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LMU München:Ein neuer Campus direkt am Englischen Garten

Die Bauarbeiten am "Campus Königinstraße" werden bis 2030 dauern.

(Foto: Kleyer Koblitz Letzel Freivogel Architekten (Visualisierung))

Der Stadtrat soll in dieser Woche den Weg für den neuen Physik-Campus freimachen - obwohl Kritiker die Bebauung auf dem bisherigen Gelände der Tiermediziner für zu massiv halten.

Es wird ein Bauprojekt von historischer Bedeutung für die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) - das zudem für alle Münchner den Übergang vom Univiertel zum Englischen Garten aufwertet: In dieser Woche soll der Planungsausschuss des Stadtrats den Weg freimachen für den Neubau eines Physik-Campus auf dem derzeitigen Areal der Tiermedizinischen Fakultät der LMU an der Königinstraße. Stadtbaurätin Elisabeth Merk legt dafür einen Bebauungsplan zur Verabschiedung vor, der sukzessive den Abriss des Gebäudebestands und den Neubau von sieben Häusern vorsieht, von denen eines - das sogenannte Nano-Institut - schon steht und genutzt wird. Außerdem soll das bisher ziemlich abgeschlossene Areal für die Allgemeinheit geöffnet und mit neuen Garten- und Grünflächen nutzbar gemacht werden.

Die Geschichte der Tiermedizin an diesem Standort reicht zurück bis ins Jahr 1790, als Kurfürst Karl Theodor die Gründung einer "Thier-Arznei-Schule (école vétérinaire)" am westlichen Rand des heutigen Englischen Gartens anordnete. Seit 1914 ist auf dem Gelände die Tierärztliche Fakultät der LMU ansässig. Weil die Gebäude inzwischen marode und die Platzverhältnisse beengt sind, wird die Fakultät in den nächsten Jahren komplett nach Oberschleißheim verlagert, Teile davon sind dort bereits seit geraumer Zeit ansässig.

Damit wird für die LMU ein Grundstück in bester Lage frei. Und es ist schon lange ausgemacht, dass die derzeit auf fünf Standorte verteilte Physik-Fakultät auf einem "Campus Königinstraße" zusammengeführt wird, mit dem nötigen Platz für 2600 eingeschriebene Studierende und für 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Physik ist eine der auch international herausragenden Einheiten der Exzellenz-Uni LMU, Nobelpreisträger Theodor Hänsch hat dort einen Lehrstuhl. Mit dem neuen Campus, der "einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag" kosten soll, werde die LMU "den Anforderungen moderner Spitzenwissenschaft gerecht", teilt eine Sprecherin mit. Räumliche Nähe sei "ein wichtiger Erfolgsfaktor". Zudem entstehe so die Basis, "auch künftig herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu gewinnen".

Die LMU plant nach Auskunft der Sprecherin damit, dass der nächste Bauabschnitt - das "Forum Physik", in dem die Meteorologie unterkommen und das dem "Austausch mit der Gesellschaft" dienen soll - von Ende 2023 an entsteht. Der Abschluss der Bauarbeiten ist für 2030 geplant. Damit hätten Planung und Bau knapp 20 Jahre gedauert.

Vor acht Jahren startete ein städtebaulicher und landschaftsplanerischer Wettbewerb für das etwa vier Hektar große Areal (was knapp sechs Fußballfeldern entspricht). Daraus ging Anfang 2013 das Büro Kleyer Koblitz Letzel Freivogel Architekten zusammen mit Sinai Landschaftsarchitekten, beide mit Sitz in Berlin, als Sieger hervor. Ihr Entwurf wurde zur Grundlage des nun vorliegenden Bebauungsplans. Zu den darin formulierten Zielen zählen neben dem Bau eines auch technisch hochmodernen Physik-Zentrums "die Anlage eines Hanggartens als für die Allgemeinheit nutzbare Freifläche hoher Qualität" (durch das Gelände verläuft eine Hangkante) und "die Schaffung einer Querungsmöglichkeit durch das Gelände mit Anschluss an die Schackstraße und an das bestehende Wegenetz des Englischen Gartens".

Die Pläne für den Physik-Campus stießen von Anfang an auf Kritik, vor allem weil die Bebauung größer ausfallen wird als bisher. Zudem argumentierten Kritiker, die zu großen Teilen nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wieder aufgebauten Gebäude verdienten es, unter Denkmalschutz gestellt zu werden. Dafür aber sah das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) keinen Anlass, es machte damit den Weg frei für den Abriss. Geschützt sind lediglich das klassizistische Portal mit Dreiecksgiebel und Reliefemblem am Eingang zum Englischen Garten, gegenüber dem Milchhäusl, und der so genannte "Schlangenbrunnen" vor dem Gebäude Königinstraße 12.

Das BLfD und die Bayerische Schlösser-, Gärten- und Seenverwaltung, die für den Englischen Garten verantwortlich ist, äußerten aber erhebliche Bedenken wegen eines geplanten Gebäudes im Südosten, das bis auf drei Meter an die Parkgrenze heranreiche, so das BLfD: "Eine derart massive, hohe Bebauung mit Wandhöhe 20 Meter stehe im erheblichen Widerspruch zu den Intentionen der Schöpfer des Gartens, Ludwig von Sckell und Graf Rumford", wird der Einspruch in Merks Vorlage zusammengefasst. Die Schlösserverwaltung habe darauf hingewiesen, dass das Gebäude viermal so hoch werde wie die derzeitige Bebauung. Dem hält das Planungsreferat entgegen, der Baukörper werde sich "in die vorhandene Baumkulisse" einfügen. Zudem würden Dachaufbauten "so positioniert, dass eine Beeinträchtigung des Englischen Gartens vermieden wird".

Im Stadtrat werden die Pläne voraussichtlich auf Wohlwollen stoßen. "Grundsätzlich scheint es mir ein gelungenes Konzept zur Ergänzung des Stadtraums zu sein", sagt SPD-Fraktionschef Christian Müller. Die Oppositionsvertreterin Heike Kainz, planungspolitische Sprecherin der CSU, freut sich, dass "dort ein für die Bevölkerung offener Bereich entsteht". Nun gelte es in den Wettbewerben zu den drei noch bevorstehenden Bauabschnitten darauf zu achten, "dass es auch eine gelungene Architektur wird".

© SZ vom 29.06.2020/vewo

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