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Kriminalität:Warum Einbrecher es auf Kitas abgesehen haben

Bund will Schulen, Kindergärten und Einzelhandel offen halten

Einbrüche in Kindertagesstätten gibt es häufig. "Für potenzielle Einbrecher ist das ein ideales Objekt", sagt ein Polizeisprecher.

(Foto: dpa)

Schon seit einer ganzen Weile registriert die Polizei vermehrt Einbrüche in Kindergärten. Zuletzt stellte sie eine Serie solcher Straftaten vor allem im Münchner Osten fest.

Von Julian Hans

Die Beute war gering, aber der Ärger war groß und der Schrecken erst Recht: In der Kita waren Diebe! Als eine Erzieherin am Freitag vor einer Woche morgens um 7.30 Uhr ihre Kita in Berg am Laim aufschloss, war ein Fenster aufgebrochen und das Büro durchwühlt. Eine Geldkassette fehlte.

Inhalt: etwas mehr als hundert Euro. Der Vorfall ist nichts Außergewöhnliches. Schon seit einer ganzen Weile registriert die Polizei vermehrt Einbrüche in Kindergärten. "Seit diesem Jahr gibt es eine Serie von solchen Straftaten vor allem im Münchner Osten", sagt Ronny Ledwoch von der Pressestelle der Polizei. Insgesamt sei in mehr als ein Dutzend Einrichtungen eingebrochen worden, die meisten davon liegen in Ramersdorf und Neuperlach.

Da die Grenzen wegen der Corona-Pandemie über Monate geschlossen waren oder der Grenzverkehr nur sehr eingeschränkt möglich war und Reisende verstärkt kontrolliert wurden, glauben die Ermittler nicht, dass die Einbrüche auf das Konto reisender Einbrecherbanden gehen, wie das bei Einbruchsserien in der Vergangenheit oft der Fall war. Vielmehr hätten die Ermittler Hinweise darauf, "dass hinter mehreren Delikten Tätergruppen stecken, die sich in der Gegend gut auskennen und dort entweder wohnen oder arbeiten", erklärt Ledwoch. Es gebe bereits "mehrere Ermittlungsansätze", die der Polizeisprecher aber nicht im einzelnen bekannt machen möchte, um den Erfolg nicht zu gefährden.

Keine großen Schätze - aber aber wenig Schutz

Ein Kindergarten erscheint zunächst kein interessantes Ziel für einen Diebeszug zu sein. Große Schätze werden dort in der Regel nicht gehortet, höchstens in Spielgeld und Schokodukaten. Gleichwohl haben Kitas einige Eigenschaften gemeinsam, die sie doch interessant für Einbrecher machen: Sie liegen meist im Erdgeschoss, oft etwas abseits, damit kein Kinderlärm die Anwohner stört. Häufig haben sie auch einen Garten oder Park, wo die Kinder spielen können, der oft noch mit Hecken vor Blicken von außen geschützt ist. Und selten haben die Träger Geld übrig für einen teuren Einbruchsschutz. "Für potenzielle Einbrecher ist das ein ideales Objekt", sagt Ledwoch. Die Täter agierten auf gut Glück: Manchmal ist eben doch etwas Bargeld für gemeinsame Anschaffungen in der Kasse.

Viele Kitabetreiber sind sich inzwischen der Gefahr bewusst. "Wir stehen dazu mit der Polizei in Kontakt und beobachten das", heißt es aus dem Bildungsreferat der Stadt. "Wir arbeiten eng mit der Polizei zusammen", sagt auch Benjamin Tajedini, der Geschäftsführer von Infanterix, der 20 Einrichtungen in München betreibt. Die Beratungsstelle Einbruchsschutz empfiehlt, in einen kleinen Tresor zu investieren und das Büro mit einer sicheren Türe zu versehen. "Ein gutes Alarmsystem wird unter 2500 Euro nicht zu haben sein", sagt Michael Rasp. Der Kriminalhauptkommissar berät Bürger und Organisationen. Termine können unter beratungsstelle-muenchen@polizei.bayern.de vereinbart werden. "Leider kommen die Leute erst, wenn etwas passiert ist", sagt er.

Insgesamt ist die Zahl der Einbrüche heuer deutlich niedriger als im Vorjahr, als die Polizei insgesamt 926 Wohnungseinbrüche gezählt hat. Zwischen April und Juni waren es sogar nur etwa halb so viele wie 2019, hat man im Polizeipräsidium festgestellt. Das hat vor allem mit Corona zu tun: Die Grenzen sind zu, viele Menschen arbeiten zuhause. Im Gegensatz dazu können sich die Täter darauf verlassen, dass in Kitas nachts und an den Wochenenden niemand da ist. Seitdem ab Juni nach und nach die Ausgangsbeschränkungen gelockert wurden, sind auch die Einbrecher wieder aktiver.

© SZ vom 29.10.2020/van/aner
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