Fünf für München:Störung im System und Szenen mit Sessel

Fünf für München: Senta Berger.

Senta Berger.

(Foto: Robert Haas)

Senta Berger liest mit Friedrich von Thun Loriot, Anne Kristin Kristiansen eröffnet einen queerfeministischen Buchladen, Waltraud Lučić wird mit der Kerschensteiner Medaille ausgezeichnet - unsere Münchnerinnen und Münchner der Woche.

Von Sabine Buchwald, Sonja Niesmann und Stefanie Witterauf

Szenen mit Sessel

"Einfach nur da sitzen", wünscht sich der Mann im Sessel, während ihm seine Frau aus der Küche Vorschläge für die Freizeitgestaltung zuruft. Eine unvergessliche Szene aus dem Ehealltagsschatz von Loriot, der heuer 100 Jahre alt geworden wäre. Als Hommage an den großen Menschenbeobachter finden sich am 29. November im Grünwalder August-Everding-Saal Senta Berger und Friedrich von Thun zu einer Benefiz-Lesung zusammen. Sie lesen "Szenen einer Ehe" aus Loriots "Bibliothek für Lebenskünstler". Der Erlös der Veranstaltung geht an die Palliativstation der München Klinik Harlaching.

Störung im System

Fünf für München: Anne Kristin Kristiansen.

Anne Kristin Kristiansen.

(Foto: Dominik Osbild)

Andrea Gollbach und Ursula Neubauer führten mehr als 40 Jahre die feministische Buchhandlung Lillemors in der Maxvorstadt. Es war der erste Frauenbuchladen Deutschlands. Ein Kristallisationspunkt der Lesbenbewegung in München. Eine Institution, wie sich solche Orte mit Schlüsselfunktionen oft nennen. Doch als sie dann zumachen wollten, fanden sie erst einmal niemanden, der in ihre Fußstapfen treten wollte. "Als wir davon etwas mitbekamen, suchten sie schon seit einem Jahr", sagt Anne Kristin Kristiansen, die zusammen mit Johanna Hopp, Nadine Osbild und Sebastian Pfotenhauer das Folgeprojekt gegründet hat.

Fünf für München: Johanna Hopp, Nadine Osbild, Anne Kristin Kristiansen und Sebastian Pfotenhauer.

Johanna Hopp, Nadine Osbild, Anne Kristin Kristiansen und Sebastian Pfotenhauer.

(Foto: Dominik Osbild)

"Glitch" soll der queerfeministische Buchladen heißen, der am vergangenen Samstag mit Kinderschminken und Prosecco seine Eröffnung gefeiert hat und dessen Finanzierung noch an einer Crowdfunding-Kampagne hängt, die bis Ende November läuft. Lillemors habe vor allem die Werte aus der ersten Welle des Feminismus vertreten. "Die Zeiten ändern sich", sagt Kristiansen. Sie hat freie Kunst und Philosophie studiert, ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter, im Alter von 30 bis 43, haben sich an der TU München kennengelernt und gehörten alle vier zur Lillemors-Kundschaft. "Früher durften Männer nicht in den Laden", erzählt Kristiansen. Nun soll er eine Begegnungsmöglichkeit für alle sein - unabhängig des Genders, der sexuellen Orientierung und frei von Rassismus. Den Namen Lillemors habe man auf gegenseitigen Wunsch nicht übernommen. "Glitch" ist ein Begriff aus dem Digitalen. "Etwa bei der Generierung von Bildern mit der KI. Da entstehen Fehler, wie sechs Finger an einer Hand. Das ist ein Glitch", sagt Kristiansen. "Sozusagen eine Störung im System."

Software

Fünf für München: Franziska Albrecht.

Franziska Albrecht.

(Foto: Andreas Gebert)

In keinem anderen Wirtschaftszweig sind so wenig Frauen beschäftigt wie am Bau. Nach Zahlen des Bauindustrieverbands liegt der Frauenanteil im Bauhauptgewerbe bei zehn Prozent, mit dem Ausbaugewerbe sind es durchschnittlich 13 Prozent. Etwa 28 Prozent der Bauingenieure in Bauunternehmen sind inzwischen weiblich und etwa 30 Prozent der Studierenden des Fachs Bauingenieurwesen. Tendenz steigend. Um Frauen in Ingenieurwissenschaften weiter zu fördern, verleiht das Bayerische Wissenschaftsministerium jedes Jahr fünf Preise für hervorragende Leistungen an Studentinnen, jeder mit einem Preisgeld von jeweils 2000 Euro versehen. Diesen November ist eine der Preisträgerinnen Franziska Albrecht von der Hochschule München. Sie entwickelte und programmierte in ihrer Abschlussarbeit eine Software, mit der auch steigende Baukosten kalkuliert werden können. Die hohen Kosten seien derzeit das Hauptproblem der Baubranche. So können sowohl Ressourcen sowie Kosten gespart werden. Albrechts Programm wird bereits bei einem Bauunternehmen genutzt.

Schutz und Stadtplanung

Fünf für München: Klaus Bäumler.

Klaus Bäumler.

(Foto: Robert Haas)

Ob es um den Schutz der Isar, den Erhalt des Finanzgartens, die Gestaltung der Freiflächen rund um die Pinakotheken zu einem "Kunstareal" ging, oder um den Plan, zur Fußball-WM 2020 einen Treffpunkt für Tausende Fans ausgerechnet im Alten Botanischen Garten einzurichten: Eine Stimme war mit Sicherheit zu hören, die von Klaus Bäumler. Der 1941 geborene Bäumler - Markenzeichen: Baskenmütze - ist langjähriger Leiter des Arbeitskreises "Öffentliches Grün" im Münchner Forum. Der vor 50 Jahren gegründete Verein versteht sich als Diskussionsplattform zur Stadtplanung, mischt sich laufend und vernehmlich in Debatten ein.

Bäumlers "großartigen" ehrenamtlichen Einsatz "für den Erhalt des städtischen Grüns in München gegen viele, auch machtvolle Widerstände" hat nun die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL) bei einem Festakt in der Kölner Flora mit ihrem Kulturpreis ausgezeichnet, dem "Goldenen Lindenblatt". Über viele Jahre hinweg habe Bäumler "mit großem Engagement und Fachwissen zahlreiche öffentliche Grünräume der Stadt München vor geplanter Bebauung, vor der Zerschneidung von Verkehrsachsen und profitorientierter Nutzungen bewahrt", heißt es in der Würdigung der Gesellschaft mit Sitz in Berlin.

Der ehemalige Richter am Verwaltungsgericht München und am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof leitete auch 30 Jahre lang den Bezirksausschuss Maxvorstadt; 2011 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Als einen seiner Wahlsprüche zitierte Klaus Bäumler einmal in einem Interview einen Satz des römischen Philosophen Seneca: "Das Tun eines rechtschaffenen Bürgers ist nie ganz verkehrt."

Supervision

Fünf für München: Waltraud Lucic.

Waltraud Lucic.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Waltraud Lučić ist für ihre Verdienste um das bayerische Schulsystem mit der Kerschensteiner Medaille ausgezeichnet worden. Gleiche Bildungschancen für alle Kinder, unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Herkunft, das sei ihr Credo, sagt Stadtschulrat Florian Kraus anerkennend. Lučić fing 1984 als Fachlehrerin für Hauswirtschaft und Handarbeit an und unterrichtete 30 Jahre an der Mittelschule Cincinnatistraße. 16 Jahre lang war sie Vorsitzende des Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverbands und engagierte sich etwa 2015 während der Flüchtlingssituation, indem sie sich für eine Supervision der Lehrkräfte ebenso wie für Patenprogramme einsetzte.

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