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Corona-Krise:Ein Videotagebuch gegen die Angst vor dem Virus

Thomas Sattelberger

Bundestagsabgeordneter der FDP: Thomas Sattelberger.

(Foto: Wolfgang Maria Weber)

Der Pöckinger Bundestagsabgeordnete Thomas Sattelberger ist positiv getestet worden - es geht ihm gut, er ist in häuslicher Quarantäne. Und er hat jede Menge Botschaften.

Von Christoph Koopmann, Pöcking

Es ist ein Schokoriegel, der Thomas Sattelberger dieser Tage vielleicht am meisten zum Lachen bringt. Das also soll seine Versorgung für Wochen in der Quarantäne sein? Sein Lebenspartner hat ihm den mitgebracht. Dabei sollte er doch eigentlich Reis und Erbsen kaufen. Da muss Sattelbergers Partner eben noch einmal losfahren, Proviant kaufen. Denn Sattelberger selbst darf schon nicht mehr in den Supermarkt, als er den Riegel am Samstagabend in die Kamera hält. Ein paar Stunden zuvor hat er einen Anruf bekommen. Da ahnte er schon, was kommen würde. Eine Ärztin war dran, sie hatte das Ergebnis seines Coronavirus-Tests: positiv.

Ein "kleiner Schock" sei das gewesen, sagt Sattelberger in die Kamera. Aber es gehe ihm recht gut. Der Film mit dem Schokoriegel ist keine zwei Minuten lang, Sattelberger postet ihn auf Instagram, Youtube, Facebook und Twitter. Von nun an wird er den Leuten jeden Tag in einem Videotagebuch erzählen, wie sich das Leben mit Covid-19 so anfühlt.

Normalerweise ist sein Terminkalender voll, er pendelt zwischen Berlin und München. Denn Sattelberger, 70, ist Abgeordneter der FDP im Bundestag, Wahlkreis München-Süd. Doch seit Samstag sitzt er in seinem Haus in Niederpöcking am Starnberger See fest.

Am Freitagmittag ist Sattelberger noch im Reichstagsgebäude. Gerade ging es im Bundestag um die Förderung der beruflichen Weiterbildung, doch viele Abgeordnete haben ihre Gedanken schon ganz woanders. Denn zuvor war bekannt geworden, dass zwei Fraktionskollegen von Thomas Sattelberger an Covid-19 erkrankt sind. Er hatte zuletzt zwar keinen engeren Kontakt zu den beiden, aber vorsichtshalber geht Sattelberger zwischen zwei Abstimmungen zu einer Bundestagsärztin, lässt sie einen Abstrich für den Coronavirus-Test machen. Um kurz nach 18 Uhr ist der Sitzungstag beendet und Sattelberger macht sich auf den Weg ins Wochenende, das er am Starnberger See verbringen will.

Doch in ein paar Kilometern Höhe, irgendwo über Ostdeutschland, merkt Thomas Sattelberger, dass etwas nicht stimmt. Er sitzt auf Platz 5F einer Lufthansa-Maschine von Berlin nach München, da wird ihm auf einmal heiß und schwindlig, seine Beine werden schwach. Und er bekommt eine Ahnung. Als am Samstagnachmittag dann die Nummer der Bundestagsärztin auf seinem Telefon aufscheint, endet die Routine des Abgeordneten Thomas Sattelberger vorerst, nun beginnt der Alltag des Corona-Aufklärers Thomas Sattelberger.

Videotagebuch, Tag eins, Sattelberger, dicke Brille und Bürstenhaarschnitt, sitzt in blauer Sweatjacke vor der Kamera. Er ärgert sich, dass er das Gesundheitsamt in München, der Stadt, in der er hauptsächlich lebt, nicht erreicht. Die Symptome, die er im Flugzeug spürte, seien aber nicht schlimmer geworden. "Ich werde Euch morgen Abend Bericht über den Tag zwei geben", mit diesen Worten schließt er seine erste Aufzeichnung.

55 Infizierte

Nach einer nur kurzen Stabilisierung steigt die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen im Landkreis Starnberg unvermindert weiter: Am Dienstag berichtete das Landratsamt von acht neuen Nachweisen. Drei Frauen und fünf Männer haben sich angesteckt. Damit wurden insgesamt 55 Menschen im Landkreis positiv auf die Infektion getestet. Am Vortag hatten die Behörden nur von einem neuen Fall berichtet. Auch die Zahl der unter Quarantäne stehenden Personen steigt: Nach Angaben von Landratsamtssprecherin Barbara Beck müssen sich im Landkreis nun 800 Menschen zu Hause isolieren, weil sie engen Kontakt zu Erkrankten hatten - das sind 100 mehr als am Vortag. Zuletzt wurden sieben Patienten im Klinikum Starnberg überwacht, ein Patient war in die häusliche Isolation entlassen worden. Zum Zustand eines über 70 Jahre alten Mannes, der auf die Intensivstation verlegt werden musste, gab es keine neuen Informationen. dac

Tag zwei, Folge zwei, Sattelberger trägt ein kariertes Hemd, sagt: "Ich bin ein bisschen schwach auf den Beinen, aber relativ klar im Kopf." Das Gesundheitsamt habe ihn am Sonntag immer noch nicht kontaktiert, dabei müsse er dringend seine Infektion melden.

Tag drei, Montag, graues Poloshirt. Immerhin habe er mittlerweile mit jemandem von der Lufthansa gesprochen, damit die anderen Fluggäste über das Infektionsrisiko informiert werden können.

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