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Einzelhandel in München:Vermieter will Kaufhof am Stachus retten

Galeria Kaufhof am Stachus in München, 2020

Das Warenhaus am Stachus wurde vor knapp 70 Jahren eigens für Kaufhof gebaut.

(Foto: Robert Haas)

In der Filiale könnten Mitarbeiter anderer Filialen vorübergehend unterkommen. Es gibt aber schon jetzt Konzepte, das Gebäude künftig anders zu nutzen

Lässt sich der Kaufhof am Stachus retten, zumindest vorübergehend? Der Hauptvermieter, die Unternehmerfamilie Zechbauer, setzt die Kaufhausbetreiber von der Gruppe Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) mit dem Angebot eines Mietnachlasses unter Zugzwang: "Wir haben den Betreibern angeboten, die Miete bis Ende 2021 um etwa drei Viertel zu kürzen", sagte Michael Zechbauer am Dienstag. So könne die zur Signa-Holding des österreichischen Unternehmers René Benko gehörende GKK "den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Zeit geben, neue Jobs zu finden und den Betrieb geregelt runterfahren". GKK zahle mit Verweis auf die Corona-Krise schon seit Anfang März keine Miete mehr, sagt Zechbauer. Verkündet habe sie das "mit einer lapidaren Mail", von der geplanten Schließung habe er bisher nur aus den Medien erfahren. Sollte der Mieter auf den Nachlass eingehen, hätten die Vermieter für die nächste Zeit zumindest gewisse Einnahmen gesichert.

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi arbeiten etwa 220 Menschen im Kaufhof am Stachus. Ein Erhalt des Hauses wäre wichtig, weil man Beschäftigte der wohl nicht zu rettenden Filialen am Nordbad und im Olympia-Einkaufszentrum dort unterbringen könnte, erklärt Verdi-Sekretär Dominik Datz. Die GKK hatte sich nach der coronabedingten Schließung aller Filialen Anfang April in ein so genanntes Schutzschirm-Verfahren begeben, eine Art Vorstufe des Insolvenzverfahrens. Ende voriger Woche wurde bekannt, dass vier Filialen in München schließen sollen, neben den drei genannten Kaufhof-Filialen wohl auch der Karstadt Sport in der Neuhauser Straße. Eine Bestätigung dafür steht noch aus. Ein Signa-Sprecher ließ eine Anfrage zu den Plänen und zum Mietnachlass bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Das Warenhaus am Stachus hatte Michael Zechbauers Großvater vor knapp 70 Jahren eigens für Kaufhof erbaut. Seitdem vermietet die Familie die etwa 20 000 Quadratmeter an die Kaufhof-Betreiber. Zur Filiale gehören weitere kleinere Flächen anderer Vermieter, unter anderem im Stachus-Untergeschoss. Deshalb ist schwer zu sagen, wie viel der Mietnachlass ausmachen würde. Nach Angaben aus Branchenkreisen dürfte die Miete etwa zehn Prozent des Umsatzes ausmachen, der im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen soll.

OB Dieter Reiter (SPD) will noch in dieser Woche mit dem Generalbevollmächtigten der GKK sprechen. Am Dienstag bereits traf Reiter sich mit Michael Zechbauer zu einem "konstruktiven Gespräch", wie Zechbauer danach sagte. "Unser OB möchte sich im Rahmen der Möglichkeiten der Stadt München dafür einsetzen, dass der Standort möglichst lange geöffnet bleibt." Reiter selbst äußerte sich am Dienstag nicht. Verdi-Vertreter Datz fordert einen Runden Tisch mit allen Beteiligten.

Eine theoretische Möglichkeit der Stadt, Druck auf Signa auszuüben, sind deren Pläne, den Karstadt zwischen Stachus und Hauptbahnhof in den nächsten Jahren in einen Shopping-Tempel umzubauen, diese Immobilie gehört Signa. Gespräche dazu laufen bereits. Um die Pläne umzusetzen, braucht Signa das Einverständnis der Stadt, die die Planungshoheit hat.

Wie es mit dem Gebäude am Stachus weitergeht, ist offen. Der Mietvertrag wäre ohnehin 2022 ausgelaufen. "Wir haben frühzeitig über Konzepte nachgedacht, das Gebäude umzustrukturieren", sagt Zechbauer. "Details kann ich noch nicht nennen. Aber das wird sich in den nächsten Wochen oder Monaten entscheiden." Denkbar dürfte eine Mischnutzung aus Handel und Büros sein.

© SZ vom 24.06.2020/mmo

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