Oktoberfest 2022:Polizei rüstet sich für die Wiesn

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Polizeistreife auf dem Oktoberfest in München.

Hunderte Beamtinnen und Beamte des Münchner Präsidiums werden in der Wiesnwache, auf dem Festgelände und in der näheren Umgebung Dienst tun. Dazu kommen 190 Kräfte der Bundespolizei.

(Foto: Stephan Rumpf)

600 Beamte, Überwachungskameras, Sperrringe und ein Flugverbot: Die Polizei bereitet sich auf das größte Volksfest der Welt vor - und rät davon ab, E-Scooter für die Heimfahrt zu nutzen.

Von Martin Bernstein

Kaum fällt die Wiesn pandemiebedingt zweimal hintereinander aus, ist nichts mehr, wie es war. Zumindest auf dem Personal-Tableau. Wiesnwache: neuer Chef. Kreisverwaltungsreferat: neue Chefin. Polizeipräsidium: neue Chefs. Sogar die Pressestelle der Münchner Polizei hat eine im Vergleich zu 2019, dem letzten Oktoberfestjahr vor Corona, neue Leitung. Umso bemerkenswerter, dass Letztere am Mittwochnachmittag bei einer Pressekonferenz Handouts an die Journalistinnen und Journalisten verteilen lassen konnte, in denen der zentrale Satz lautet: "Die Münchner Polizei hat ihr über Jahre bewährtes Einsatzkonzept in den vergangenen Monaten ganzheitlich fortgeschrieben." Freilich mit dem Zusatz: "... und den aktuellen Gegebenheiten angepasst".

Konkret heißt das: 600 Beamtinnen und Beamte des Präsidiums werden in der Wiesnwache, auf dem Festgelände und in der näheren Umgebung Dienst tun - "freiwillig und mit großer Begeisterung", wie es aus der Ettstraße heißt. Helfen werden ihnen dabei Bodycams (mindestens eine für jede Einsatzgruppe, sagt Polizeioberrat Christian Schäfer, der neue Leiter der Wiesnwache), 54 Überwachungskameras (nochmal fünf mehr als vor drei Jahren), drei Sperrringe um die Theresienwiese - und ein weiterer in der Luft, verbunden mit einem Flugverbot für jede Art von Drohnen.

Am Eingang kontrollieren Münchner Security-Kräfte, die "in Verdachtsfällen" unterstützt werden von Polizisten und die unter anderem dafür Sorge zu tragen haben, dass keine größeren Taschen, Rucksäcke und nach 18 Uhr auch keine Kinderwagen auf das mit Zaun und Hochsicherheitspollern abgeriegelte Gelände gebracht und keine gestohlenen Masskrüge herausgeschmuggelt werden. Außerdem werden 80 Mitarbeitende des KVR auf der Wiesn und der Kommunale Außendienst (KAD) der Stadt im Umfeld präsent sein.

Bis zu 190 Beamtinnen und Beamte der Bundespolizei werden außerdem zu Spitzenzeiten im Einsatz sein und sich um die Sicherheit im Bahnbereich kümmern, vor allem an der Hackerbrücke - dort mit ihrem als "blauweißer Partybus" bezeichneten Lautsprecherwagen, am Hauptbahnhof und an den Haltestellen der S-Bahn-Stammstrecke.

Spezielle Corona-Auflagen gibt es keine auf dem Festgelände

Aber sonst? Im Herbst 2022, wenn sich nach Überzeugung von Virologen neben der gewohnten Wiesn-Grippe eine Oktoberfest-Covid-Welle aufbauen wird? Corona-Auflagen, etwa eine Zugangsbeschränkung zur Theresienwiese oder zu den einzelnen Bierzelten, gibt es nicht. "Es fehlt hierfür an gesetzlichen Regelungen des Bundes als auch des Freistaats Bayern, die es ermöglichen würden, solche Maßnahmen zu erlassen", schreibt die neue KVR-Referentin Hanna Sammüller-Gradl.

Was den Sicherheitsbehörden also bleibt, ist der Appell an die Eigenverantwortung der Wiesn-Besucher und deren Solidarität mit dem Klinikpersonal, "welches seit Monaten am Limit arbeitet". Immerhin, an ein paar Corona-Regeln wurde am Mittwoch dann doch erinnert. So soll Maske tragen, wer die Wiesnwache oder das Fundbüro betritt. Auch wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist - wozu Polizeivizepräsident Michael Dibowski eindringlich aufruft -, muss in Bus, Tram, U- oder S-Bahn Mund-Nasenschutz tragen.

Um Oktoberfestbesucher mit ihrem erhöhten Infektionsrisiko von Personal und Patienten der Münchner Kliniken weitgehend fernzuhalten, wurde die Sanitätsstation auf der Wiesn massiv ausgebaut. Mindestens zehn, in Stoßzeiten sogar bis zu 20 Patienten können vor Ort überwacht oder behandelt werden. Sogar ein mobiler Computertomograph wurde im Servicezentrum installiert.

Vor drei Jahren registrierte die Polizei während der Wiesn 47 Sexualdelikte. Die Zahlen dürften steigen - eine gesetzliche Neuregelung stellt seit vergangenem Jahr endlich auch das "Upskirting" unter Strafe, das Fotografieren oder Filmen des Intimbereichs. Frauen und Mädchen, die sich bedrängt oder bedroht fühlen, finden am "Safe Space" Hilfe.

E-Scooter müssen draußen bleiben

Dringend rät die Polizei davon ab, E-Scooter für die Heimfahrt im möglicherweise alkoholisierten Zustand zu verwenden. Rechtlich macht es nämlich keinen Unterschied, ob man angetrunken hinter einem Auto-Lenkrad oder einer Roller-Lenkstange erwischt wird. Außerdem dürfen Elektroroller im Äußeren Sperrring weder gefahren noch abgestellt werden, sie müssen an einer von insgesamt sieben Sammelstellen im Wiesn-Umfeld geparkt werden.

100 000 Kilometer mehr als sonst fahren laut Münchner Verkehrsgesellschaft U-Bahnen, Busse und Trambahnen während des Oktoberfests. 90 zusätzliche Mitarbeiter sorgen jeden Tag für Sicherheit allein im U-Bahnhof Theresienwiese. Und sogar die Rolltreppen legen dort einen Zahn zu, um den Fahrgastansturm zu bewältigen: 18 Zentimeter pro Sekunde fahren sie schneller als sonst. Täglich sind insgesamt mehr als 200 zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MVG im Dienst.

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