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Wirtschaft:Galeria Karstadt Kaufhof schließt drei Filialen in München

Kaufhof München

Der wichtigste Standort für Galeria Karstadt Kaufhof in München: das Haus am Marienplatz. Das bleibt dementsprechend auch erhalten.

(Foto: Sonja Marzoner)

Neben dem Kaufhof am Stachus werden die Standorte am Nordbad und einer der beiden im OEZ aufgegeben. Nach Gewerkschaftsangaben sind davon etwa 350 Mitarbeiter betroffen.

Von Thomas Anlauf, Christian Rost und Tom Soyer

Der Schock sitzt tief: Das Unternehmen Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) schließt drei seiner acht Häuser in München: Neben dem Kaufhof am Stachus werden die Standorte am Nordbad und einer der beiden im Olympia Einkaufszentrum (OEZ) aufgegeben. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi sind rund 350 Mitarbeiter in München davon betroffen, zwei Drittel sind Frauen mit langjähriger Betriebszugehörigkeit.

In der Parfümabteilung von Galeria Kaufhof an der Sonnenstraße stehen am Freitagnachmittag sechs Mitarbeiter im Halbkreis und diskutieren ernst. Draußen rütteln Kunden an der geschlossenen Eingangstür. Drinnen steht ein Mann im schwarzen Anzug und signalisiert mit der flachen Hand: zu, geschlossen, Laden dicht. "Sehr geehrte Kunden, aus organisatorischen Gründen schließen wir für heute unser Haus. Wir bitten um Ihr Verständnis", steht auf einem Zettel an der gläsernen Eingangstür.

Opfer des Sparprogramms.

(Foto: Thomas Anlauf)

Am Mitarbeitereingang um die Ecke an der Schlosserstraße stehen vereinzelt Menschen und ringen um Fassung. "Unglaublich" sei die geplante Schließung des Hauses, sagt ein großgewachsener junger Mann. "Ich hole nur noch meine Sachen von drinnen." Eine andere Galeria-Angestellte winkt im Rausgehen nur ab. "Kein Kommentar", sagt sie, spannt ihren schwarzen Regenschirm auf und trottet langsam durch den Regen in Richtung Hauptbahnhof davon.

Die Gewerkschaft Verdi erklärt, sie wolle versuchen, die Unternehmensleitung trotz des bereits fixierten Schließungsplans noch von der Weiterführung zumindest einzelner Standorte zu überzeugen. Dies könnte durch eine Trennung der Sortimente und eine Spezialisierung der einzelnen Häuser auf bestimmte Zielgruppen gelingen, sagt Dominik Datz, der bei Verdi in München zuständig für den Handel ist. In jedem Fall werde es für die von Kündigungen betroffenen Mitarbeiter eine Transfergesellschaft geben.

Die Gewerkschaft hat bereits vor der Bekanntgabe der Entscheidung am Freitag mit einem Kahlschlag in der Landeshauptstadt gerechnet. Die Kaufhäuser der Unternehmensgruppe stehen insbesondere seit dem Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof teils in direkter Konkurrenz. Der Standort Stachus befindet sich gerade einmal hundert Meter von jenem am Hauptbahnhof entfernt und unterscheidet sich im Sortiment kaum. Das Problem gab es ebenfalls im OEZ, seit dort Kaufhof und Karstadt unter einem Dach firmieren. Das Kaufhaus am Nordbad führte laut Verdi seit jeher ein "Schattendasein", weshalb auch hier das Aus nicht völlig unerwartet komme.

Erhalten bleiben in München ein Haus im OEZ, die Standorte Schwabing, Rotkreuzplatz, Hauptbahnhof und das wichtigste Warenhaus der Gruppe am Marienplatz. Bei GKK gilt derzeit eine Beschäftigungsvereinbarung mit Verdi, wonach bis zum Jahr 2025 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind. Verdi hätte demnach auf die Arbeitsplatzgarantie pochen und die Schließungspläne ablehnen können. Angesichts der wirtschaftlich schwierigen Lage, insbesondere infolge der Corona-Krise, einigte man sich aber doch auf Gespräche über eine Standortreduzierung und einen damit verbundenen Stellenabbau. "Die Alternative wäre das Aus des ganzen Unternehmens gewesen", berichtet Dominik Datz. GKK habe den Gewerkschaftsvertretern zugestanden, dass Mitarbeitervertreter künftig ein Mitspracherecht bei der Neuausrichtung der Warenhäuser haben. Dabei soll darauf hingearbeitet werden, dass sich die Häuser nicht länger kannibalisieren, sondern mit ihren Sortimenten etwa gezielt Frauen ansprechen oder regionale Produkte anbieten.

Die von den Schließungen in München betroffenen Mitarbeiter sollen in einer Transfergesellschaft aufgefangen werden, in der mindestens sechs Monate lang an Perspektiven für die Betroffenen gearbeitet werden kann. Sie sollen währenddessen 90 Prozent ihres bisherigen Gehalts weiter beziehen. Für die Zeit danach sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt allerdings schwierig. Der Einzelhandel insgesamt befindet sich wegen Corona in einer sehr schwierigen Lage, was auf die Beschäftigung durchschlägt. Einzelne Mitarbeiter könnten möglicherweise noch bei Kaufhof am Marienplatz unterkommen, dort ist die Fluktuation laut Verdi am größten.

Um doch noch einzelne Standorte zu retten, will sich die Gewerkschaft nun Unterstützung bei der Politik holen und hat bereits erste Gespräche im Rathaus geführt. Darüber hinaus soll es Gespräche über die Reduzierung der Mieten mit den Gebäudeeigentümern geben. Datz schraubt in diesem Punkt allerdings die Erwartungen herunter. Beim OEZ sei ein bundesweiter Mall-Betreiber Ansprechpartner, der bislang kein Entgegenkommen signalisiert habe.

Aus den Führungsetagen der von der Schließung betroffenen Münchner Filialen war am Freitag keine Stellungnahme zu erhalten. Dort wurde nach den Betriebsversammlungen am Nachmittag in hörbar gedrückter Stimmung an die Konzernzentrale in Essen verwiesen.

Als sehr schmerzhaften "Kahlschlag" bewertet Bernd Ohlmann, der Sprecher des Handelsverbands Bayern, den Verlust von einem Fünftel der GKK-Filialen in Bayern. "Das tut mir sehr leid für die Mitarbeiter", und es könne nun nur gehofft werden, "dass damit das Ende der Fahnenstange erreicht wird" und nicht weitere solche Nachrichten folgten. München sei trotz aller Dramatik noch wesentlich besser dran als Ingolstadt (ein geschlossenes Kaufhaus) oder Nürnberg (zwei Kaufhäuser), wo der einzige beziehungsweise wesentliche Innenstadt-Magneten wegbrächen. "Wenn so ein Leuchtturm dichtmacht, ist das immer auch ein düsteres Signal für die Innenstädte", sagt der Verbandssprecher des bayerischen Einzelhandels. Wenn "ein Riese aufgibt", dann sei das immer auch "eine Hiobsbotschaft für den ganzen Handel".

Der sei durch die Folgen der Corona-Pandemie ohnedies schwer gebeutelt, beschreibt Ohlmann: "Im Non-Food-Handel fürchtet deutschlandweit ein Drittel um die Existenz." Im Augenblick kämen "nur Bedarfskäufer", es gebe "kein Lust-Shopping" mehr - "einkaufen mit Maske ist so beliebt wie Zahnschmerzen". Coronabedingt liege der Einzelhandelsumsatz deshalb noch immer nur bei 40 bis 60 Prozent des gewohnten Umsatzes, die Kundenfrequenz sei etwa halbiert. Es gebe rund 58 000 Einzelhandelsgeschäfte in Bayern, der Handelsverband Bayern rechne im schlimmsten Fall mit bis zu 9000 Schließungen als Corona-Folge.

Das Galeria-Karstadt-Kaufhof-Haus am Stachus muss zusperren.

(Foto: Robert Haas)

Ähnlich besorgt äußert sich auch Wolfgang Fischer, der Geschäftsführer des Vereins "City Partner", in dem sich die Münchner Innenstadthändler zusammengeschlossen haben. "Es geht um viele Hundert Mitarbeiter, das ist schon schlimm", sagt er, setzt aber noch auf Gespräche des Kaufhauskonzerns mit seinen Vermietern. Das sei "noch ein Lichtlein der Hoffnung", weil Entgegenkommen bei den Mieten noch zu Arbeitsplatzerhalt führen könnte. Wenn ein Haus wegfalle, das stadtbildprägend wie der Kaufhof-Bau am Stachus ist, dann sei das aber immer ein herber Verlust für die Münchner Innenstadt - in der er die Konsumlaune derzeit noch als "überschaubar" beschreibt. "Wir sind noch nicht in der Situation wie in Österreich, wo nur noch in öffentlichen Verkehrsmitteln Maskenpflicht besteht", und die sei natürlich ein Hemmnis.

Weiteren schlechten Handelsnachrichten könnten die Münchner seiner Meinung nach aber etwas entgegensetzen: "Kaufen Sie lokal, kommen Sie in die Innenstadt, gönnen Sie sich wieder was, schenken Sie Ihren Liebsten wieder mal was - dann bleiben die Innenstädte so, wie wir sie schätzen und lieben."

© SZ.de/kast/kbl

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