Hochhaus-Streit am Hirschgarten:Ein Ja zum Hier und Jetzt

Paketposthalle, Herzog de Meuron, 7/2019

Zwei Türme sollen die Paketposthalle überragen.

(Foto: Herzog de Meuron)

Die geplanten Zwillingstürme im Westen sind Reizpunkte. Sie würden München gut tun.

Kommentar von René Hofmann

München streitet über Hochhäuser - mal wieder. Die Regelmäßigkeit, mit der das Thema zurückkehrt, zeigt das eigentliche Problem: Die Stadt hat nie wirklich geklärt, wie nah sie dem Himmel kommen mag. Konkret geht es nun um die Pläne, neben der einstigen Paketposthalle zwei 155-Meter-Türme wachsen zu lassen. Die Kritiker des Projektes bringen sowohl prinzipielle Argumente vor ("Investorenarchitektur!", "Sichtachsen!") als auch prozessuale (mit dem Spatenstich sei doch bitte zu warten, bis eine Studie generell geklärt habe, wo in Isarnähe Wolkenkitzler hinpassen).

Beides überzeugt nicht. Die Vokabel "Investorenarchitekur" ist ein irreführender Pauschalismus. Weltweit lassen sich viele Beispiele gelungener Hochbauten finden, die von Investoren initiiert wurden. Die Pläne der Architekten Herzog/de Meuron, die für die grazilen senkrechten Bauten Schwünge vorsehen, die den Bogen der weit ausladenden Paketposthalle aufnehmen, sind dezent raffiniert. Mit ihnen würde München im Westen ein neues modernes Eingangstor bekommen, ein weithin sichtbares Ja zum Hier und Jetzt. Der Einwand, dieses käme dem Nymphenburger Schloss zu nahe, lehnt Neues neben Altem quasi generell ab. Dabei beziehen Städte einen ihrer Reize doch genau aus diesem: dem unmittelbaren Nebeneinander von Gegensätzen.

Der Wunsch, den Grund erst genau zu sondieren, erst prinzipiell zu ergründen, wo hohe Häuser hinpassen, oder zumindest repräsentativ ausgewählte Bürger zu dem konkreten Projekt anzuhören - all das ist verständlich. Es speist sich aus der Überlegung, bloß nichts falsch machen zu wollen. Manchmal aber ist genau das falsch. Manchmal lässt nur Mut Großes entstehen.

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