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Wirtschaft in München:Wie sich der Karstadt am Bahnhofsplatz verändern wird

Bauarbeiten gibt es bald nicht nur vor dem Haus, sondern auch im Karstadt am Hauptbahnhof selbst.

(Foto: Signa Real Estate)

Im Spätsommer beginnt der Umbau, Signa investiert hunderte Millionen Euro in den Komplex. Er soll zu einem Erlebnistempel mit Kaufhaus, Büros und Lokalen werden - in dem das Leben auch nach Ladenschluss weitergeht.

Von Sebastian Krass

Der Karstadt am Bahnhofsplatz, eines von Münchens ältesten Warenhäusern, schließt voraussichtlich im Spätsommer 2021 für gut zwei Jahre, in denen das Gebäude kernsaniert wird. Das verkündeten Vertreter der Immobiliensparte der Signa-Holding, die den Gebäudekomplex vor drei Jahren gekauft hat, am Mittwoch. Der genaue Termin für die Schließung stehe noch nicht fest, sagte Alexander Cronauer, Leiter der Projektentwicklung von Signa in München, "derzeit geplant ist August, es kann aber auch September oder Oktober werden".

Während der Bauarbeiten im Altbau, so der weitere Plan, soll der Kaufhausbetrieb in reduziertem Umfang im dahinter liegenden Anbau zwischen Schützen- und Prielmayerstraße weitergehen. Wenn die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes am Bahnhofsplatz nach dem aktuellen Zeitplan Ende 2023 abgeschlossen ist, zieht Karstadt dorthin zurück, wo im Jahr 1905 die Geschichte dieses Warenhauses unter dem Namen "Hermann Tietz", später Hertie, begann. Von außen wird sich das Gebäude nur wenig verändern, so verschwindet etwa das Vordach, innen aber soll ein Shopping-Erlebnistempel entstehen. Wenn der fertig ist, wird der Anbau aus den Siebzigerjahren abgerissen und Platz machen für einen Neubaukomplex mit Geschäften in Unter- und Erdgeschoss und Büros in sechs Geschossen darüber.

Es ist das erste Mal, dass die vom österreichischen Unternehmer René Benko gegründete Signa öffentlich über ihre Pläne mit dem riesigen Karstadt-Areal, nach dem Kadewe in Berlin der bisher zweitgrößte Kaufhaus-Standort in Deutschland, spricht. Anfang des Jahres waren Grundzüge der Planungen durchgesickert, nachdem Signa sie den Stadtratsfraktionen vorgestellt hatte. Damals gab das Unternehmen keinen Kommentar ab. Die Fraktionen bewerteten die Pläne aber mehrheitlich positiv, als deutliche Verbesserung gegenüber dem unbefriedigenden Status quo. Nun sucht Signa die Öffentlichkeit, am Mittwochabend stand eine Präsentation im Unterausschuss Planen und Bauen des Bezirksausschusses Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt an, zudem ging eine Website zum Projekt online (www.

entwicklung-schützenstrasse.de). Die grundlegende Umgestaltung des Quartiers bedeutet einen Einschnitt für Karstadt, weil das Warenhaus nach der Sanierung im Altbau nur noch 15 000 bis 18 000 Quadratmeter bespielen wird statt wie bisher 56 000 Quadratmeter. Trotz Sanierungsstaus gehörte der Karstadt am Hauptbahnhof stabil zu den umsatzstärksten zehn Filialen des problemgeschüttelten Konzerns Galeria Karstadt Kaufhof (GKK), der ebenfalls zur Signa-Holding gehört und Mieter der Immobiliensparte ist.

Vor allem aber bedeutet das Bauprojekt einen Einschnitt für die Innenstadt und die Einzelhandelsstruktur. "Wir glauben an die Innenstädte, sie werden ein Lebenszentrum der Menschen bleiben", sagt Tobias Sauerbier, Deutschland-Geschäftsführer der Signa Real Estate. Man wolle nach den "Fehlern der letzten zwei, drei Jahrzehnte, die aus den Innenstädten Monokulturen mit den immer gleichen Filialisten gemacht haben", einen Beitrag zur "Transformation" leisten. Für Planung und Bau dieses Projekts kalkuliere man mit mehreren Hundert Millionen Euro, aber weniger als 500 Millionen, so Sauerbier. Zwar werde die Einzelhandelsfläche auf dem bisherigen Karstadt-Areal deutlich kleiner, zugunsten der neuen Büronutzung. Aber zugleich wolle man ein "geschäftiges Quartier" schaffen, explizit auch über Ladenöffnungs- und Bürozeiten hinaus".

Dazu soll Gastronomie einen Beitrag leisten, auch ein von der Linken im Stadtrat ins Spiel gebrachter Club im Untergeschoss sei denkbar, heißt es. "Wir wollen in der nächsten Zeit gerade auch in den Gesprächen mit den Bürgern Ideen sammeln", sagt Projektentwickler Cronauer. Die geplante neue unterirdische Passage, die die Untergeschosse von Stachus und Hauptbahnhof verbinden soll, werde "auf keinen Fall ein 08/15-Shoppingcenter, das ist nicht zukunftsfähig". Cronauer skizziert stattdessen, dass man im Neubau Flächen für Unternehmen anbieten wolle, die sich bisher nicht in der Innenstadt befinden", etwa produzierendes Gewerbe. Als Beispiele nennt er "eine Schuhwerkstatt oder einen Gin-Hersteller". Man habe auch erste Gespräche mit Fahrradherstellern geführt, die ihr Geschäft mit einem Café kombinieren könnten, in dem man auf die Reparatur wartet. Auch Auto-Hersteller könnten ihre Produkte oder Sharingdienste zeigen. "Vielleicht übernimmt auch ein Museum oder eine Hochschule eine Fläche für Workshopangebote oder Aktivitäten für Kinder", so Cronauer. Namen potenzieller Mieter nennt er aber noch nicht.

Bis diese Ideen Wirklichkeit werden können, vergehen noch einige Jahre. Für den Neubau braucht es zunächst einen neuen Bebauungsplan. Das dafür nötige Verfahren soll der Stadtrat im Sommer mit einem Eckdaten- und Aufstellungsbeschluss einleiten, man rechne mit einer Dauer von knapp zwei Jahren, heißt es bei Signa.

In der zweiten Hälfte dieses Jahres plant das Unternehmen einen Architekturwettbewerb für den Neubau. Um den Baukörper an sich soll es dabei nicht gehen. Der stehe mit drei Innenhöfen und einem Durchgang zwischen Schützen- und Prielmayerstraße im Prinzip fest, so Cronauer, etwa wegen statischer Zusammenhänge mit dem zweiten S-Bahn-Tunnel und der Anbindung ans Stachus-Bauwerk. Aber die teilnehmenden Architekturbüros sollen Vorschläge für die Gestaltung der Fassaden, der Dachlandschaft und die Geometrie der Innenhöfe machen. Die Fertigstellung des Neubaus und damit des gesamten Projekts plant Signa für Ende 2026.

© SZ vom 06.05.2021/baso, van
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