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Symbolischer Spatenstich:DHL baut Aschheim zum größten Paket-Standort aus

Ministerpräsident Markus Söder ist am Mittwoch zum symbolischen Spatenstich nach Aschheim gekommen.

(Foto: Claus Schunk)

Die Post-Tochter errichtet ein neues Verteilzentrum an der A 99. In der durch den Wirecard-Skandal gebeutelten Gemeinde hofft man auf Gewerbesteuereinnahmen.

Von Martin Mühlfenzl

Hinter der Steinwüste rauschen die Lastwagen vorbei, die Waren auf einer der meist befahrenen Autobahnen quer durch Europa transportieren. Der Ministerpräsident blickt kurz auf die A 99 und sagt dann: "Das sieht hier ja noch aus wie eine Mondlandschaft." Noch. Denn Markus Söder ist nach Aschheim gekommen, um mit einem symbolischen Spatenstich die Arbeiten auf einer Großbaustelle zu eröffnen: Auf dem 67 000 Quadratmeter großen Areal entsteht ein neues Paketzentrum der Post-Tochter DHL, das im dritten Quartal des kommenden Jahres in Betrieb gehen soll und zusammen mit dem bereits bestehenden Firmengebäude des Konzerns zum größten Paket-Standort Deutschlands aufsteigen wird.

Für die Gemeinde Aschheim ist der Neubau ein absoluter Glücksfall, wie Bürgermeister Thomas Glashauser (CSU) bei dem Termin mit seinem Parteifreund Söder am Ortsrand sagte. Und es sind endlich einmal gute Nachrichten für eine Kommune, die zuletzt - unverschuldet - immer wieder Synonym für Tricksereien, Bestechlichkeit und auch politisches Versagen war. Glashauser nannte den insolventen Finanzdienstleister Wirecard, dessen Überreste noch immer ihren Firmensitz am Ort haben, nicht beim Namen, sondern sprach nur von dem "Debakel", dass die "Firma W." der Gemeinde eingebracht habe. Die Insolvenz von Wirecard habe seine Kommune "schon hart getroffen", sagte Glashauser angesichts massiver Einbrüche bei der Gewerbesteuer. Umso glücklicher sei er, ein Unternehmen am Ort zu haben, das jedermann zugute komme. "Und natürlich wünsche ich mir, dass die Firma gut funktioniert und Gewerbesteuer fließt."

Möglicherweise wandelt sich nun Glashausers große politische Niederlage in eine Erfolgsgeschichte um. Vor nahezu fünf Jahren hatten die Aschheimer in einem Bürgerentscheid mehrheitlich gegen die Ansiedlung des Münchner Schlachthofs auf genau jenem Areal gestimmt, das nun von DHL bebaut wird. Nach Fertigstellung des Neubaus sollen hier von kommendem Jahr an in der Stunde 72 000 Pakete sortiert werden. Mehr als 500 neue und tarifgebundene Arbeitsplätze werden geschaffen - etwa 150 Millionen Euro investiert die DHL, die zur Deutschen Post gehört, am Standort Aschheim.

Und profitieren sollen davon vor allem die Menschen in Oberbayern. "Es ist etwas ganz Besonderes, dass wir als DHL so groß bauen", sagte Tobias Meyer, Konzernvorstand Post und Paket der DHL. Denn eigentlich setze DHL auf sehr lokale und dezentrale Strukturen. Gerade in der Wachstumsregion München und Oberbayern bedürfe es aber eines derart großen Verteilzentrums, um die steigende Nachfrage bedienen können, so Meyer.

Bei ihrem Neubau legt die DHL eigenen Angaben zufolge auf Nachhaltigkeit Wert. Das Dach des Paketzentrums soll begrünt und mit einer Fotovoltaikanlage ausgestattet werden, die Wärmeversorgung erfolgt über klimafreundliche Fernwärme. "Wir setzen dabei nicht nur auf modernste Sortiertechnik, sondern auch auf ein durchweg nachhaltiges Baukonzept", sagte Konzernvorstand Meyer.

Unmittelbar am Autobahnring A 99 bei Aschheim entsteht ein neues Paketzentrum von DHL.

(Foto: Claus Schunk)

Wie sehr sich das Konsumverhalten der Menschen verändert hat, betonte auch Söder. "Und genau das sieht man hier in Aschheim." Die Pandemie habe den Trend hin zu Online-Bestellungen, der bereits vor Corona-Zeiten erkennbar gewesen sei, noch einmal deutlich beschleunigt, sagte der Ministerpräsident. Der Bau eines derart großen Verteilzentrums am Ortsrand spiegle das wider. "Ja wir wollen die Innenstädte und den Einzelhandel stärken", betonte Söder. Aber die Wahrheit sei, die Menschen wollten online bestellen - schnell und zuverlässig. Seit drei Jahrzehnten ist die DHL mittlerweile im Osten des Landkreises beheimatet. Und sie wird es lange bleiben, denn der Standort sei auch verkehrstechnisch optimal, sagte Konzernvorstand Meyer - und blickte auf die A 99.

© SZ vom 29.04.2021/van/vewo
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