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Nach Insolvenz:Neue Hoffnung für Kaufhof am Stachus

Verhandlungen zur Rettung der Stachus-Filiale werden fortgesetzt.

Von Wolfgang Görl, Sebastian Krass

Die Mitarbeiter der Kaufhof-Filiale am Stachus dürfen noch hoffen, wenngleich nicht klar ist, wie aussichtsreich der derzeit laufende Rettungsversuch ist. In einem von der Gewerkschaft Verdi organisierten Gespräch mit Arndt Geiwitz, dem Generalbevollmächtigten des Konzern Galeria Karstadt Kaufhof (GKK), sowie Michael Zechbauer, dem Hauptvermieter des Warenhausgebäudes, und Betriebsräten kam man nach Angaben von Verdi überein, die Verhandlungen zur Rettung des Hauses am 21. August fortzusetzen. Wie auch Zechbauer bestätigte, sind drei Varianten im Gespräch, über deren Machbarkeit die Beteiligten nun intern nachdenken. Dominik Datz, der Verdi-Fachmann für den Einzelhandel, berichtete von einer "sehr konstruktiven Gesprächsatmosphäre" und fügte hinzu: "Uns war klar, dass es keine einfachen und schnellen Lösungen gibt. Deshalb ist die Fortführung des Gesprächs an einem weiteren Termin und das Ausloten von unterschiedlichen Alternativen ein wichtiger Schritt für die Beschäftigten." Auch Zechbauer sprach von einem "angenehmen Gespräch", allerdings eines "mit sehr offenen Ausgang". Über Details der drei Rettungsszenarien haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart.

Der schwer angeschlagene GKK-Konzern hatte im April Rettung in einem Schutzschirmverfahren, einer Sonderform des deutschen Insolvenzrechts, gesucht und im Juni angekündigt, bundesweit 62 von 172 Filialen zu schließen. In der Zwischenzeit ist es bundesweit gelungen, den Betrieb von zahlreichen für die Schließung vorgesehenen Filialen doch aufrechtzuerhalten. So bleibt entgegen ursprünglichen Überlegungen auch der Karstadt an der Münchner Freiheit erhalten. In München stand nach letztem Stand für vier von neun GKK-Filialen die Schließung bevor: neben dem Haus am Stachus die Kaufhof-Filialen am Nordbad und im Olympia-Einkaufszentrum und wohl auch der Karstadt Sport in der Neuhauser Straße, für die Schließung dieses Hauses steht aber noch eine offizielle Bestätigung aus. Die Filiale am Stachus hat aus Verdi-Sicht besondere Bedeutung, weil sie die größte ist und eine Art Auffangbecken für Beschäftigte aus den nicht zu rettenden Filialen sein könnte.

Dem Gespräch am Freitag waren wochenlange Verhandlungen vorangegangen, in denen es darum ging, zu welchen Konditionen GKK sich auf einen neuen befristeten Mietvertrag mit reduzierter Miete einlassen würde. Zechbauer bot an, bis Ende 2021 auf drei Viertel der Miete zu verzichten. Doch das reichte den GKK-Vertretern nicht. Und so verkündeten die Beteiligten am Abend des 21. Juli das Aus für die Filiale am Stachus. Nun könnte die erneute Verhandlung vier Wochen später doch noch ein Ergebnis bringen.

© SZ vom 08.08.2020

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