bedeckt München 18°

München:Fastfood am Radl-Drive-In

Bike-In? Drive-In? Am Ende geht es schlicht um Burger.

(Foto: Stephan Rumpf)

In Solln gibt es für Menschen, die mit dem Rad zum Burger essen anreisen, jetzt einen besonderen Service. Der Umwelt tut man dabei aber trotzdem nichts Gutes.

Kolumne von Andreas Schubert

Als Autofahrer hat man es in München nicht leicht. Die Stadt beschneidet zunehmend das natürliche Habitat des Autos, indem sie Fahrspuren und Parkplätze klaut, nur damit rücksichtslose Radlrambos noch mehr Platz bekommen. Und jetzt auch noch das: Ein Schachtelwirt in Obersendling unterstützt die sich ausbreitende Unsitte des Radfahrens, indem er ein "Bike-In" anbietet, die Radlversion des altbewährten Drive-Ins.

Das geht so: Der Rambo bestellt per App, rast zum Restaurant - nicht ohne mindestens fünf rote Ampeln ignoriert und einen Dackel totgefahren zu haben - und bekommt sein Fastfood nach draußen geliefert. Und während er seinen Burger mampft, schaut er auf die Autofahrer herab, die ob der verächtlichen Blicke ein schlechtes Gewissen bekommen, weil sie sich keinen Zentimeter bewegen müssen, um an ihre wohlverdienten Kalorienbomben zu kommen.

So oder ähnlich würde vermutlich ein Münchner Automobilklub (nicht der ADAC) das neue Angebot einer großen Fastfood-Kette in der Stäblistraße beschreiben, würde man ihn denn fragen. Tatsächlich hat sich die Kette mit dem M etwas sehr Zeitgemäßes ausgedacht, das sowohl der Umwelt als auch der Gesundheit ihrer Kunden zugute kommt.

Denn: Wer sich zum Beispiel zwei Cheeseburger samt mittlerer Pommes mit Ketchup und Mayo reinpfeift, muss nur einmal von sagen wir Fröttmaning nach Obersendling und zurück strampeln, schon sind die Kalorien wieder kompensiert. Freilich verlängert sich die Kalorien-Verbrauchsstrecke, wenn man sich an die wirklich guten Sachen beim Schachtelwirt wagt. Wer sich zu seinen Pommes etwa einen doppelt befleischten Kawentsmann mit Spiegelei und einen Milchshake bestellt, sollte mindestens von Freising angeradelt sein.

Aber Kalorien hin oder her: Neben der Kundennachfrage gibt die Fastfoodkette den Klimaschutz als Grund für das neue Angebot an. Blöd nur, dass ein einzelner Burger CO₂-mäßig einer Autofahrt von mehreren Kilometern entspricht. Bike-In-Radler sind also ebenfalls Umweltschweine, würde vielleicht der Autoklub sagen. Würde er denn gefragt.

© SZ vom 28.08.2020/infu
Zur SZ-Startseite
Brotherstellung bei der "Hofpfisterei" in München, 2013

Markenrecht
:Einmal Sonne? Macht 800 Euro

Die Hofpfisterei droht mit rigiden Anwaltsschreiben, wenn ein fremdes Brot den falschen Namen trägt. Gerade hat es einen kleinen Bäcker in Reit im Winkl erwischt. Anfangs dachte er, es sei ein Scherz.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB