Debakel um zweite Stammstrecke:Reiter attackiert Deutsche Bahn

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Debakel um zweite Stammstrecke: Die Röhre soll erst zwischen 2035 und 2037 fertig werden und bis zu 7,8 Milliarden Euro kosten.

Die Röhre soll erst zwischen 2035 und 2037 fertig werden und bis zu 7,8 Milliarden Euro kosten.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Die Stadt sei nicht verantwortlich für die Verzögerungen beim Bau, schreibt der Münchner Oberbürgermeister in einem offenen Brief - und fordert eine Richtigstellung.

Von Heiner Effern

Der Oberbürgermeister schlägt zurück: In einem offenen Brief greift Dieter Reiter (SPD) die Deutsche Bahn wegen des Desasters um die zweite S-Bahn-Stammstrecke scharf an. Mit dem Verzug der Fertigstellung möglicherweise bis zum Jahr 2037 habe die Stadt nichts zu tun, schreibt er. Die Bahn solle nicht "über die Presse Schuldige" suchen, sondern zusammen mit dem verantwortlichen Freistaat schleunigst die Probleme bei Planung und Bau beheben. "Schließlich kommt es nicht in Frage, die Münchnerinnen und Münchner sowie die ganze Region noch 15 Jahre auf den dringend notwendigen Ausbau des überlasteten S-Bahn-Systems warten zu lassen", heißt es weiter.

Die Deutsche Bahn (DB) hatte in einem internen Papier, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, die im Raum stehende Kostenexplosion und Verzögerung des zweiten Tunnels bestätigt. Die Röhre soll demzufolge zwischen 2035 und 2037 fertig werden und bis zu 7,8 Milliarden Euro kosten. Das Papier der DB nennt auch ausdrücklich die Gründe für die Verschiebung der Eröffnung von 2028 auf 2035. Vier Punkte sind angeführt, in dreien spielt die Stadt München eine prominente Rolle.

Die Stadt will am Hauptbahnhof vorsorglich eine Station für die geplante U9 einbauen lassen. Das geht wegen der komplizierten Linienführung im Untergrund nur im Zuge der Arbeiten für die zweite Stammstrecke. Die neue Linie soll wohl erst spät in den 2030er-Jahren kommen. Die Kosten von etwa 500 Millionen Euro für das Vorhaltebauwerk wird die Stadt übernehmen. Allerdings kann sie das nur tun, wenn der Bund zusagt, die gesamte U-Bahnlinie zu bezuschussen. Sonst würde möglicherweise ein verwaister U-Bahnhof für eine halbe Milliarde Euro im Münchner Untergrund entstehen.

Schuldzuweisungen an die Stadt seien "völlig inakzeptabel"

Dass für den Bau der U9 und der Vorhaltestation am Hauptbahnhof noch keine Verträge vorliegen, führt die Bahn als eine der Ursachen für die Verzögerungen an. Auch sei die "erwartete Beschleunigung der Genehmigungsverfahren" am Hauptbahnhof und im Ostabschnitt nicht erreicht worden, weil die Abstimmung mit der Landeshauptstadt und Dritten sehr zeitaufwendig gewesen sei. Im vierten Unterpunkt wird erneut die U9 mit angeführt. Daneben räumt die DB ein, dass auch das Bauen in der engen Innenstadt, die Umplanung der Trasse im Osten sowie der zusätzliche Rettungsstollen zu Verzögerungen führten.

Oberbürgermeister Reiter ist regelrecht erbost darüber, dass die Stadt im Bahn-Papier als so stark verantwortlich hervorgehoben wird. "Völlig inakzeptabel" sei das, schreibt er in seinem Brief und fordert eine "Richtigstellung". Die im Papier genannten Punkte seien schon 2019 besprochen worden, daraufhin sei damals der Termin für die Fertigstellung von 2026 auf 2028 verschoben werden. Dass die Verträge zur U9 noch nicht unterschrieben seien, liege daran, "dass die DB in der Folge nachträglich zusätzliche Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe erhoben hat", schreibt Reiter.

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