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Münchner Umland:Wie die Landräte die S-Bahn besser machen wollen

Perspektiven für eine Ausweitung der Münchner S-Bahn

Perspektiven für eine Ausweitung der Münchner S-Bahn.

(Foto: SZ Grafik)
  • Die Landräte der MVV-Landkreise erneuern ihr Positionspapier von 2017 über die Zukunft der S-Bahn.
  • Dieses enthält Vorschläge und Forderungen: Bis 2050 sollen einige Ausbaumaßnahmen des Streckennetzes erfolgen.
  • Neben neuen Ideen sind auch vielfach diskutierte Maßnahmen wie die "Pasinger Kurve" in dem Papier aufgelistet.
  • Die SPD wirft den Landräten vor, keinerlei Einfluss auf die Staatsregierung zu haben.

Wie soll die Zukunft der S-Bahn aussehen? Bis zum Jahr 2050, so fordern es die Landräte der Landkreise im MVV, soll einiges an Ausbaumaßnahmen passieren. Diese Woche, kurz vor der Kommunalwahl, haben sie Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer eine Neufassung ihres Positionspapiers von 2017 übergeben. Darin ist eine Liste mit Vorschlägen für die künftige Infrastruktur enthalten. Ob wirklich alle Maßnahmen kommen, ist nicht gesagt. Fest steht: Das 430 Kilometer lange Streckennetz mit seinen 150 Stationen ist komplex. Auf 140 Kilometern Streckenlänge - dazu gehört zum Beispiel die Strecke der S 1 - ist die S-Bahn im Mischverkehr unterwegs, mit der Folge, dass sich dort Verspätungen und Störungen anderer Züge auf die Pünktlichkeit der S-Bahn auswirken. Und: Auf insgesamt 100 Kilometern Länge ist das S-Bahnnetz nur eingleisig - auch hier können Verspätungen und Störungen nicht ohne Weiteres abgebaut werden, da Züge teilweise aufeinander an Bahnhöfen warten müssten. Die Landkreise drängen deshalb schon lange auf den Ausbau von Strecken.

Der SPD in den Landkreisen ist das allerdings zu wenig. "Nur warme Worte" kritisieren die um die Chefposten in den Landratsämtern kämpfenden Kandidaten der SPD. Sie fordern unter anderem von der Staatsregierung, die von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Herbst 2018 versprochenen 50 Millionen für den MVV auch auszuzahlen. Die Staatsregierung hatte zugesagt, die durch die Tarifreform zu erwartenden 35 Millionen Euro aus Staatsmitteln auszugleichen, zudem hatte er 15 Millionen für die Taktverdichtung auf den Außenästen zugesagt. Die SPD glaubt - entgegen der Aussagen der Regierung - nicht, dass das Geld fließen wird und erklärt: Die amtierenden Landräte hätten bewiesen, dass sie keinerlei Einfluss auf die Staatsregierung haben. Dennoch ist die Liste der Amtsinhaber lang. Einiges ist noch Forderung, anderes lässt der Freistaat bereits untersuchen, manches ist bereits in Planung oder schon im Bau. Eine Auswahl:

S 1: Eigene S-Bahn-Gleise von Laim nach Oberschleißheim sollen weitere Angebotsverbesserungen möglich machen und den Einfluss von Regionalzügen ausschließen. Die in der Vergangenheit immer wieder diskutierte "Pasinger Kurve" soll eine Verbindung von Pasing über Moosach und Feldmoching zum Flughafen ermöglichen.

S2 West: Auf dem Westast wird bereits der zweigleisige Ausbau bis Altomünster geprüft. So soll während der Hauptverkehrszeit ein 15-Minuten-Takt möglich sein. Wunschdenken ist dabei noch eine Verlängerung bis Aichach. Geprüft werden soll überdies ein neuer S-Bahnhalt "Breitenau", wo eine Park-and-Ride-Anlage angedacht ist. Auch eine neue Strecke von München über Odelzhausen nach Dasing entlang der A8 will der Freistaat untersuchen lassen.

S 3 West: Hier soll der Abschnitt zwischen Maisach und Mammendorf zweigleisig werden. Zu einem neuen Bahnhof "Fliegerhorst Fürstenfeldbruck" soll es einen Abzweig geben.

S 4 West: Die S4 verkehrt auf einem der nachfragestärksten Äste und sollte zunächst dreigleisig bis Eichenau ausgebaut werden. Jetzt sind vier Gleise im Gespräch, sogar bis Grafrath. In Emmering soll ein neuer Bahnhof entstehen, auch dieser steht auf der Liste des Freistaats der zu untersuchenden Maßnahmen.

S 6 West: Hier fordern die Kreise den vollständigen barrierefreien Ausbau der Stationen Starnberg und Feldafing.

S 7 West: Die seit Jahrzehnten geplante Verlängerung der S-Bahn von Wolfratshausen nach Geretsried ist derzeit in der Baugenehmigungsphase. Ein zweigleisiger Ausbau zwischen Höllriegelskreuth und Wolfratshausen wird untersucht.

S 8 West: Bereits geplant ist ein zweites Gleis zwischen Steinebach und Seefeld-Hechendorf. Eine neue Station "Weichselbaum" wird untersucht. In Planung ist der Ausbau der Abzweigstelle Westkreuz zur Verbesserung der Betriebsqualität.

S 2 Ost: Der Erdinger Ringschluss wird teilweise schon zwischen Flughafen und Schwaigerloh gebaut. Die Weiterführung bis Erding ist in Planung, ebenso soll die S2 über die Neufahrner Kurve nach Freising weitergeleitet werden. An die S-Bahn angebunden werden sollen auch die an der Bahnstrecke München-Mühldorf gelegenen Orte Hörlkofen, Walpertskirchen, Thann-Matzbach und Dorfen.

S 4 und S 6 Ost: Für diese Linien soll mindestens ein zweigleisiger Ausbau zwischen Grafing und Ebersberg erfolgen, möglichst noch vor der Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke im Jahr 2028. Die Maßnahme wird bereits untersucht. Ebenfalls in Planung ist die Elektrifizierung der Strecke nach Wasserburg, wo in Zukunft neue Regional-S-Bahnen fahren sollen. Untersucht werden soll auch ein neuer Bahnhalt in Trudering.

S 7 Ost: Ein zweigleisiger Ausbau von Giesing Richtung Höhenkirchen-Siegertsbrunn soll untersucht werden. Weiter stehen auf der Liste der barrierefreie Ausbau der Stationen Wächterhof und Hohenbrunn, zudem sollen alle Bahnsteige so verlängert werden, dass auch Langzüge zum Einsatz kommen können, um die Kapazität zu erweitern. Regional-S-Bahnen sollen von Rosenheim oder Miesbach kommend über Kreuzstraße auf die Strecke der S7 geführt werden. Zwischen Großhelfendorf und Ostbahnhof fordern die Räte einen viergleisigen Ausbau, damit kein Mischverkehr auf der Strecke entsteht.

S 8 Ost: Für die Flughafenlinie untersucht die Bahn derzeit Varianten für einen viergleisigen Ausbau zwischen Daglfing und Johanneskirchen. Die Streckengeschwindigkeit zum Flughafen soll dabei erhöht werden. Dieses Projekt ist nicht vor Ende der 2030er Jahre abzusehen. Die Landräte empfehlen - im Sinne der Landeshauptstadt München - eine Tieflage der Ausbaustrecke.

Unter "sonstige Verbesserungen Infrastruktur" steht unter anderem die Forderung, Güterverkehr über Landshut-Mühldorf und Rosenheim von München weg abzuleiten. Dieser Plan ist nicht neu. Doch die Verbindung zwischen Regensburg, Landshut und Mühldorf ist im Bundesverkehrswegeplan derzeit als nicht wirtschaftlich gekennzeichnet.

© SZ vom 12.03.2020/wean
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