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Corona-Krise:Zwei Starnberger Klinik-Mitarbeiter mit Coronavirus infiziert

Starnberg: Krankenhaus Coronavirus Hinweisschilder

Das Besuchsverbot, das in der Starnberger Klinik seit zwei Wochen besteht, wird laut Klinikchef Thomas Weiler „absolut respektiert“.

(Foto: Nila Thiel)

Die beiden befinden sich in Quarantäne und sind frei von Symptomen. Die Zahl der Erkrankten steigt deutlich. 16 Menschen werden in drei Kliniken behandelt, die Ärzte erwarten auch schwerere Verläufe.

153 Menschen sind mittlerweile im Landkreis Starnberg positiv auf das Coronavirus getestet worden. Darunter befinden sich auch zwei Mitarbeiter der Starnberger Kliniken, die sich mittlerweile in Quarantäne befinden und bisher keine Symptome zeigen. Das gaben Landrat Karl Roth, der Chef der Kliniken, Thomas Weiler sowie der Leiter Gesundheitsamts, Lorenz Schröfl, am Dienstag bekannt.

Eine Drive-in-Teststation in Andechs soll zudem diesen Mittwoch den Betrieb aufnehmen. An der ersten zentralen Stelle des Landkreises, mit der Kliniken und Hausärzte entlastet werden sollen, sind Rachenabstriche von bis zu 90 Menschen täglich geplant, immer in der Zeit von 8.30 bis 16.30 Uhr. Die Behörden rechnen mit einem Ansturm.

"Je mehr Menschen getestet werden, desto höher wird die Zahl der Infizierten im Kreis ausfallen" - da waren sich Roth, Weiler und Schröfl einig. Und um so höher wird wohl auch die Zahl derer ausfallen, die behandelt werden müssen. Derzeit sind es 16 Menschen, die allein in den Kliniken des Landkreises stationär behandelt werden müssen: in Starnberg, Herrsching und Penzberg. Seefeld werde derzeit noch bewusst Covid-19-frei gehalten, wie Weiler sagte. Wie viele Corona-Infizierte zusätzlich in der Gautinger Asklepios-Klinik stationär therapiert werden, konnten weder Roth, Weiler noch Schröfl sagen. Sie rechnen aber damit, dass die Zahl der Fälle insgesamt exponentiell steigen werde. "Wir bereiten uns darauf vor."

Am Dienstag habe die zweite Notaufnahme des Starnberger Krankenhauses, die in einem Container vor der Klinik untergebracht ist, ihren Betrieb aufgenommen - einen Tag später als gedacht. Es habe einige technische Probleme gegeben, so Weiler. Zudem sei ein Gerät erst am Dienstagmorgen geliefert worden. Für diese Notaufnahme werde derzeit mit dem Kreis über die Anschaffung eines Computertomografen verhandelt, denn nur über dieses bildgebende Verfahren sei, anders als beim Rachenabstrich, eine hundertprozentige Sicherheit in der Diagnose von Covid-19 zu bekommen: "Wenn man sich die Bilder der Lungen verschiedener Patienten anschaut, hat man das Gefühl, ständig dasselbe Bild anzusehen", sagt Weiler auch im Hinblick auf die fünf neuen Verdachtsfälle, mit denen die Kliniken am Dienstag konfrontiert wurden: "Wenn ich so etwas sehe, dann deutet das auf einen möglichen schwereren Verlauf hin." Der jüngste Patient, der im Landkreis derzeit behandelt werde, sei 36 Jahre alt und zeige diese Lungenveränderungen, so der Klinikchef. Insgesamt seien unter den Infizierten mittlerweile alle Altersgruppen zu finden, sogar ein dreijähriges Kind.

Eine gute Nachricht konnte Weiler auch verkünden: Zwischen zehn und 15 infizierte und stationär untergebrachte Menschen konnten in der Zwischenzeit als genesen entlassen werden. "Wir haben aber im ganzen Land den Peak noch längst nicht erreicht", sagte er. Die Verzögerung der Virusverbreitung durch die Ausgangsbeschränkungen durch die Regierung, vor allem das als Vorpreschen kritisierte Vorgehen des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) begrüßten Weiler und Schröfl ausdrücklich, wenngleich beide 14 Tage als nicht ausreichend erachteten. "Wir reden von "plus X", was immer dann unter diesem X zu verstehen ist", sagten beide mit Blick auf Italien und Spanien. "Wir müssen die Ressourcen ausweiten." Die hohe Sterblichkeitsrate dort führten beide unter anderem auf die fehlenden Kapazitäten im Gesundheitssystem zurück.

Die Lieferungen von Schutzkleidung, die der Landkreis mittlerweile erhalten habe, reichten allerdings auch "hinten und vorne nicht": Bisher sind 768 Liter Desinfektionsmittel, 500 Schutzanzüge, 4000 Handschuhe, 50 Pflegekittel sowie 5480 FFP2-Masken eingetroffen, also keine einzige, die für die intensivmedizinische Behandlung geeignet sei. Dort allein würden aber pro Patient und Tag mindestens sechs Masken benötigt, wie Weiler vorrechnete. Einen Teil der Ausrüstung hat das Landratsamt zurückbehalten, auch um diese unter anderem an Sanitätsdienste und Pflegeheime zu verteilen, ein anderer Teil ging an die Kliniken sowie an die Drive-in-Station.

Ein weiterer Teil der Materialien wurde nach Krailling gebracht, wo eine zweite zentrale Abstrichstelle auf Initiative der dortigen Hausärzte entstehen soll. "Es ist nur sinnvoll, wenn die Tests nicht in den Praxen stattfinden, um dort andere Patienten und das Personal zu schützen", erklärt Bürgermeister Rudolph Haux. Diese Stelle soll Mitte kommender Woche ihren Betrieb aufnehmen, die Zelte dafür wurden vom Bayerischen Roten Kreuz zur Verfügung gestellt. Getestet werden sollen dort wie in Andechs nur Personen in begründeten Verdachtsfällen mit einer Überweisung durch den Hausarzt. Wer einfach so vorbeikommt, wird abgewiesen.

© SZ vom 25.03.2020
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