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Münchens Grüne:Zwischen Freude und Enttäuschung

Katrin Habenschaden, OB-Kandidatin der Grünen, die es knapp nicht in die Stichwahl geschafft hat.

Die Kandidatin Katrin Habenschaden machte aus dem traditionellen Zweikampf um das Oberbürgermeisteramt einen Dreikampf - und beinahe hätte sie es sogar in die Stichwahl geschafft.

(Foto: Sachelle Babbar/Zuma/Imago)

Katrin Habenschadens knappes Ausscheiden aus dem OB-Rennen verdirbt den Grünen die Feierlaune. Doch dann kommen die Stadtrats-Ergebnisse.

So richtig jubeln wollen die Grünen am Montag noch nicht. Auch wenn es so aussieht, als sei die Partei bei der Kommunalwahl am Sonntag zum ersten Mal stärkste Kraft im Münchner Rathaus geworden. Doch erst am Abend werden alle Wahlzettel ausgezählt sein, und nach der Erfahrung mit der OB-Wahl sind die Grünen vorsichtig. Da hatte beim Auszählen am Sonntagabend die grüne Kandidatin Katrin Habenschaden zunächst vor Kristina Frank von der CSU gelegen.

Der nicht gerade große, aber zunächst mit knapp anderthalb Prozentpunkten doch noch einigermaßen deutliche Vorsprung schrumpfte in den Stunden darauf immer mehr, bis sich die Rangfolge schließlich umkehrte und Frank vor Habenschaden lag, mit 21,3 zu 20,7 Prozent. Bis zum Schluss blieb es spannend; den Unterschied machten letztlich weniger als 4000 Stimmen, wobei am Ende des Wahlabends zwei Stimmbezirke noch nicht ausgezählt waren.

Spät am Abend dann der erste Trend zum Stadtrat aus dem Kreisverwaltungsreferat: knapp 29 Prozent für die Grünen. Auch wenn es vorläufige Zahlen waren - da jubelten sie dann doch schon mal ein bisschen. Ein "fulminantes Ergebnis" sei das, hieß es in einer noch am Abend verschickten Mitteilung: "Die Partei erreichte das beste Ergebnis ihrer Geschichte in München und wurde voraussichtlich stärkste Kraft." Ein Erfolg sei der OB-Kandidatin Katrin Habenschaden gelungen.

"Sie verpasste nur knapp die Stichwahl gegen SPD-Amtsinhaber Dieter Reiter und steigerte das Ergebnis im Vergleich zur Wahl 2014 um sechs Prozent. In München gab es erstmals ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit grüner Beteiligung." Das Stadtratsergebnis zeige, dass die Menschen vor allem den Grünen zutrauten, "die Herausforderungen in unserer schnell wachsenden Stadt anzugehen", sagte der Münchner Parteivorsitzende Dominik Krause.

"Die Große Koalition hat die Erwartungen der Menschen nicht erfüllen können"

Im neuen Stadtrat wolle man das eigene Wahlprogramm deshalb konsequent umsetzen. "Für echten Umwelt- und Klimaschutz, für eine Verkehrswende hin zu mehr ÖPNV und Rad, für den Erhalt unserer Grünflächen, für bessere Luft und für eine solidarische und bunte Stadtgesellschaft." Die OB-Kandidatin habe ein "hervorragendes Ergebnis" eingefahren, so Krause. "OB-Wahlen in München waren immer ein Zweikampf zwischen CSU und SPD. Katrin Habenschaden ist es gelungen, daraus einen Dreikampf zu machen. Sie war die ideale Kandidatin und hatte die volle Unterstützung unserer Partei."

Krauses Co-Vorsitzende Gülseren Demirel erklärte, die Münchnerinnen und Münchner hätten mit ihrer Wahl ein Zeichen gesetzt. "Sie wünschen sich eine Stadtregierung, die mutig und entschlossen die Herausforderungen annimmt. Die Große Koalition aus SPD und CSU hat die Erwartungen der Menschen nicht erfüllen können - dies zeigen die großen Verluste beider Parteien." Die neue Stadtpolitik müsse eine ökologische Handschrift tragen - dies sei für Demirel das zentrale Ergebnis dieser Kommunalwahl. Katrin Habenschaden habe einen "sensationellen Wahlkampf geführt: modern, inhaltlich stark und sympathisch". Wie sie sich in den vergangenen Monaten ins Zeug gelegt habe, sei beeindruckend gewesen.

Dass es knapp werden könnte, war klar. Und trotzdem hatten die Grünen nach ihren Höhenflügen bei den vergangenen Landtags- und Europawahlen wohl eher nicht damit gerechnet, dass ihre Kandidatin von Kristina Frank aus dem Rennen um die Stichwahl geworfen werden würde. Die Enttäuschung war Katrin Habenschaden dann auch deutlich anzumerken, als sie um 21 Uhr am Eingang der Sendlinger Straße neben einer Sitzgruppe von Metallstühlen vor die Fernsehkameras trat. Sie lächelte, es war ein tapferes Lächeln. Geknickter als Habenschaden wirkten indes die Parteivorsitzenden Gülseren Demirel und Dominik Krause, die daneben standen.

Es war ein ungewöhnliches Setting an einem durch und durch ungewöhnlichen Wahlabend. Ihre geplante Wahlparty in der Eventlocation "Das Schloss" hatten die Grünen wegen der Coronakrise schon Tage zuvor abgesagt. Für den frühen Abend wurde stattdessen eine Pressekonferenz im Stadtbüro der Grünen am Sendlinger Tor anberaumt, die dann - "um das Ansteckungsrisiko zu minimieren" - nach draußen auf den Sendlinger-Tor-Platz verlegt und, weil die beiden Reiter-Herausforderinnen bis zuletzt so nah beieinander lagen, auf 21 Uhr verschoben wurde.

Sie freue sich "wahnsinnig", dass die Grünen in der OB-Wahl im Vergleich zu 2014 um sechs Prozentpunkte zugelegt hätten, sagte Habenschaden und gratulierte Dieter Reiter und Kristina Frank zum Erreichen der Stichwahl, "auch wenn ich da natürlich selber gern gewesen wäre". Durch das Hin und Her sei es ein spannender Abend gewesen, für sie selbst auch eine "emotionale Achterbahnfahrt". Was das Stadtratsergebnis angehe, habe sie "richtig gute Hoffnung". Die Grünen seien seit der Europawahl "bei den wichtigen Themen die Treiber" gewesen. Nach kaum zehn Minuten war die Stehkonferenz vorbei. Eine Stunde später kamen die ersten Stadtratszahlen. Und da gab es für die Grünen dann doch noch etwas zu feiern.

© SZ vom 17.03.2020/flud
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Von Heiner Effern, Anna Hoben, Dominik Hutter, Andreas Schubert und Melanie Staudinger

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