Bürgerdiskussion Warum der Olympiapark Weltkulturerbe werden soll

Blick auf den Olympiapark: Der Stadtrat hat beschlossen, sich um den Welterbe-Status zu bewerben.

(Foto: Florian Peljak)
  • Die Verfechter der Bewerbung haben Bürgern in Milbertshofen erläutert, weshalb sie für den Olympiapark den Welterbe-Status fordern.
  • Die Befürworter hoffen, dass sich mit dem Welterbe-Status ein immaterielles Erbe verbinden lässt.
  • Derzeit gibt es 44 Natur- und Kulturerbestätten in Deutschland, sieben davon in Bayern.
Von Sebastian Krass

Marion Schöne würden sicher viele Gründe einfallen, warum der Olympiapark es verdient, zum Weltkulturerbe der Unesco erklärt zu werden. Einer davon ist Ed Sheeran. Also nicht direkt die Tatsache, dass der englische Sänger im vergangenen Juli zweimal hintereinander das Olympiastadion vollgemacht hat. Schöne meint das Drumherum: "Da waren noch mindestens 20 000 Menschen außerhalb des Stadions. Es war eine ,Besitzergreifung des Rasens', wie sie sich der Landschaftsarchitekt Günther Grzimek damals vorgestellt hat", schwärmt die Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft für den Olympiapark. "An diesen Abenden hat man erlebt, was der Park sein soll: ein offener, transparenter, für alle zugänglicher Ort."

Schöne spricht am Mittwochabend auf einer Informationsveranstaltung für Bürger im Kulturhaus Milbertshofen zum Bewerbungsverfahren für den Welterbe-Status. Vor knapp einem Jahr hat der Stadtrat mit breiter Mehrheit - nur die Bayernpartei war dagegen - beschlossen, in den langwierigen Prozess einzusteigen. Derzeit gibt es 44 Natur- und Kulturerbestätten in Deutschland, sieben davon in Bayern: die Residenz Würzburg, die Wieskirche, die Altstädte von Bamberg und Regensburg, der obergermanisch-raetische Limes, prähistorische Pfahlbauten um die Alpen und das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth.

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Bayerns oberster Denkmalschützer, Generalkonservator Mathias Pfeil, zeigt an diesem Abend den Weg auf, wie es für den Olympiapark laufen könnte: Derzeit sei die deutsche Bewerberliste geschlossen und müsse abgearbeitet werden. Für dieses Jahr etwa seien aus Bayern das "Augsburger Wassermanagement-System" und "Die Grenzen des Römischen Reiches - der Donaulimes in Österreich und Deutschland" nominiert. Drei weitere Anträge aus Bayern würden von 2020 an eingespeist. 2025 werde die Liste voraussichtlich wieder geöffnet, so Pfeil. "Der Münchner Antrag muss bis dahin ausgearbeitet sein, dann hat er sehr gute Chancen."

Aber was bringt der Welterbestatus? Diese Frage wird immer wieder laut. Zumal selbst Verantwortliche wie Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) sagen, für sie sei "der Olympiapark jetzt schon ein Welterbe". Während der Diskussion fragt eine Bewohnerin des Olympiadorfs: "Begreift die Welt erst nach Einleitung des Bewerbungsverfahrens, wie großartig der Park ist?" Und wenn er dann Welterbe sei, "dann müssen wir den Ansturm der Touristen ertragen, die durch unsere Straßen laufen, suchend, fragend, sich drängelnd".

Dem widerspricht Stadtbaurätin Elisabeth Merk deutlich. Es gebe durchaus Orte, die darauf setzten, mit dem Welterbe-Status bekannter zu werden und damit auch ihren Erhalt zu sichern. Der Olympiapark sei aber ein anderer Fall: "Weil er schon so bekannt ist, müssen wir nicht damit rechnen, dass so viel mehr Touristen kommen."

Merks Motivation für die Bewerbung ist eine andere: "Die Zeitzeugen von Olympia müssen langsam einer anderen Generation das Feld überlassen." Man müsse an die Wirkung des Parks in der Zukunft denken. Ihr sei es wichtig, dass es nicht nur um ein architektonisches, sondern auch um ein immaterielles Erbe geht: "die Botschaft, dass sich auf den Schuttbergen der Stadt aus dem Zweiten Weltkrieg auf demokratischem Wege etwas so Schönes entwickelt hat". Dieser Gedanke werde durch den Unesco-Status stärker dokumentiert. "Wir wollen das Welterbe als eine Selbstverpflichtung annehmen."

Der Vorsitzende des Bezirksausschusses Milbertshofen-Am Hart, Fredy Hummel-Haslauer (SPD), ist dennoch nicht so recht überzeugt: "Es gibt auch die Befürchtung, dass der Olympiapark unter einer Käseglocke verschwindet." Auch dem traten Merk und Denkmalschützer Pfeil entgegen: Ein Welterbe-Status würde die Geltung der Denkmalschutzgesetze nicht tangieren. In deren Rahmen wird ja weitergearbeitet am Park: Die Schwimmhalle wird saniert, irgendwann ist das Stadion dran. Am stillgelegten und vor sich hinrottenden Busbahnhof soll der Park zum 50-jährigen Bestehen 2022 einen neu gestalteten Eingang bekommen. Und auf dem Areal des ehemaligen Radstadions entsteht eine architektonisch anspruchsvolle neue Multifunktions-Sporthalle. Der Park, sagt Geschäftsführerin Schöne, müsse ein lebendiges Erbe bleiben.

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