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Museum im Schloss Nymphenburg:Große Erwartungen an Biotopia

Noch virtuell: das Naturkundemuseum Biotopia in Schloss Nymphenburg

Der Schnitt durch das Gebäude zeigt die Bereiche, in denen die Dauerausstellungen zu sehen sein werden. Die Stockwerke sind durch vier geschwungene Treppenaufgänge miteinander verbunden. Copyright: Event Communications

Das Projekt soll "viel mehr sein" als ein Naturkundemuseum und den Austausch mit anderen Häusern pflegen. Doch bis zur Eröffnung, geplant für 2028, ist es noch ein weiter Weg.

Von Martina Scherf

Die Staatsregierung hält am geplanten Naturkundemuseum Biotopia in Schloss Nymphenburg fest. Das verkündete Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) in seinem Grußwort zu einer Online-Informationsveranstaltung am Montagabend und sprach von einem "einzigartigen Standort mit einem Natur-Kultur-Quartier, das seinesgleichen suchen wird." Dann folgten mehr als ein Dutzend Statements von Vertretern aus Wissenschaft und Politik, die alle bezeugten, wie hoch die Erwartungen an das künftige Museum sind. Das Museum soll internationale Strahlkraft entwickeln.

Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Die Entwurfsplanung für die Erweiterung des Museums Mensch und Natur liegt beim Staatlichen Bauamt, sie geht durch alle Gremien, bis vor der Sommerpause der Haushaltsausschuss des Landtags über das Projekt beraten wird. 200 Millionen Euro soll der Bau kosten, das sei immer noch im Plan, betonte Biotopia-Gründungsdirektor Michael John Gorman.

Ein neues Gesetz erforderte, den zu erwartenden Anstieg der Baukosten über die gesamte Laufzeit einzurechnen, daher die Steigerung gegenüber den ursprünglich veranschlagten 140 Millionen. Doch die Konkurrenz plane viel teurer: Für 660 Millionen Euro erweitern die Berliner ihr Naturkundemuseum, das Senckenberg-Museum in Frankfurt wird für 316 Millionen erneuert.

Auguste von Bayern sammelt mit ihrem Förderkreis unermüdlich Spenden, ihr Ziel sei zehn Prozent der Baukosten, erklärte sie. Die Lebenswissenschaften behandelten die zentralen Themen des 21. Jahrhunderts. Ob Pandemie oder neue Nahrungsmittel, nirgends schritten die Entwicklungen so rasant voran wie in diesem Bereich.

Biotopia solle "viel mehr sein als ein Museum", nämlich Diskussions- und Bildungsforum. Gorman will dafür die starke Forschungslandschaft in München einbinden. Die Anbindung an den Schlosspark und den Botanischen Garten sei ideal, um Kinder und Jugendliche zu Flora und Fauna forschen zu lassen. Im Biotopia-Lab, das im benachbarten Botanischen Institut eingerichtet wurde, geschieht das schon jetzt. Gorman will auch den Austausch mit bayerischen Museen, vom Rieskratermuseum in Nördlingen bis zum Urzeitmuseum in Bayreuth, pflegen. Seine Mission: "die Beziehungen zwischen dem Menschen und anderen Arten neu zu gestalten."

Das war auch schon der Auftrag seiner Vorgänger. Michael Apel, Leiter des Museums Mensch und Natur, schilderte die lange Vorgeschichte des Projekts. Da staunte man, als er ein Schwarz-Weiß-Bild aus der Vorkriegszeit zeigte: Schon damals, die Naturkundlichen Sammlungen waren noch im sogenannten Wilhelminum in der Neuhauser Straße untergebracht, machte man sich Sorgen über das Artensterben. 100 Jahre später ist das Thema brisant wie nie. Das Haus in der Innenstadt wurde im Krieg zerstört. Erst in den Achtzigerjahren beschloss man, ein neues Naturkundemuseum zu bauen. Der Club of Rome hatte da längst die Grenzen des Wachstums skizziert. Die Verschmutzung von Luft, Wasser und Böden war nicht mehr zu ignorieren. Bayern hatte mit Max Streibl bereits 1970 den ersten Umweltminister Europas installiert. Es gab einen Architektenwettbewerb mit einem attraktiven Siegerentwurf - doch dann verschwanden die Pläne in der Schublade, es sei kein Geld da für einen Neubau.

1990 wurde stattdessen das Museum Mensch und Natur in Schloss Nymphenburg eingerichtet - und entwickelte sich zum Publikumsliebling. Seine Konzeption war revolutionär, es scheute sich nicht, politisch brisante Themen aufzugreifen wie Massentierhaltung oder das Spannungsverhältnis von Mensch und Natur am Beispiel von "Problembär" Bruno. Auch künstlerische Positionen fanden ihren Platz. Allerdings war das Museum von Anfang an viel zu klein. Streibl, bei der Eröffnung bereits Ministerpräsident, drückte seine Hoffnung aus, dass es gelänge, "nicht gerade in erdgeschichtlichen Zeiträumen" zu einem Neubau zu kommen.

"Das Gebäude soll ein Teil des Schlosses sein, aber auch in die Zukunft weisen"

Vor zehn Jahren fiel der Beschluss für die Erweiterung. Architekt Volker Staab, sein Name steht für sensible Erneuerungen historischer Bauten wie das Richard-Wagner-Museum Bayreuth, das Neue Museum Nürnberg oder das Museum der Bayerischen Könige in Hohenschwangau, erklärte noch einmal, wie er im Einvernehmen mit dem Denkmalschutz seine Planung an die Farbigkeit und Fassadengliederung des Schlosses anpasste. "Das Gebäude soll ein Teil des Schlosses sein, aber auch in die Zukunft weisen", sagte er. Man habe Nachhaltigkeitsaspekte so weit wie möglich berücksichtigt, etwa durch Kühlung mittels Grundwasser. Auch Generalkonservator Mathias Pfeil betonte, das Schloss habe über die Jahrhunderte viele Veränderungen erfahren, das künftige Museum sehe er als Bereicherung.

Gut 260 Personen nahmen an der Veranstaltung teil. Die Kritiker, die eine "Verschandelung des Schlosses" befürchten und einzelne CSU-Politiker auf ihre Seite gezogen hatten, meldeten sich diesmal nicht im Begleit-Chat zu Wort. Stattdessen betonten die Vorsitzenden der Bezirksausschüsse Neuhausen-Nymphenburg und Pasing-Obermenzing, Anna Hanusch und Frieder Vogelsgesang, ihre Gremien stünden hinter dem Projekt. Lediglich die Verkehrsbelastung sei zu prüfen, sowohl während der Bauzeit als auch beim späteren Betrieb. Man sei darüber mit dem Biotopia-Planungsstab in gutem Gespräch und erwarte von den Münchner Verkehrsbetrieben, dass der versprochene Expressbus bis zum Schloss bald komme. Die Eröffnung des Museums ist für 2028 geplant. Das wäre zumindest kein erdgeschichtlicher Zeitraum.

© SZ vom 16.06.2021/wean
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