive Rotoren hoch sein.

In Krailling wären derzeit höchstens 205 Meter wie in etwa in Berg möglich, denn die komplette Fläche liege in der Schutzzone des Flughafens München. Zudem gilt eine Höhenbeschränkung wegen der Radarführung des Militärflughafens in Lechfeld. Für Sing sind die Beschränkungen "K.-o.-Kriterien". Sollte es keine Ausnahmegenehmigungen geben, müsse man hier gar nicht weiterplanen. Doch zuletzt hatte es geheißen, die Chancen stünden gut. Krailling hat das Büro Sing jedenfalls beauftragt, Gespräche mit Bundeswehr und Bundesverkehrsministerium aufzunehmen.

Auch mit dem Sonderflughafen in Oberpfaffenhofen sollen die Höhen abgestimmt werden. "Da kommen wir nicht dran vorbei, sonst haben wir kein Ergebnis", so FDP-Bürgermeister Rudolph Haux. Gilchings Rathauschef Manfred Walter (SPD) sagte, man "begleitet das Verfahren positiv". Gilching hat unabhängig von der Kraillinger Planung ebenfalls beim Büro Sing eine Machbarkeitsstudie für die eigenen Konzentrationsflächen in Auftrag gegeben. Laut Walter wären Anlagen an der Landkreis- und Gemeindegrenze nach Schöngeising in Fürstenfeldbruck möglich, ebenfalls auf privater Fläche. "Wir sind aber noch nicht so weit wie Krailling."

Sollte die Luftfahrt freie Bahn geben, wären Kartierungen und Gutachten notwendig, darunter ein Vogelgutachten für bis zu 180 000 Euro. Diese Kosten müssten schon die möglichen Betreiber tragen, etwa eine Bürgergenossenschaft wie in Berg. Schließlich würden die Gemeinden Baurecht schaffen. Bürgermeister Haux sicherte einen demokratischen Prozess zu, "ich würde dann ein Ratsbegehren vorschlagen".

© SZ vom 20.05.2021
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